Frau, auf der äußeren Seite des Bildes, lebensvolle Figuren,
543 Wer dieser Lomellino war, weiß man nicht, nach Dr. Waagen
vielleicht ein Kaufmann , der in Brügge das Bild malen liess, und
gömt könnte es dasselbe seyn, von welchem Vasari sagt, es sei
dem König Alfonso durch florentinische Kaufleute gebracht worden.
Noch erwähnt Facius einer Vorstellung der Welt, in zirkelrunder
Form, welche er für Philipp von Belgien malte. Facius hält die-
ses Bild für das vollendetste Werk seiner Zeit. Man sah darin
Gegenden und Ortschaften, deren Entfernung man gleichsam aus-
wessen konnte. Dann erwähnt er eines Bildes, das der Cardinal
Octavian besass. Es stellte aus dem Bade steigende Frauen von
ausgesuchter Schönheit vor, bis über die heimlicheren Theile in
Leinwand gehüllt, doch merklich erröthend. Eine von ihnen zeigte
nur das Gesicht und die Brust, doch gab ein Spiegel gegenüber
die hinteren Theile. In der Badstube war auch eine brennende
Lampe, eine Alte, die zu schwitzen schien, ein Hündchen, und
auch Pferde, Menschen, Berge, Wälder, Burgen, etc. sah man auf
demselben Bilde in der Fernsicht. Alle diese Gegenstände erschie-
nen wieder im Spiegel.
Eine solche Badstube hielt nach Vasari Friedrich II von Urbino, und diese ist wahrscheinlich mit jener des Cardinals eine
und dieselbe. Vasari erwähnt auch ein St.-Hieronymus, den Lorenz von Medicis besessen. al Ö Huv ]
Dieses Bild ist verschollen, wenn es nicht jenen Hieronymus ist,
der aus St. Lorenzo zu Neapel in das k. Museum dieser Stadt kam,
ein Bild von 1436, dass nach Hirt (Museum von Dr. Kugler 1853,
S. 4063) fälschlich den Namen des Antonio del Fiore trägt,
Hofrath Hirt glaubt, dass Vasari im Irrthum gewesen, Ort und Na-
men verwechselt, und vielleicht das, was er von einem solchen
Gemälde in St. Lorenzo zu Neapel hütte, auf Lorenzo de’ Me-
dicis in Florenz übertragen habe. Die Beschreibung des Facius,
welche er von seinem Hieronymus macht, den der König Alfons
von Neapel besass, passt nach Hirt ganz auf dieses Bild. Unser
Gewährsmann erkannte überdies noch in der gut erhaltenen Kreuzab-
nahme in der Kreuzkapelle von St. Domenico zu Neapel ein Werk
van Eyck’s, das aber dort dem Zingaro zugeschrieben wird. ...
Der anonyme Reisende des Morelli gibt ebenfalls von einigen
Arbeiten des J. v. Eyck Nachricht. Ein Gemälde von 1440 mit dem
Gleichnisse von der Rechnungsablage des Knechtes im Hause des
Camillo Lampogmano sollte nach seiner Auffassung von Juan Heic
oder Memelhin (Hemling) seyn, und eine Landschaft mit Fischern,
die eine Fischotter fangen, schreibt er dem Gianes da Brugia zu.
Dieses Bild befand sich zu Padua, im Hause des Leonico Tomeo.
Diesen Gianes, oder dem Memelin schreibt er auch den Cardinal
St. Hieronymus in der Studierstube zu, ein Bild mit landschaftli-
cher Fernsicht.
Vermutlich das letzte
Eyck, Johann und Hubert van 487
Van Mander erwähnt jenes Bildes, auf welchem sich der Mann und die Frau die Hände reichen, welche von der Fides zusammen- gefaßt werden. Dieses Bild fand die Schwester Carl V., die Statt- halterin Maria, bei einem Barbier, und sie gab ihm dafür ein Amt, das jährlich 100 fl. trug; Nach dem Zeugnisse des C. van Mander befand sich in St. Martin zu Ypern ein Flügelbild mit Maria und einem Abte im Gebet; ein unvollendetes, doch himmlisches Bild, wie van Mander sagt, das aber jetzt verschollen ist. Es ist dieses dasjenige, dessen wir im Ersatzige dieser Monographie erwähnt haben,
erk des Künstlers.
