Führig, Joseph

Führig, Joseph, Historienmaler und Kupferstecher , geboren zu
Kragau in Böhmen 1800, erhielt seine früheste Bildung von seinem
sorgsamen Vater, der selbst die Kunst übte. Schon als Kind war
es sein Lieblingsgeschäft, Erzählungen und Mährchen, die er hörte,
ingezeichneten Umrissen anschaulich zu machen; nie aber zeigte er
die geringste Neigung, Kunstprodukte nachzuzeichnen, war aber
immer bereit und thätig, die eigene Idee, wie sie Gespräch und Er-
zählung erweckt hatte, in originellen Compositionen auf das Pa-
pier zu übertragen. Vorstellungen von Jagden schienen ihm da-
mals der anziehendste Zweig der Kunst. Vom 12ten bis zum 15ten
Lebensjahre entwickelte sich aber, so zu sagen, bei ihm eine
Kunstperiode in einem ganz eigenen, auf sein Herz und Gemüth
einwirkenden Kunstzweig, in der Idylle , von welcher er sich un-
widerstehlich angezogen fühlte, Land- und Hirtenleben war für
ihn nun der irdische Himmel. Er verweilte selbst auf dem Felde
bei der Heerde, studierte praktisch alle möglichen Eigenheiten der
Hausthiere, das Leben unter den schönsten Ährengruppen, die mannigfaltigen Situationen in den anmuthigsten Landschaftspartieen,
die unendlichen Abwechslungen der Wolken und der Luft, die
Wirkungen der Beleuchtung, die Veränderung der Farbentöne bei
jedem Witterungswechsel u. s. w. Diese Beobachtung der schönen
Natur gab ihm den höchsten Lebensgenuss, und es schien, als
wenn dieser Gegenstand der Kunst die Lieblingsbeschäftigung sei-
nes ganzen Lebens bleiben würde. Doch entwickelten später neue
Verhältnisse, unter welche besonders der Besuch der Hauptstadt
und erweiterte Lektüre, besonders im Gebiete der Geschichte, ge-
hörten, eine Neigung zur historischen Malerei, womit eine neue
und bedeutendere Kunstperiode für ihn begann.

Im Sommer 1818 kam er nach Prag. Hier holte sein scharfer

Beobachtungsgeist neue, Ausbeute für die Kunst, Das Wünschens- werthe für ihn musste die Bekanntschaft des würdigen Directors Bergler seyn, der ihn mit gewohnter Freundlichkeit aufnahm, und Gelegenheit verschaffte, die akademische Kunstanstalt und man- che ansehnliche Gemäldesammlung kennen zu lernen. Der Bei- fall, dem Bergler Führig’s Compositionen schenkte, war für den jungen Künstler eine wärmere Aufmunterung. Auch lud ihn der Di- rektor ein, im kommenden Winter etwas zur Ausstellung zu schi- cken. Dieser Einladung zu entsprechen, arbeitete Führig in Kragau an zwei grösseren Ölgemälden, von denen eines den Tod Otto’s von Wittelsbach, das andere den Einsiedler Ivan und Herzog Borziwog im Walde vorstellt. Diese Gemälde wurden später vom Grafen Thun gekauft. Zu dieser Zeit erwarb sich der Künst- ler an dem kunstliebenden Grafen Clam-Gallas einen Gönner, wo- durch er in den Stand gesetzt wurde, in der Hauptstadt durch des Grafen Schutz und Unterstützung seiner weiteren Kunstbildung ob- zuliegen. Auch der Vater siedelte sich mit seiner ganzen Familie nach Prag über.

Führig schuf nun seit 1810 zahlreiche originelle Compositionen. Darunter gehören: eine Darstellung der heil. Dreifaltigkeit und eine heil. Barbara, Altarblätter für den Grafen Wratislaw; eine hl. Catharina und ein Franz von Assisi für die Kirchen in Neustadt und Raspenau in der Gr. Clamischen Herrschaft Friedland, und eine Madonna für die Kirche von Nixdorf;

Ferner lieferte er die Zeichnungen zu den Titelkupfern zur Ta- schenausgabe des Kotzebueschen Theaters (neu bei Enders verlegt), mehrere lithographirte Blätter zur von Machek unternommenen Herausgabe der böhmischen Geschichte, und andere zerstreute Sa- chen.

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