Garofolo, Benvenuto, auch Garofolo und Tisio da Ferrara genannt, ein berühmter Maler, wurde 1481 in Ferrara ge- boren, und mit ihm und den Brüdern Dossi beginnt unter Al- fonso d’Este für Ferrara die glänzende Zeit der Kunst. Benve- nuto kam in jungen Jahren zu Dom. Panetti (irrig Lanetti, Lanero und Luneto), hierauf zu N. Soriani in Cremona , und nachher zu Boccaccio Boccacci. Im Jahre 1490 ging er mit Gian Baldini nach Rom , verließ aber nach fünfzehn Monaten diese Stadt und kehrte erst nach zweijährigem Aufenthalt bei Costa in Mailand wieder dorthin zurück. Bisher äußert sich in seiner Art noch nichts vom römischen Stil, jetzt aber ging viel von Rafael’s Weise in die seinige über. Er war einige Jahre bei Rafael, und unter diesem Meister gewann er in der Zeichnung und im Colorito ungemein viel, Auch in der Aumuth der Züge kommt er dem Meister in einiger Hinsicht nahe, er ist aber kräftiger und feuriger in der Bewegung, ein Erbtheil der früheren Schule. Er ist überhaupt nicht eigent- lich als Rafael’s Schüler zu betrachten, so wie er auch nicht zu den Malern ersten Ranges gehört. Sein Reichthum der Phantasie ist nicht groß und im Style seiner Zeichnung herrscht etwas Con- ventionelles. Sein Colorito aber ist von besonderer Kraft und Wahrheit. Er wusste die schönsten und stärksten Farben sehr har- monisch zu verbinden. In der späteren Zeit huldigte er immer mehr dem Handwerke . Seine Gestalten sind oft plump und ge- mein.
Indessen hat er doch bedeutende Verdienste. Durch ihn wurde Rafael’s Streben auf die Schule von Ferrara übertragen, denn Ga- rofolo vertauschte nach der freundlichen Aufnahme bei dem gros- sen Urbiner vieles von dem Angelernten mit der bessern und ge- schmackvolleren Weise der Römer, und wenn er auch zu früh von da wegzugehen gezwungen war, wo die wahre Sonne leuch- tete, so ist doch in Zeichnung, Ausdruck und Composition so viel Rafalisches auf ihn übergegangen, dass er eine Leuchte des bes- sern Geschmackes für die Ferrareser Schule wurde.
Tisio da Ferrara verliess den berühmten Sanzio sehr untern, allein ihn riefen häusliche Angelegenheiten nach Ferrara. Wäre er wieder nach Rom zurückgekehrt, wenn ihn nicht Herzog Alfonso’s Aufträge zurückgehalten hätten. Er beschäftigte ihn mit den Dossi in Belriguardo und anderwärts. Nach Baruffaldi’s Bemerkung ist Alles, was in den Arbeiten der Dossi Rafaelisch ist, dem Garofolo zuzuschreiben.
Seine beste Zeit beginnt nach Lanzi mit 1510; er starb aber erst 1550. Aus der ersten Zeit ist in S. Francesco zu Ferrara der Kin- dermord, wobei er Thonmodelle und Gewänder brauchte, Landschaft und das Uebrige malte er aber nach der Natur. In derselben Kirche malte er auch die Erweckung des Lazarus und die Gefangennehmung Christi, ein berühmtes Bild, das er 1524 voll-
Garofolo, Benvenuto:
Jedoch. Lanzi glaubt, dass Tisio nie ‚etwas Besseres geliefert hat. Von solchen Wandbildern war ehedem die Gegend voll, in Kirchen und Privathäusern. Viele sind zu Grunde gegangen, doch finden sich noch viele von seiner Hand. Vasari bewunderte besonders den ‚St. Peter Martyr bei den Dominikanern zu Ferrara, und auch die heil. Helena daselbst wird mit Lob erhoben, als ein Bild, in welchem Benvenuto ungewöhnliche Sanftheit des Charakters erreichte. Im Chore zu St. Andrea in Ferrara ist von ihm noch ein großes Bild, woran Rafael gemalt haben soll, und in dem zu dieser Kirche gehörigen Klosterhof ist ein verfallenes Refektorium, in welchem der Künstler ein großes allegorisches Bild in Fresco malte, welches den Sieg des neuen Testaments über das alte darstellt, eines der besten Werke Garofolo’s. Ein Hauptwerk ist die Himmelfahrt Mariä in der Kathedrale zu Ferrara, das an Rafael’s zweite Manier erinnert. Dieses Bild, das unter Napoleon Paris sehen musste, gehört in Hinsicht auf Adel der Gestalten und Anmuth des Ausdruckes zu den vorzüglichsten Garofolo’s.