Mehrere ausgezeichnete Werke der Gebrüder van Eyck sind in England und auch in den Niederlanden sind noch einige zu finden, obgleich sie den Hauptschmuck größtenteils verloren haben. In dem Schlafzimmer des Herzogs von Devonshire zu London sind zwei sehr schöne Gemälde, welche dem J. v. Eyck zugeschrie- ben werden. Eines stellt die Einweihung des Erzbischofs von Can- terbury, Thomas Becket, vor, ein Geschenk des Herzogs von Bed- ford, Regenten von Frankreich, an seinen Neffen König Heinrich V. Es soll 1422 gemalt sein, und wenn nicht von Johann selbst, so ist es bestimmt aus seiner oder Hubert's Schule, wie Passavant (Kunstreise durch England und Belgien S. 72) versichert.
Der Ton der Carnation ist aber braun in den Schatten und kalt in den Lichtern, wie er bei den anerkannten Bildern des Johann van Eyck vorkommt. Leider ist dieses Bild sehr verwaschen. Da- gegen ist das andere Gemälde wohl erhalten und von ausgezeich- neter Schönheit. Es stellt das Innere einer Kirche, oder des Tem- pels Salomonis vor; rechts und links knien in doppelter Reihe in ihren Stühlen viele Chorherrn, dabei auch andere Männer und Frauen. Ganz im Vorgrunde sind Joachim und Anna, Maria, als Mädchen und hinter ihr zu den Seiten viele Jungfrauen. Über schweben zwei bekleidete Engelknaben und dabei die weiße Taube. Die Porträts sind vorzüglich und von großer Individualität. Horace Walpole sagt in seinen „anecdotes of Painting I. 46, dass in diesem Bilde Lord Clifford, seine Gemahlin und seine Familie kniend vorgestellt seien, und Volkmann setzt das Bild in das Jahr 1441.
In der Gemälde-Sammlung des Herrn Aders zu London ist ein Gemälde von J. v. Eyck, welches die Maria mit dem Christuskind auf einem rothen, mit Gold durchwirkten Thron sitzend vorstellt, links vom Beschauer St. Hieronymus, rechts St. Franciscus mit dem Crucifix; im Grunde etwas Landschaft. Dieses Bild hat die falsche Inschrift: Petrus Pervs. me. fecit 1517. Es ist nach Passavant’s Versicherung sehr klar in der Farbe, im Schatten bräunlich, und anscheinend ein Jugendwerk.
Hr. Aders besitzt auch ein Bildchen, welches den Kopf des Täu- fers Johannes auf einer goldenen Schüssel vorstellt. Der Grund ist so schattiert, dass er die Schüssel bildet. Passavant sagt, dass dieses vorzüglich ausgeführte und mit ausserordentlicher Härte gefärbte Gemälde weit ausgezeichneter sei, als die Wiederholungen, welche er in Köln und in den Niederlanden getroffen.
In derselben Sammlung ist auch eine überaus liebliche und poetische Composition von der Margaretha van Eyck, ein Bild in drei Abteilungen, zwei Fuß hoch. In der mittleren größeren, sitzt Maria auf einem Rasenplatz und liest in einem Buche, vorn sitzt das Christuskind auf einem schwarzen Kissen und wendet sich nach der zur Linken knienden Katharina. Hinter ihr kniet eine Hei- lige an einem Tische, wie sie ein Körbchen mit Rosen emporhält. Rechts sitzt eine Heilige auf dem Gras, die einige weiße und rothe
„Rosen von einer andern, blau gelblich gekleideten, heiligen Jungfrau empfängt. Hinter ihnen stehen liebliche Engel, die Instrumente spielen, und ein vierter hält, unter einem Strahl Wasser, eine Schüssel mit Kirschen. Den Hintergrund füllt grösstentheils die Facade einer dem heiligen Michael geweihten Kirche. Innen ist die Kirche hell beleuchtet, während dichtbelaubte Bäume einen dichten Schatten auf die äußere Umgebung werfen. Das linke Flügelbild zeigt die heilige Agnes mit einer andern Heiligen auf grüner Wiese wandelnd, im andern Flügel kniet vorn Johannes der Evangelist mit dem Kelche, hinter ihm pflückt ein Engel Rosen, und noch weiter geht man unter Orangenbäumen einen Jünger. Früchte pflücken, die eine Jungfrau in ihr Kleid aufnimmt.
