Frey, Jakob

Frey, Jakob, Kupferstecher und Zeichner, geb. zu Luzern 1681, gest. zu Rom 1772. Obgleich mit angeborenem Talente zur Kunst begabt, zwangen ihn doch die Verhältnisse das Wagner-Handwerk zu erlernen, bis ihm endlich sein Vetter, ein Graveur in Elfenbein und Messing, in der Zeichenkunst unterrichtete und den Grabstich lehrte. Jetzt machte er sich bald bekannt, und da seine Versuche große Erwartungen erregten, so verschafften ihm seine Gönner die Mittel, sich in Italien weiter auszubilden. In Rom , wo er zuerst etliche Heiligenbilder stach, wurde er mit A. von Westerhout bekannt, und dieser lehrte ihn alle Vortheile mit der Nadel und dem Grabstichels; hierauf empfahl er seinen Schützling dem damals berühmten Maratti, bei welchem Frey Ge- legenheit fand, sich in der Zeichnung zu vervollkommen.

Maratti war mit seinen Stichen vollkommen zufrieden, besonders aber verwies er ihn auf das malerische Radiren und dadurch er- warb er sich das Lob, dass seine Blätter nicht gestochen, sondern

gemalt scheinen. Es schätzten ihn die Künstler und die Grossen oms, und daher fehlte es ihm nie an Aufträgen, durch deren Er- Jedigung er sich den Ruhm des berühmtesten Stechers seiner Zeit er- warb. Die mit dem reinen Grabstichel ausgeführten Blätter sind indessen die wenigsten, denn er liebte vorzugsweise die Radirna-

Frey, Jakob .

del. Ganz gestochen sind die Kupfer und das Bildnis zu dem Predigtbuche des Cardinals Cassini, allein er musste sie in Grab- stichelmanier ausführen, und dann kehrte er gleich wieder zur Nadel zurück.

Jakob Frey zeichnete edler und richtiger als der größte Theil seiner Landsleute und wählte, große malerische Werke zu seinen Vorbildern, radirte mit Gewandtheit in einer geregelten Manier, die er durch Grabstichelarbeit unterstützte, und er ist unter den Deutschen seiner Zeit der ausgezeichnetste Stecher gewesen; allein seine Zeichnung ist immer geistlos, wenn sie selbst korrekt ist, seine Stiche haben eine unangenehme Rauheit ohne Kraft, die ih- nen die Druckerschwärze nicht allein geben kann und in der Wahl seiner Werke war er doch vom Geschmack des Zeitalters be- fangen, welches die grossen Massen höher schützte, als den Geist, der die Formen durchdringt und belebt, so dass Frey offenbar von Mit- und Nachwelt überschätzt wurde. Erst jetzt scheint man von jener Bewunderung zu sich zu kommen und bloss seine Copie nach Edelink’s heil. Familie wird mit Recht noch sehr hoch- geschätzt.

Von Einfluss konnte er auf sein Vaterland nicht werden, da er bis an sein Ende in Italien verweilte, wo er als Greis von 89 Jah- ren starb, (S. Quandt’s Entwurf zu einer Geschichte der Kupferste- cherkunst).

Ein vollständiges Verzeichniss der Werke dieses Künstlers ist im dritten Bande von J. C. Füessly’s Gesch. der besten Schweizer- künstler.

Wir erwähnen folgender:

Carolus eques Maratti, nach Maratti’s eigenem Bilde, Innocenz XII A, Massucius inv. gr. fol. Derselbe zu Pferde, gr. fol. Gregorius XII Epitaphium, nach C. Rusconi, gr. fol. Schönes att. Der Cardinal Picco de Mirandola, nach P. Nelly, gr. fol. Clementine Königin von England, gr. fol. Die Communion des heil. Hieronymus, nach Dominichino 1729, gr. fol., Capitalblatt in gutem Drucke. Die heil. Familie, nach Rafael oder vielmehr Copie nach Ede- link’s Stich. Capitalblatt, und selten in guten Abdrücken, fol. St. Ignaz von Loyola in der St. Peterskirche zu Rom, nach Rus- coni, gr. fol. Die betende Maria, nach G. Reni, gr. fol. oval. St. Romuald der Camaldulenser, nach A. Sacchi, sehr gr. fol. Hauptblatt im guten Drucke. Dieses war Frey’s Lieblingsstück, unter dem Namen des weissen Mönchs bekannt. Anbetung der Könige, nach C. Maratti, 1736, gr. fol. St. Carolus Borromäus in Prozession, zur Pestzeit, nach P. da Cortona, gr. fol. Der heil. Hieronymus, nach A. Carracci, fol. Vorzüglich schön. Der Tod der heil. Petronilla, nach Guercino, gr. fol. St. Benedikt in der Wüste, im Grunde zwei Engel, welche die Schlange um den Kürbis kriechen lassen. Hauptblatt, nach Cignani, gr. fol. Die Ruhe in Aegypten, mit Joseph, der dem Kinde Kirschen reicht, nach C. Maratti. Die Marter des heil. Andreas, nach demselben.

Die Berathung der Kirchenväter, über die unbefleckte Empfäng- niss Mariä, nach G. Reni’s Bild, jetzt in Petersburg, gr. roy. fol.

Der Witz der heil. Anna, nach A. Sacchi, gr. fol.

Die Marter St. Sebastians, nach Dominichino 1707, gr. folio. Schön gestochen und ein Haugtblatt in vorzüglichem Drucke.

Die Mässigkeit, Gerechtigkeit, Klugheit und Gewalt, vier grosse Blätter nach Dominichino 1725, gr. fol. Hauptblätter in gu- tem Drucke und selten.

St. Philipp Neri vor dem Bilde der Maria, links zwei Engel. Mit der Schrift. In conspectu angelorum psallam tibi, nach Maratti. Angeblich Frey’s Meisterwerk.

Maria auf dem Halbglobus, nach C. Maratti, gr. folio. Gutes

att. *

Herkules als Kind, nach H. Carracci, ein seltenes kleines Blatt,

Judith mit dem Haupte des Holofernes, nach Dominichino,

Magdalena, nach Cignani, 8. Selten und aus des Künstlers er- ster Zeit. ,

Die Statue der Venus im capitolinischen Museum, 1745, fol.

Das grosse silberne Crucifix von Algardi, 1742, gr. fol.

Kopf eines Weibes im Profil, aus Rafael’s Kindermord, radirt in 12. Selten, '

Vier Blätter Rundgemälde, Dominichino’s Fresken in der Silve- sterkirche zu Rom: David singend vor der Bundeslade, Judith mit dem Haupte, Salomon und Saba, Esther vor Ahasverus, gr. fol. Kapitalblätter im guten Drucke,

S. auch Ph. Frey, ;

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