In den Gallerien bewahrt man noch mehrere Madonnenbilder, von denen einige für rafaelisch gehalten worden. Bottari sagt, dass ein Bild der Fürstin Corsini selbst Kenner getäuscht habe, und Lanzi behauptet, dieses könnte auch jenes des Herzogs von Modena und mehrere andere in den Sammlungen Roms, wo zu seiner Zeit im Palast Chigi mehrere große Bilder von Garofolo zu sehen waren. Gegenwärtig ist wohl sein wenig von diesem Meister dort zu finden. In der Gallerie Doria des Palastes Pamfili ist der Besuch der Maria bei Elisabeth, erstere besonders lieblich und bloß, so wie überhaupt ein gewisses Original der Blonden Madonna bei ihm oft wiederkehrt. Die Gestalten sind fast lebensgros, und dieses Bild ist neben jenem in Verona wohl das bedeutendste, auch edel in der Auffassung und von besonderer Harmonie und Klarheit der Farbe. Im Palast Borghese zu Rom ist eine Anbetung der Könige und eine heil. Familie, eines der schönsten Bilder dieser Art. Der Fürst Borghese hatte zu Lanzi’s Zeit an 40 kleine evangelische Geschichten, von Tisio gemalt; Lanzi glaubt, dass diese Bilder, obgleich sie Garofolo’s Zeichen, eine Nelke (Garofolo), tragen, nur in den Erholungsstunden gemalt seien. Die Nelke ist indessen nicht überall auf Tisio’s Bildern angebracht, er malte viele ohne diese Blume, so wie nicht alle ihm ausschließlich angehören, auf welchen sie zu finden. Man findet in mehreren Gallerien eine sitzende Madonna nach einem Rafaelischen Urbilde, auf welchem ein Nelkenstrauss angebracht ist, allein es ist nicht ausgemacht, dass Garofolo eines dieser Bilder gemalt habe. Mehrere wurden auch von den Schülern wiederholt.
Die k. bayerische Gallerie bewahrt vier schöne Bilder von Garofolo: eine säugende Madonna; das Brustbild eines Mannes; Madonna mit dem Kinde auf dem Schoß, zur Seite der Erzengel und Johannes, und endlich der Flöten blasende Faun.
Auch die Dresdner Gallerie hat Gemälde von diesem Künstler, darunter ein Meisterwerk, welches vormals in Ferrara war, wo es Papst Paul III. bewunderte. Es ist dieses der Triumphzug des Bacchus, welchen Tisio im 65sten Jahre malte, noch mit der Leichtigkeit eines Jünglings und der Festigkeit eines Mannes, obgleich der Künstler damals schon ein Auge verloren hatte. Dieses Gemälde befand sich ehedem nebst einem andern, welches die Verhüllung des Apelles darstellt, über zwei Caminen im Schlosse zu
Garofolo, Benvenuto ete.
Ferrara, Rafael soll zu beiden die Zeichnungen gegeben haben, allein das Dresdner Gemälde mit Bacchus zeigt in den Figuren ganz das eigenthümlich Physiognomische des Garofolo und nir- gends ist eine Spur von eigentlich rafaelischer Zeichnungsweise.