Dieses reizende Bild ist auf das sorgfältigste ausgeführt; die Farbe ist mehr mild als kräftig, die Schatten sind bräunlich, in den Formen und Bewegungen ist öfters eine gewisse Grazie, ob- gleich die Gesichtsbildungen vielmehr etwas Eigenes, denn Schönes haben. Die einzelnen Teile sind zu gross gehalten, und die Au- gen sehen etwas starr. Passavant sagt, dass dieses Bild unbezwei- felbar den Charakter habe, welchen das Gemüth und die Hand ei- ner Frau zu bezeichnen pflegt.
Aders besitzt auch eine alte Kopie des Genter - Altares mit dem mystischen Lamm, von welchem wir unten handeln werden.
In der Sammlung des Grafen von Shrewsbury zu Alton Tower bei Ashbourn ist ein kleines Bild mit Flügeln, von Johann van Eyck gemalt. Im Mittelbilde ist Maria mit dem Kinde, welches in einen dunklen Wams und Rock gekleidet ist, auf dem rechten Flügel die heilige Agnes, auf dem linken St. Johannes.
Ein anderes Madonnenbild dieses Künstlers ist im Corsham House bei Bath. Maria in einem blauen Mantel sitzt mit dem Christus- kinde auf dem Schoß in der Mitte, St. Anna ihr zur Rechten, St. Katharina zur Linken, letztere wie eine Königin gekleidet, in einem herrlich wallenden Gewande. Joseph steht hinter der Ma- ria, auf die Gruppe schauend. Spiker spricht in seiner Reise durch England 1818 II. 168 mit der grössten Bewunderung von diesem Werke. Es ist 2 Sch. 5 Z. Hoch und 3 Sch. 5 Z. breit.
In der Sammlung der Handzeichnungen des britischen Museums ist die halbe Figur der heiligen Barbara in runder Kopfbedeckung. Diese Zeichnung dürfte nach Passavant den Namen mit Recht tragen.
In der Akademie zu Brügge sind drei köstliche Bilder, von Jo- hann van Eyck. Das erste zeigt Maria auf dem Throne sitzend mit dem Christkind auf dem Schoß, welches einen grünen Pap- pius bei sich hat, und Blumen in der Hand hält. Links steht der heilige Donatus, in einem grünblauen mit Gold (gelb) durchwirkten Gewande, rechts steht St. Georg in goldner Rüstung, und vor ihm kniet der Canonicus van der Paele (de Pala), der Stifter des Bil- des. Er hat ein weißes Kleid an mit einem grossen Pelze, der auf den linken Arm herabfällt; in seiner Rechten hält er ein Ge- betbuch und eine Brille. Dieser ältliche Mann ist so vortrefflich gemalt, und so lebendig, dass nach Passavant darin das Leben selbst scheint übertroffen zu sein. Den Grund bildet der Chor, einer Kirche im Baustil des zwölften Jahrhunderts. Die Färbung ist sehr kräftig, die Schatten etwas braun und das Ganze mit einer Liebe und Treue behandelt, welche die höchste Bewunderung verdienen. Das Kind ist etwas mager, denn den nackten Formen fehlt die ge- hörige Fülle und Rundung; sonst sind die Proportionen richtig. Die Figuren haben halbe Lebensgrösse. Auf dem Rahmen sind
Eyck, Johann und Hubert‘ var. 189
die Wände des van Paele und / des Dechanten Biiiblph 'de Meyerre
und lateinische Inschriften; auf der Hauptfläche folgende: Hoc opus fecit fieri magister Georgius de Pala, hujus ecclesiae canonicus per
Johangem, de Eyck pictorem et fundavit hic duas capellanias de
grano chori domini MCCCCXVIII. - Complevit anno 1436. Dieses Gemälde, welches auch C: vat 'NL
sich ehedem in der Sakristei der Hauptkirche St. Donat zu Brügge, wo auch das Grabmal des Künstlers war. Die Franzosen brach- ten es in das Musée Napoleon, und nach der Zurückgabe kam es in die Akademie zu Brügge, weil die Kirche abgebrochen wurde.
