Füssli, Johann Heinrich

Füssli, Johann Heinrich, in England Füssely genannt, Historienmaler,

geb. zu Zürich 1742, gest. zu London 1825. Als der Sohn eines Malers,

Caspar des älteren, widmete er sich den theologischen Studien, und zeich-

nete sich durch Geist und Talent aus. Das Neue, Ungewohnte,

Seltsame zog ihn vorzüglich an, und selbst in den heiligen Schrif-

ten hatten Charaktere, Stellen und Ausdrücke, die vom Gewöhnli-

chen abwichen, den meisten Reiz für ihn. Er lernte mit grosser

Begierde englisch und italienisch, ebenso besass er gründliche

Kenntnisse in den alten Sprachen. Durch seine ersten Versuche

im Predigen erwarb er sich nicht sonderlichen Beifall, daher, so

wie er sich von früher Jugend an gewöhnt hatte, mit der rechten

Hand zu schreiben, und mit der Linken zu zeichnen, er auch

jetzt zwischen dem geistlichen und gelehrten Beruf auf der einen

und der Künstlerlaufbahn , auf der anderen Seite zu schwanken.

begann. Durch die Theilnahme an einer mit jugendlichem Feuer-

eifer betriebenen Anklage eines angesehenen Staatsbeamten sah er

sich in die Nothwendigkeit versetzt, sich für einige Zeit aus der

Vaterstadt zu entfernen, und so kam er mit dem berühmten Sulzer

nach Berlin, der ihn dem bereits in grosser Achtung stehenden

Spalding zuführte; allein Füssli neigte sich immer mehr zur Kunst

als zur Wissenschaft hin. In Berlin verfertigte er Zeichnungen zu

den Kupferstichen, mit welchen eine neue Ausgabe von Bodmer’s

Noachide, die Sulzer besorgte, ausgestattet werden sollte. Durch

Sulzer’s Vermittlung war Füssli in Bekanntschaft mit einigen an-

gesichts Englandern gerathen und hatte endlich den Entschluss

erfasst, sich ausschliesslich der Malerei zu widmen und einen von

jenen Britten in dessen Vaterland zu begleiten. Dort übersetzte er

„versehentlich“ der kleinen Schritten von Winckelmann ins Englische,

übernahm die Stelle eines Erziehers, und begleitete einen seiner

Zöglinge 1766 nach Frankreich. Er kehrte nach England zurück,

von wo aus er im Jahr 1772 nach Rom ging. Hier studierte er

besonders nach Michel Angelo, erregte durch seine Arbeiten gros-

ses Aufsehen und so erhielt er mehrere Bestellungen von reisenden

Fremden. Im Jahr 1778 kehrte er nach England zurück, wo er mit

Ausnahme einer im Jahre 1802 nach Paris gemachten Reise, bis an

sein Lebensende blieb. Hier teilte er bald mit Reynolds und

West den Ruhm der ersten Maler ihrer Zeit, übertraf aber beide

rechter Anordnung und an Sicherheit und Festigkeit der Zeich-

nung. Im grossen Stil der dichterischen und geschichtlichen Ma-

lerei steht Füssli nicht nur oben an, sondern beinahe allein da;

im Colorite dagegen hat er sich nie ausgezeichnet, weil es ihm,

wenn auch an Gefühl für Farbe, doch an Geduld und Fleiss in

der Ausführung mangelte. Da seine Arbeiten bei den Londoner

Kunstausstellungen grosses Aufsehen erregten, und er besonders

auch durch Wahl der Gegenstände, meistens aus den grössten eng-

lischen Dichtern, oder auch aus der Geschichte dieses Volks, dem

das Kühne und selbst das Schauerliche liebenden Geiste der Nation

zusagte, so wurde er als Professor an der Kunstakademie zu Lon-

Füssli, Johann Heinrich.