Eines der bedeutendsten Werke des Garofolo und aus der Zeit seiner Blüthe, welches er selbst werth hielt seinen Namen zu trä- nen, ist die über den Heiligen Petrus, Georg und Bruno thronende donna. Dieses Bild wurde viele Jahre als unheilbar beschädigt auf die Seite gestellt, bis es 1826 Palmaroli wieder glücklich re- staurirte. Es ist auf Holz gemalt, nach Vasari für die heil. Geist- Kirche zu Ferrara, nachdem G. die Fehler der lombardischen Schule abgelegt und in Rom durch Rafael’s Werke und persönli- che Freundschaft geistig gehoben worden war. Auch hat dieses Bild selbst etwas, das an rafaelische Composition erinnert; das Co- lorit, besonders der männlichen Köpfe, ist warm und kräftig, und die Ausführung, wegen der schon von Vasari an Garofolo’s Werk gerühmten Genauigkeit, auch hierbei zu loben.
Im k. Museum zu Berlin ist eine Grablegung Christi; das Opfer der drei Könige, in der Landschaft das Gefolge; und die Himmel- fahrt Christi, ebenfalls Landschaft im Grunde.
In der k. k. Gallerie zu Wien ist ein schönes Gemälde mit der Ruhe in Aegypten, und auch in andern deutschen Gallerien sind Bilder von diesem Künstler.
Die heil. Familie in der Gallerie Esterhazy ist ein ungemein lieb- liches Bild, mit Liebe und Fleiss gemalt.
In der Nationalgallerie zu London ist die Vision des heil. Augustin, ein kleines, sehr ausgeführtes Bild voll natürlicher Anmuth und Poesie, reizend in der leuchtenden und kräftigen Farbe. Der Heilige sitzt mit St. Catharina am Meere, aus welchem ein Knabe mit dem Löffel schöpft. In den Wolken erscheint die Mutter Got- tes in einer Engelglorie. Dieses Bild war früher im Palaste Cor- sini zu Rom.
In der Sammlung des W. Beckford zu Bath ist eine heil. Familie mit einer Glorie, von Gott Vater und vielen Engeln umgeben, ein sehr schönes und klar colorirtes, ganz Rafaelisch behandeltes Bild.
In der Eremitage zu St. Petersburg ist eine Madonna mit dem Kinde aus des Künstlers früherer Zeit. In ihrem Angesichte spiegelt sich die Lieblichkeit selbst; sie ist ganz glaubensvolle Ergebung. Die Grablegung Christi daselbst, aus der Gallerie Peter I, gilt für ei- nes der vorzüglichsten Werke der Gallerie. Der Künstler wählte den Moment, in welchem zwei Männer den Leichnam in das stei- nerne Grab senken. Hier sehen wir die Natur mit einer glückli- chen Kühnheit erfasst, und die anatomisch richtige Zeichnung der Figuren ist eines Michel Angelo würdig. Im Ausdrucke und im Colorite ist das Bild ausgezeichnet. Der Schmerz der Magdalena ergreift und die tiefe Trauer der Mutter stimmt zu innigem Mit- gefühle. Ein drittes Gemälde in St. Petersburg stellt die heil. Fa- milie dar, die übrigen sind nicht ganz sicher.
Im k. Museum zu Paris sind zwei heil. Familien, wo überall Johannes und Elisabeth dem Kinde ein Lamm bringen. Ein drittes Gemälde stellt die heil. Jungfrau dar, wie sie das Jesuskind anbe- tet. Ein Engel zeigt ihr Schweisstuch und Krone, und die himm- lische Hierarchie bietet die Marterinstrumente dar. In einem andern Gemälde zieht Maria den Schleier von dem schlafenden Kinde,
Zwei Bildnisse stellen den Meister gelb dar. — Er hat eine
Alle Werke Garofolo’s zu verzeichnen, verbietet der Raum.
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