Hr. Ertborn zu Utrecht besitzt eine alte Copie davon.
Das zweite Bild derselben Akademie ist das Portrait der Frau des Johann van Eyck, in halber Lebensgrösse. Sie ist gesehen, etwas rechts gewandt und das auf den Seiten spiralförmig aufge- rollte blonde Haare bedeckt ein grosses, weisses Tuch. Das Kleid ist roth, mit grauem Pelz besetzt, der Gürtel grün, die Gesichts- farbe: zart, und von den übereinander gelegten Händen, sieht man
nur etwas von der rechten. Oben am Rande des Bildes steht
COIVX MS IOHES ME DLEVIT ANO 1439 IL _ IVND.
Unten steht: L ETAS MEA TRIGINTA TRIY ANORYV AVE IXHE. XAN.
Peter van Lede machte 1808 der Akademie ein Geschenk mit die- sem Bilde.; Ehedem hing es in der St. Donatskirche neben dem Bildnisse des Johann van Eyck, wie die Sage geht. Das letztere soll an einen Fremden verkauft worden seyn, doch hat man keine Spur davon, so wie von jenen Bildnissen dieser beiden, die in der Galerie Orleans waren.
Das dritte Bild, welches man in der Akademie dem J. van Eyck, zuschreibt, stellt einen Christuskopf vor, in dem alt hergebrachte Typus. Er hat die grösste Aehnlichkeit mit dem Christuskopfe im Berliner Museum. Auf dem äussern Rahmen liest man:
Johes de eyck Inventor anno 1440: 30. Januyarii.
Der Ton des Fleisches ist ziemlich gelb und dunkel, das Leuch- tende des Eyck’schen Colorites fehlt, Die Züge haben wenig Le- bensausdruck, Auffallend ist es, dass sich der Künstler „Inventor“ dieses typisch aufgefassten Kopfes nennt. Gegen diese Inschrift, wenn auch nicht gegen das Bild, entsteht einiger Verdacht.,
F. v. Ertborn zu Utrecht besitzt jenes grau in grau gemalte Bild, welches ehedem Prof. J. Enschede in Harlem hatte. Es stellt im Vorgrunde die heil. Barbara mit Buch und Palmzweig vor; hinter ihr ist ein im Bau begriffener achteckiger Turm. und im Grunde Stadt und Landschaft. Unten steht:
JOHES DE EYCK ME FECIT, 1437. Cornelius van Noödr« häf 1769 dieses Bild gestochen,
Ein anderes merkwürdiges Flügelbild im Besitze dieses Kunst- freundes, der es 1820 in Dijon kaufte, stellt das Innere einer ho- hen gotischen Kirche vor. Die mittlere Tafel ist 6} Sch. hoch
und 3 Sch. breit, und alle drei gehen oben in Spitzbogen aus, je- doch in viereckigen Rahmen, in deren Ecken Wappen angebracht sind. In der Mitte des Hauptschiffes ist das Kreuz errichtet, an welchem man den Heiland erblickt. Unten kniet Magdalena in violettem Gewande, grünem Mantel und weissem Schleier und Maria im blauen Mantel und weissem Schleier wird von Johan- nes gehalten. Vorn zur Rechten kniet weinend eine der Marien
und eine zweite kommt nur mit Kopf und Händen zur Linken her-
„ein;. ‚in den Zügen „schr ‚ähnlich einer..weiblichen. Figur, auf der Dfutäüi_l 'il!%"l15:m ö 1 van Eyck’s in glez‘.Bbisserée’schefä’aminlung. Am Altare hebt; db‚r%i‘ieg}e;‘ eben. die Hostie empor.. Zwischen dem
.. Jetzten Pfeiler stehen ein. Mann und “eine Frau mit Gebetbüchern, angeblich Bildnisse van ‚Eyck’s nnd seiner Gattin. In den Seiten- flügeln, welche die niedern Scitenschifeder Kirche , vorstellen, hat der Künstler die übrigen sechs Sakramente versinnlichet. .
Die Art der, ‚_Ausl"iihn;n1 ist. ganz die des.bekannten van Eyck’- schen Bildes der heil. drei Könige aus der Boiseröe’schen Sammlung, nur weniger, vollendet ım Helldunkel. Einige Köpfe sind retou- chirt, sonst aber ist das Ganze wohl erhalten.
