Frommel, Karl, Maler und Kupferstecher, wurde 1789 zu Birken- feld im Sponheimischen geboren. Er fühlte sich schon in früher Jugend zur Malerei gezogen, und aber in Karlsruhe, wohin sein Vater, der Oberbaurath Frommel, gezogen war, keine Gelegenheit sein Talent auszubilden. So wendete er sich 1805 zu Haldenwang, um sich zum Kupferstecher zu bilden; in der Malerei aber genoss er Ph. Becker’s Unterricht.
Die Fortschritte, die er unter der Leitung dieses Mannes machte, waren reissend, und nun fand er auch Gelegenheit, seiner Lieb- lingsneigung, der Landschaftsmalerei, nachzuhängen. Im Jahre 1810 ging er nach Paris, um für Artaria sechs der interessantesten Gegenden nach der Natur aufzunehmen, und von dieser Zeit an, da er zu Paris und in Malmaison Claude und Poussin studirt hatte, widmete er die meiste Zeit der Landschaftsmalerei , wozu ihm die Scenerie des Schwarzwaldes, so wie jene des Schweizer- und Ba- dischen Landes reichen Stoff bot. Dadurch erwarb er zugleich sel- tene Fertigkeit im Aquarellmalen. In Rom , wo von 1812 — 1817 verweilte, übte er sich wieder im Kupferstiche, und aus dieser Zeit stammt der grosse Stich nach Claude Lorrain und einige kleine radirte Blätter. — Im Jahre 1817 kehrte er endlich, nachdem er sich mit Gärtner und Ohlmüller fünf Monate in Sicilien aufgehalten hatte, in die Heimath zurück, wo er zu Karlsruhe als Professor angestellt wurde. Er widmete sich jetzt mit Eifer der Ausübung seiner Kunst, und schon hatte er neben seinen Gemälden auch mehrere treffliche Kupferstiche geliefert, als er 1824 nach London ging, um das Ver- fahren des damals neu entdeckten Stahlätzens kennen zu lernen. Die geistvollen englischen Blätter von G. Coock waren es beson- ders, welche den Künstler reizten, die Behandlung derselben, in England zu erforschen. Er konnte nie solche Freiheit und Gleich- heit der Töne erreichen, und so musste er es endlich für unmög-
lich halten, dass die Lüfte, Fernen etc. aus freier Hand gemacht seien. Es fand die Vermuthung Raum, dass in England diese Plat- ten vermittelst Maschinen radirt werden, und wirklich ‚gebraucht man dazu einen Pentographen, der das im Grossen auf der radirten Platte dargestellte Bild in beliebiger Grösse reducirt.
In England wird alles mit freier Hand in grösserem Formate ra- dirt und dann wird die Maschine angewendet. Frommel beobach- tete jetzt gleiches Verfahren, und sein erstes Werk dieser Art sind die 27 Blätter: Baden und seine Umgebungen. Neben der Behand- lung des Stahlstiches reizte unsern Künstler besonders auch das neue Verfahren in der Aquareilmalerei, welche fast die Kraft der Malerei in Oel erhält.
Diese Art der Behandlung erlernte er in London bei Copley Fielding, und hier beobachtete er auch zuerst das neue Verfahren in Stahlstich, der jetzt seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nahm. Mit allen Kenntnissen dieser Kunst ausgerüstet, kehrte er mit einer englischen Druckerpresse nach Karlsruhe zurück und hier gründete er jetzt ein Atelier von jungen Stahlstechern.
Die ersten Werke, welche daraus hervorgingen, waren fünfzig Bilder zur Aeneide, dreissig zu Horaz, Griechenland u. s. w., so wie später beinahe alle Blätter, welche in Creuzbauer’s Verlag er- schienen. Die meisten Stahlstiche auf dem Continente gingen aus seiner Anstalt hervor, in welcher sich Gustav Müller, Poppel, Schü- tze, Hesselöhl, Hofmeister etc. auszeichnen.
Seine Anstellung als Galerie-Direktor (1830) hob sein Atelier nicht auf, im Gegenteil sucht er bei grösseren Mitteln die Schüler immer schneller auf artistischen Weg zu bringen, da die Technik des Stahlstechens durchaus keine Hindernisse mehr dar- bietet.
Frommel’s Werke bestehen in Oelgemälden, in Aquarellzeichnun- gen, in Kupferstichen und Stahlstichen. Seine gemalten Land- schaften sind trefflich in der Haltung und von heiterer Färbung. Er fasst die Natur mit Sinn und Gefühl auf. Er weiss das Zulässige in den Erscheinungen von dem Wesentlichen zu unterscheiden; keines seiner Bilder stellt sich als bedeutungsloses Fragment eines Ganzen dar, sondern jedes bildet gleichsam ein in sich abgeschlossenes Ganzes. Überall ist freundliche Übereinstimmung,
Was den Kupferstich anbelangt, so gebührt ihm neben Gmelin, Reinhardt, Mechau etc. das Verdienst, die herrlichen, durch mancherlei Anklänge so bedeutsamen Gegenden Italiens mit Stichel und Nadel am gediegendsten und bildet zu haben. Seine Ansichten zeichnen sich besonders auch durch die glückliche Wahl aus, in- dem der Künstler dabei neben dem malerischen Reiz zugleich auch das geschichtliche Interesse berücksichtigt. Dieses offenbart sich besonders in den schönen Veduten von Ariccia, Tivoli und dem Aetna.
Hier runden sich alle Teile trefflich zu einem höchst anziehen- den Ganzen und in Auffassung und Behandlung offenbart sich
das schöne Naturgefühl des Künstlers. Er verbindet mit dem Ma- lerischen der Radierung und der kalten Nadel die Festigkeit und Reinheit des Grabstichels.
Ein Blatt in grösseren Formate nach Claude Lorrain, 1813 in Rom gestochen.
Ponte Lupo a Tivoli, fol.
Grotta delle Sirene a Tivoli, das Gegenstück, zwei malerisch ra- dirte Blätter aus derselben Zeit, nebst vier kleineren.
Ariccia bei Rom mit dem Haine der Diana, grösstentheils – mit der Nadel ausgeführt, gr. qu. fol.
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