Frutet, Franz

Frutet, Franz, ein flamändischer Maler, lebte 1548 in Sevilla, wo noch mehrere schöne Werke von ihm vorhanden sind. Im Klo- ster de la Merced befindet sich eine Anbetung der Könige, zwei Evangelisten, die Beschneidung und die Vorstellung des Kindes Jesu im Tempel. Alle diese Gemälde bildeten früher, zusammengesetzt, einen Altarblatt und sie wurden nebst einer Grablegung im Nonnenkloster von S. Maria de Gracia, ebenfalls zu Sevilla, von Pats Jomino dem Antonio Flores, einem niederländischen, doch aus Spanien stammenden Künstler, beigelegt, der als Zeitgenosse Gampanna’s in Sevilla gelebt und ausgezeichnete Gemälde hinter- lassen haben soll. Als das Todesjahr des noch im blühenden Alter hingeschiedenen Malers gibt er das Jahr 1550 an.

Cean. Bermudez fand im Archive des Klosters der Merced Cal- zada bestimmte Nachrichten, dass die daselbst befindlichen vorher- wähnten Gemälde von einem Flamänder F. Frutet gefertigt seien,

der sodann ohne Zweifel auch die Grablegung in dem obengenannten Nonnenkloster gemalt hat. Dann fand Gean Bermudez nach Nagler’s Künstler-Lex. IV. Bds. 338

mehrere Gemälde in Sevilla, die er um der Gleichheit der Zeich- nung, des Colorits und der Haltung willen, ebenfalls dem Frutet zuschreiben zu müssen meinte, so dass es ihm schien, als habe Palomino den Namen des Franz Frutet mit jenem des berühmten Niederländers Franz Floris, auch Franz von Vriendt genannt, ver- wechselt. Nur scheint bei dieser vorgeblichen Verwechslung be-

  • denklich, dass Palomino seinen Flores ausdrücklich mit dem Vornamen Antonio benennt.

Aus Frutet’s Werken urtheilt man, dass er in Italien Rafael’s und Michel Angelo’s Werke fleissig studiert habe. Insbesondere

hat er von ersterem Richtigkeit der Zeichnung, Anmuth, Einfach- heit in den Stellungen der Figuren, Grösse und Adel im Ausdruck, eine feine Neigung seine Farbengebung immer zur niederländischen

Schule.

Am herrlichsten aber spricht sich Frutet’s Geist und Verdienst in dem berühmten Oratorio (unter dem Namen de las Bubas be- kannt) der Hospitalkirche des heil. Cosmus und Damian aus. Selbst die Form dieses Werkes gleicht derjenigen, die man bei ähnlichen alten niederländischen Werken antrifft. Das Oratorium hat zwei Thüren, deren äussere Seite die Jungfrau sitzend mit dem

öttlichen Kinde in den Armen schildert, zu ihren Füssen Kniet

er heil, Bernhard; über lebensgrosse Figuren. Wenn die Flügel geöffnet sind, sieht man auf dem grössern, mittleren Felde den kreuzigten Heiland in edler erhabener Gestalt, die beiden Ver- brecher zu beiden Seiten mit ausdrucksvollen Zügen. Ferner den heil. Johann, die heil. Magdalena und Gruppen von Figuren, de-

  • ren eine die um das Gewand des Herrn losenden Häscher darstellt. Auf dem rechten Flügel ist Christus abgebildet, wie er von der Last des Kreuzes niedergedrückt am Boden liegt. Unter den um- stehenden Figuren will man einige Ähnlichkeiten mit denen auf Raphael’s berühmtem Bilde, Spasimo di Sicilia genannt, so wie mit anderen aus der Feuersbrunst des Borgo im Vatican, entde- cken. Auf der linken Flügelthüre endlich sieht man die Kreuz- abnahme. Mit Geist und Gefühl vereint dieses Werk höchst ver- dienstliche Ausführung, und es ist der schönste Beleg für die

Hunstfertigkeit des Meisters. Noch findet sich Nachricht von ei-

nem Gemälde Frutet’s, das vormals im Besitze des verdienten Staats- mannes D. Gasper von Jovellanos war, und den Augenblick dar- stellt, wo das jüdische Volk von dem römischen Statthalter die Be- gnadigung des Barnabas und den Tod Christi verlangt. Zwölf in wohlgeordnete Gruppen vertheilte Figuren, mit leidenschaftlichen

Geberden, stellen das Volk dar, wie es den Tod des Heilandes

begehrt, der mit der Dornenkrone auf dem Haupte erschöpft vor

Pilatus steht; ihm gegenüber Barnabas, gefesselt, in frecher wü-

thender Stellung. Mehr weiß man von dem Künstler nicht. S.

Kunstblatt 1822. Meisel.

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