Dieses Bildes. erwähnen Schnaase und Passavant nicht, näher be- . schrieben ist es im Kunstblatte 1835 S. 4341.
„ In der Ge_mäldcsammlun%]des Prinzen von Oranien zu Brüssel
“ 3st die Verkündigung, der Flügel eines Altarbildes, den J. v. Eyck für Philipp den Guten, Herzog von;Burgund; gemalt haben ml?.
Dieses künstlich ausgeführte Bild kommt aus Dijon, wo.es. der
i ‚Bilderhändler Neuwenhuys 1818 erstand. Das Gemälde ist von mitt-
lerer, Grösse , und den Hıntergrund bildet das Innere einer.Kirche mit Säulen in der Bauart des zwölften Jahrhunderts,
In Dijon ist noch ein anderes kleines Bild der Verkündigung, welches, dem J. v. Eyck zugeschrieben, wird. Man bewahrt es ın der städtischen Gemäldesammlung. ‘
Im Museum zu Brüssel ist auch eine Maria mit dem Christkinde, in einer reich verzierten gothischen Nische stehend;, ein kleines
' Bild,’ anscheinlich eine Jugendarbeit des Künstlers, hart in den Umrissen, nicht so kräftig modellirt und saftig in der Farbe, wie ‘” die übrigen Bilder.
Im Museum zu Amsterdam wird den beiden Brüdern das Innere einer Kirche im deutschen Style mit einer Menge fremdartig be- kleideter Figuren zugeschrieben,
Eine 'Madonna mit dem Kinde von mehreren Frauen umgeben, ebendaselbst, soll eher der frühern Zeit Hemling’s angehören, als dem van Eyck, und auch eine Anbetung der Könige rührt aus ei- ner spätern Zeit her. ‘
Ausser diesen Originalgemälden befindet sich hier noch ein Theil der Copien, welche Michael Coxcie nach dem berühmten Altar- bilde in Gent gemacht hat, und deren wir unten erwähnen werden.
Professor van Rotterdam in Gent erwarb für seine Sammlung schöner holländischer Bilder auch ein ausgezeichnetes aus der alt- flandrischen Schule, welches den Brüdern van Eyck zugeschrieben wird. Es stellt die Anbetung der Könige vor, eine reiche Compo- sition. Das Bild hat grosse Kraft in der Färbung und einen etwas
„bräunlichen Ton, so wie er Hubert van Eyck eigen ist.‘ Die Köpfe sind alle sehr schün, die Gewänder sehr wohl verstanden, öfter ganz grandios. Passavant hält das Bild für ein Werk des Hubert van Eyck. Abgebildet ist es im Messager des Sciences et des arts, Gand 1850 S. 331., von Onghena. . )
In Gent war ehedem auch das berühmteste Werk, welches die Brüder van Eyck schufen. Es ist dieses das Altarbild mit der An- betung des mackellosen Lammes, welches ehedem die St. Johanns, jetzt St. Bavo-Kirche zierte. Dieses Gemälde wurde nur an ho-
en Festtagen geöffnet, und dann strömte Alles herbei, um'sich an dem Anblicke desselben zu weiden. An andern Tagen wurde es nur mächtigen Fürsten und angesehenen Reisenden gezeigt, die sich diese Begünstigung mit Gelä erkaufen mussten. Lucas de Herre weihte diesem Werke hundert Jahre nach der Entstehung
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Beschreibungen von diesem Werke findet man mehrere, besonders von Dr. G. F. Waagen im Kunsthalle 1824 Nro. 23 — 27. Passavant gab in seinem Werke S. 372 eine schöne Abbildung im Umriss;
Dieses Altarbild bestand ehedem aus 12 Tafeln, die dem Bildersturm glücklich entgingen, und das Ganze war bis zur Zeit der allgemeinen französischen Kunstplünderung beisammen; 1704 aber mussten die vier Mittelbilder nach Paris wandern, die acht übrigen wurden von den Domherren der St. Bavo-Kirche dem Späherglücke entzogen. Sechs davon jedoch wurden 1817, zu einer Zeit, wo die Hauptbilder schon wieder in Gent waren, unbefugter Weise in Abwesenheit des Bischofs an den Gemäldehändler Neuwenhuys um 6000 Fr. verkauft, und dieser überließ sie neben einigen anderen alten Bildern an Hrn. Solly um 100.000 Fr. In neuester Zeit wurde die Selly’sche Sammlung ein Besitzthum des Königs von Preussen, und daher sind sechs dieser Tafeln im königl. Museum zu Berlin zu suchen. In Gent sieht man noch das Hauptbild mit der Anbetung des Lammes, die einzelnen Gestalten des ewigen Vaters, der Jungfrau Maria und des Täufers Johannes, vier Bilder, die zusammen die ganze Mitte des inneren Altars bilden. Sie sind jetzt wieder an ihrem alten Platze aufgestellt, die zwei äußeren Teile des Altars aber, die Gestalten von Adam und Eva, bewahrt die Geistlichkeit der Kirche.
