Garavaglia, Giovita, berühmter Kupferstecher, ein würdiger Kunstgenosse Anderloni’s und Longhi’s, wurde 1780 oder nach Andern 1790 zu Pavia geboren, und hier erlernte er bei F. Anderloni auch die Anfangsgründe der Kunst. Die Fortschritte, welche er machte, waren bedeutend und daher konnte er in kurzer Zeit dem Meister als Gehülfe zur Seite stehen. Dieser verwendete ihn beim Stiche der großen anatomischen Tafeln des Prof. Scarpa.
Im Jahre 1808 reiste Garavaglia nach Mailand, um an der Brera seine Studien fortzusetzen und hier gelangte er unter Longhi’s Leitung in kürzester Zeit zu grosser Vollkommenheit. Schon seine ersten Arbeiten verriethen ein tüchtiges Talent, und sie trugen zweimal den ersten Preis davon. Das erste Blatt, welches ihm schon ein höchst günstiges öffentliches Urteil erweckte, war die Herodias, wie sie in einer Schüssel das Haupt des Täufers empfängt, nach B. Luini , und das zweite (1817) Preisstück stellt eine heilige Familie dar, wo Jesus auf dem Lamm reitet, doch weiss man nicht, wer sie in Farben ausgeführt.
Hierauf folgten mehrere andere meisterhafte Blätter, die der Künstler grösstentheils zu Mailand und in Padua ausführte und 1833 wurde er an Morghen’s Stelle zum Professor der Kupferstecherkunst in Florenz ernannt; allein Garavaglia starb schon 1855.
Zu denjenigen Blättern, welche nach den erwähnten mit vorzüglichem Lobe erhoben wurden, gehören:
Die Bildnisse von Dante, Boccaccio, de Marchi etc. Für die Vite e ritratti de illustri italiani ed. dal Bettoni, 2 Voll. Milano 1820
Garavaglia, Giovita. 15
Für dieses Werk stachen auch Morghen u. a. Bs kostet 40 Thlr. vor der Schrift. —
Vortrefflich sind die späteren Bildnisse, die er lieferte: Carl der Grusse, Cärl V., eines seiner besten Stücke; Cav. Stratico, Ariosto etc. ,
Ein wahres Meisterstück ist seine Beatrice Cenci nach G. Reni, oder vielmehr nach Minardi’s Zeichnung dieses Gemäldes. Die Haare und das Gesicht sind von ausgezeichneter Behandlung.
Das Bildnis der Erzherzogin Maria Theresia, Herzogin von Savoyen.
Bildnis des Anatomen A. Scarpa, nach eigener Zeichnung.
Bildnis des Marquis Malaspina.
Die Madonna mit dem Kinde und dem kleinen Johannes, nach V. da S. Gemignano’s Bild in der k. Gallerie zu Dresden, rein und kräftig gestochen, in schöner Abwechslung, Preis vor der Schrift 16 Thlr.
Die heil. Jungfrau in halber Figur, nach Guido, für die Gebrü- der Vallardi gestochen. Ein in Behandlung des Fleisches aus- gezeichnetes Blatt, das uns das Markige des Pinsels fühlbar macht.
Herodias empfängt das Haupt des Johannes, hinter ihr die Mut- ter, halbe Figur, nach B. Luini. Preis 3 Thlr. 8 gr.
Hagar und Ismael in der Wüste, nach dem schönen Gemälde von F. Barroccio oder vielmehr nach Kügelchen’s Copie in Dresden, für Artaria in Mannheim gestochen. Preis 0 Thlr.
10 gr.
David mit Goliath’s Haupt, nach Guercino, ein meisterhaftes Blatt, rein und kräftig im Stich, mit der Dedikation an den Fürsten Metternich, der Künstler hat hier das Seelenvolle des Ausdrucks seines Originals mit Kunst und Treue nachge- bildet. Preis 7 Thlr.
Brustbild der Maria, Mater pulchrae dilectionis, nach C. Dolce, Preis 1 Thlr.
Das Jesuskind und der kleine Johannes im Akte der Anbetung , dabei schwebende Engelsköpfe: Verbum caro factum est., nach C. Maratti, eines der tadeäosesten Blätter der neueren Zeit, zart und glänzend im Stiche. Preis 8 Thlr. 20 gr.
Die Madonna della Seggiola , nach Rafael’s Bild in der floren- tinischen Gallerie, /
Dieses Blatt ist nicht mit geringerer Meisterschaft gestochen, wie jenes von Morghen. In beiden glanzt die Kunst in glei- chem Grade; alle Teile sind vollkommen. Capitalblatt: 50 Fres.
Magdalena mit der Oelflasche , reumüthig zum Himmel blickend; nach Carlo Dolce’s lieblichem Bilde in Florenz. Garavaglia hat hier in Lieblichkeit des Ausdrucks das gleiche Blatt von Morghen übertroffen. Der Stich ist rein und klar, sorgfältig modellirt. —
Die Zusammenkunft Jakob’s mit der Rahel, gesegnet vom ewigen Vater in der Nähe von Laban’s Haus, nach Appiani’s großem Gemälde in der Parochiale zu Alzano, ein Blatt von seltener Schönheit und Klarheit der Schraffirung.,
Genau beschrieben und erhoben ist die Composition in G. Fer- rario’s Werk: Le classiche stampe dal cominciamento della cal- cographia etc. Milano 1836. p. 1490.
Giovita’s letztes Werk, welches zum Gegenstücke von Jakob und Rahel dienen sollte, ist die Himmelfahrt Maria nach G. Reni’s grossem Bilde in Genua; aber die Platte blieb unvollendet.
Zwei Drittel der Arbeit waren bereits vollendet, als ihn beim Stiche des Kopfes der Maria die Apoplexie überraschte, wor- auf der Tod erfolgte. Die Zeichnung, welche er zu ‚diesem Stiche fertigte, wurde allgemein bewundert.
Garavaglia’s Blätter sind gewöhnlich in grossem Formate.
Vorsicht
Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.
Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.
Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_FYTrAAAAMAAJ