Friedrich, Caspar David, ein genialer Landschaftsmaler, der zu Greifswalde in Pommern geboren wurde. Von der Natur zum Künstler geschaffen, folgte er getreulich ihrem Rufe, und sie ist es vorzüglich, welcher er seine Dienste weiht. Er hielt sie lange in Mecklenburg auf, bis er Italien besuchte, und jetzt lebt er zu Dresden als Professor an der Akademie der Künste. Seine Ge- mälde tragen ein ernstes und eigenthümliches Gepräge, und sie verrathen sogleich, dass der Urheber derselben an den nebelum- wölkten, meerumflutheten Küsten des baltischen Meeres geboren wurde, und dass er in schöneren Gegenden den düstern, ernsthaften Charakter der Heimath nicht vergass. Daher unternahm er auch verschiedene Reisen ins Vaterland, und hier fertigte er mit besonderer Liebe theils von der See, theils landeinwärts treffliche Aquarellzeichnungen. Von der Insel Rügen allein nahm er mehr als 36 Prospekte auf, die eine höchst merkwürdige Küstenumfahrt
und Beschaung dieser Insel machen. Schon früher machte er sich durch bewunderungswürdig sauber getuschte Landschaften be- kannt, in denen er theils durch die Landschaft selbst, theils durch die Staffage mystisch-religiöse Begriffe anzudeuten suchte, Sinnig und bedeutungsvoll ist die Staffage überall in seinen Bildern, und dass er den redlichsten Fleiss auf das Studium der Natur verwen- dete, beweiset die treue Darstellung der Theile derselben, von den Baumarten, den alten verfallenen Gebäuden, bis zu den Pflanzen.
In seinen Bildern ist der poetische Gedanke vorherrschend und mächtig in der einfachen Auffassung. Bei ihm ist die Natur Sym- bol des Geistigen, gemäss der romantisch-poetischen Richtung der Zeit. Friedrich ist in seiner Art der erste Künstler, und vielleicht auch der bedeutendste. Am nächsten kommt ihm der berühmte Arzt Dr. Carus, ein Mann, der mit Auszeichnung unter den Land- schaftern genannt werden muss.
In Friedrich’s Werken erscheint die Natur in einem bedeutungs- vollen Leben, fast immer im Charakter des Ernstes, der Weh- mut, des stillen Ahnens oder innern Kampfes. Dieses sprechen seine Meernebel, Nachtscenen, Seestürme, seine Waldparthien, in deren Oede ein wunderbarer Luftstrahl dringt, seine Nachtstücke mit Mondbeleuchtung, die über die Gipfel der Bäume hinstreift und dgl. aus. Seine Darstellungen sind immer ganz einfach, aber mächtig ergreifen sie den Beschauer. Sie sind von tiefer Wahrheit, wie z. B. seine Grablegung des Bruders zu der Kapelle Trümmern am Waldende, eine grosse Winterlandschaft. Die Zahl seiner Bilder ist bedeutend, und des Vortrefflichen Vieles.
Ueber die Auffassungsweise dieses Künstlers ist ein eigenes Buch geschrieben worden: wie er die Natur zur Dolmetscherin charak- teristischer Seelenstimmungen macht. Er war es, der, als namentlich durch Hackert, die Veduten so sehr Mode wurden, wodurch der Landschaftsmalerei der Untergang drohte, zuerst einen neuen Weg einschlug. Durch Reichthum der Gründe und Schönheit der Li- nien wollte er nicht imponiren, er suchte den Eindruck zu fesseln, den die Natur in einzelnen Momenten auf das Gemüth macht. Na- mentlich liebte er die Eindrücke des Schauerlichen und Unheimli- chen. Das Bild wurde bei ihm Nebensache, der Eindruck die Hauptsache. Seiner Richtung folgte Lessing; doch beabsichtigte dieser nicht einzig den Eindruck, er gibt auch ein Bild, ein gan- zes landschaftliches Gedicht.
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