Der mittlere Teil dieses Altars zeigt in der unteren, dem Priester am nächsten gelegenen Region, die Anbetung des Lammes, das in einer reichen Landschaft von der größten Frische und Klarheit auf einem Altarstein steht, wie das Blut aus seiner Brust in den Kelch strömt. Der Altar ist zunächst von Engeln umgeben und im Grunde nahen, vom himmlischen Jerusalem her, auf einer Seite die männlichen, auf der andern die weiblichen Märtyrer mit der Sieges-Palme. Im Vordergrunde erblickt man zur Rechten vom Lamm den geistlichen, zur Linken den weltlichen Stand in Anbetung. In der Mitte ergiessen sich aus der Säule des Brunnens sieben Wasserstrahlen.
Eyck; Johannes und Hubert van;
mehrere Teile des Wiesengrundes lieber in einem etwas verriebe:
nen Zustande, um durch stärkere Übermalung nicht etwas Fremd-
artiges hineinzubringen. Einige weniger sorgfältige Retouchen
scheinen von späterer Hand zu sein. Aufschluss über die erste Re-
stauration gibt Vaernewick’s Historie van Belgis 1565. Dieser Chro-
nikschreiber fuhr die Sache von Schoreel selbst, denn er sagt, dass
er aus dem silbernen Becher getrunken habe, welchen der Meister
zur Belohnung erhielt.
Die Anbetung des Lammes bildet den größeren Teil des Altares.
Über derselben, oder in der oberen Region des Mittelbildes, sieht
man in der mittleren Abteilung den thronenden Gott Vater, einen
Mann in der höchsten Kraft, nicht nach Raphael und Michel An-
gelo’s Weise als Greis mit langem Barte dargestellt. Sein Haupt
schmückt die päpstliche Krone und sein Unter- und Oberkleid ist
von brennend rother Farbe, mit goldnem Saume. Ihm zur Rech-
ten ist Maria, ebenfalls thronend vorgestellt, eine Gestalt voll in-
nigster Andacht und seligster Ruhe. Ihre Züge sind von hoher
Reinheit und Schönheit. Auf dem Haupte trägt sie eine prächtige
goldene Krone, und ihre niedergeschlagenen Augen sind auf ein
buch geheftet, welches sie mit beiden Händen hält.
Gegenüber, zur Linken Gott Vaters, ist Johannes der Täufer, dem
sein starkes dunkles Haupthaar und Bart ein finsteres Ansehen ge-
ben. Auch er hält in der Linken ein Buch. Sein Unterkleid ist
von Fell und darüber trägt er einen grünen Mantel.
Dieser mittlere Teil des Altares zeigt nach Schnaase (Niederländische Briefe S. 314) die Markscheide zwischen zwei größeren
Perioden der Kunst, indem er die Vollendung der früheren und die
volle jugendliche Schönheit der späteren wahrnehmen lässt. Die drei
oberen Gestalten sind noch auf Goldgrund gemalt, einzeln statua-
risch, und sie schließen sich also an die Richtung des Mittelalters
an. Im Vergleich mit den früheren, hart und eckig oder unbestimmt
geformten, Heiligenbildern, ist hier zwar schon eine sehr viel größere
Vollendung des Lebens, vollere Gliederung, frischere Carnation, allein
es ist noch sehr viel Typisches beibehalten. Die Ge-
sichtszüge des ewigen Vaters sind dieselben, die wir auch noch an
dem Christuskopf von Hemling in der Boisserge’schen Sammlung finden.