Don angestellt, und in dieser Eigenschaft hielt er Vorlesungen über die Malerei, welche diejenigen seines Vorgängers Reynolds an Ge- halt und Tiefe, so wie an Stärke und Schönheit der Sprache weit übertrafen. Sie erschienen 1820 bei Cadell in einer neuen Aus- gabe unter dem Titel: Lectures of painting, delivered at the royal Academy, with additional observations and notes., 4. Sie sind von Eschenburg 1803, aber nicht ganz glücklich, ins Deutsche übersetzt worden. Nach des berühmten West’s Tode versah Füssli eine Zeitlang die Stelle eines Präsidenten der Akademie und wurde nach- her Inspektor über die Schulen derselben, in welcher Stelle er bis an’sein Ende blieb. Erst in späteren Jahren hat er sich verheira- t

Von Füssli’s größeren Gemälden befinden sich nur zwei in sei- ner Vaterstadt, von denen das eine den Bund der Stifter der schweizerischen Freiheit darstellt, und auf dem Züricher Rath- hause aufbewahrt wird; in dem andern hat der Künstler sich selbst im Gespräche mit seinem Lehrer Bodmer dargestellt. Sie sind beide in der 1807 angefangenen, aber nicht fortgesetzten Sammlung sei- ner Werke in Kupfer gestochen. Nun folgt das schon durch Sul-

-zer (Theorie der Künste) gepriesene, von Füssli schon in Rom

nachradirte, aber äußerst selten gewordene Bild: Das Gespenst des Dion. Ebenfalls vom Jahre 1781 ist das Bild des Grafen Ez- zelino von Ravenna. Ungefähr im Jahr 1785 mag das Original vom Kupferstich verfertiget worden seyn, auf welchem ein vom Alp 37e- drücktes schlafendes Mädchen erscheint. Vom Jahre 1788 ist der Theseus, der am Eingange des Labyrinths von Ariadne Abschied nimmt. Die Gruppirung dieses Bildes ist vortrefflich und kunst- reich, aber die Stellung des Theseus theatralisch, die Zeichnung ist manierirt und der Ausdruck übertrieben. Im Jahre 1780 begann Füssli ein ungeheuer grosses Gemälde von 52 Fuss Breite und 38 Fuss Höhe. Es stellt gen Zug der Schatten im Elysium nach Lu- cian’s Beschreibung vor.

Zur Shakespeare-Gallerie hat er viele Gemälde geliefert. Eines der gelungensten, die im Wahnsinne wandelnde Lady Macbeth, ist auch durch Kupferstich bekannt. Im Jahre 1700 eröffnete Füssli die von ihm allein verfertigte Milton - Gallerie von 60 Stücken, aus des ge- nannten Dichters Werken entlehnt. Im Jahre 1803 erschien von ihm auf der Lendoner Ausstellung ein Gemälde aus einer verloren

egangenen Tragödie des Aeschylos, die Psychostasia genannt, wo upiter die Todesloose des Achilles und Memnon abwiegt. Im J.

1806 erschien sein Ugolino im Hungerthurme, ein Bild voll Graus

und Entsetzen. Die meisten der hier angeführten Werke sind von eschickten englischen Künstlern grösstentheils in Schwarzkunst erausgekommen,

Füssli übertraf in Erfindung und Kraft alle Künstler, aus der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts; er ging aber durch sein Streben zu überraschen, zu blenden, ja durch gespensterhafte Dar- stellungen zu schrecken, und Dinge, die sich wohl nur in poeti- schen Bildern ausdrücken lassen, in Gestalt und Farbe vor die Au- gen zu bringen, über das wahre Ziel der bildenden Kunst hinaus. Er ist mehr extravagant, als originell und tief; auch hatte er bei aller Kenntniss weder eine schöne, einfache Zeichnung, noch eine wahre oder angenehme Farbe. Seine Werke sind durch Kupfer- stiche bekannt. Als Kunstschreiber erwarb er sich grosse Ver- dienste durch seine neue Ausgabe von Pilkington’s dictionary of entrance. Seine Gebeine ruhen in der Pauls -Kirche neben Joshua Reynolds,

Jahre 1831 erschien zu London die Lebens - Beschreibung

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