Kopf und Gestalt zeigten sich ganz von vorn. Die großen
Augen sind in gerader, fast starrer Richtung, das Purpurgewand fliesst
gleichmässig zu beiden Seiten des Throns herab. Die ganze Er-
scheinung hat noch etwas architektonisch Strenges. Aber daneben
erhält sie durch die glänzende Farbe, durch das Leuchtende des
krystallenen Scepters, des Goldes und der Edelsteine an der päpst-
lichen Krone und an der Agraffe, besonders aber durch den Glanz
des Auges und die frische Farbe der Carnation, ein Element des
Lebens, das den früheren Bildern fehlte. Auch die Jungfrau zeigt
sich dem Beschauer in der Weise des alten Styls in ganzer Breite
zugewendet, aber in ihren Zügen finden wir das Motiv des Mil-
den, das auch schon früher Werke des Mittelalters haben, mit
einer höhern Kraft und Lebensfülle ausgesprochen, während es
dort ins Unbestimmte und Weichliche übergeht. Selbst der Johan-
nes, obgleich männlich kräftiger und desshalb schon individueller
aufgefasst, hat dennoch Überreste von architektonischer Symmetrie.
Es sind also noch Gestalten des Mittelalters, aber sie erscheinen, wie
Schnaase sagt, wie in ein Element frischen Lebens getaucht, in ju-
gendlichem Glanze. Vielmehr, als in diesen Bildern, finden wir uns auf
der unteren Tafel auf dem eigentlichen Gebiete der Eyck’schen Schule.
Es sind nicht mehr einzelne oder symmetrisch gruppierte Gestalten
auf Goldgrund, sondern Alles ist schon ein Ganzes, wirkliche
Eyck, Johann und Hubert van. 4193
Landschaft, Himmel und Erde. Die Strenge der Anmut vereinigt sich mit der Anmut des Lebens, und alles Harte und Strenge verschwindet. Schnaase glaubt, dass vielleicht kein Werk im ganzen Gebiete der Kunst Dantes großer Gedichte in der Vereinigung tiefen Ernstes mit der Anmut und Grazie des Lebens so nahe kommt, wie dieses.
Die Anbetung des Lammes scheint Passavant ganz von Johann van Eyck gemalt zu sein, dagegen hält er den Hubert für den Urheber der hohen, wahrhaft überirdischen Gestalt des ewigen Vaters. Auch die Figur des Johannes hält er für Hubert's Werk, und von beiden Brüdern vollendet die Gestalt der heiligen Jungfrau.
Dieses Hauptbild des Altares, das in den bezeichneten vier Darstellungen besteht, deckten Flügel, welche geöffnet folgende Bilder zeigen. Oben zur Seite: Fes Johannes und der Maria sind in gleich grossen Räumen, weil diese Bilder jene mit den Gestalten des Täufers und der heiligen Jungfrau decken, singende und musicirende Engel in Chören, und darunter spielt neben dem Johannes: Cäcilia auch die Orgel. Sie trägt ein weites, königliches Gewand mit grossen goldenen Blumen auf dunklem Grunde, der ursprünglich blau, aber jetzt schwarz erscheint. Die Engel sind in reiche Chorgewänder von Goldbrokat und hellfarbigen, reichen Stoffen bekleidet, mit strahlenden Binden um die Stirn und das schön gelockte Haar.
Auch diese beiden Flügel hält Passavant von Johann gemalt, weil sie in der Behandlungsweise und Färbung die grösste Übereinstimmung mit seinem Bild in der Akademie zu Brügge und einer Verkündigung in der Sammlung des Prinzen von Oranien haben.
Die beiden äussersten Flügelbilder des oberen Theiles des Altares zeigen die lebensgrossen Gestalten von Adam und Eva; über Adam das Opfer Cain's und über Eva den Tod Abel's. Der Eva gab der Künstler keinen Apfel, sondern, der Meinung des heiligen Augustinus zu Folge eine frische Feige.
Die beiden Gestalten der biblischen Stammväter zeigt die Geistlichkeit der Kirche in Gent nicht, weil sie nackt sind. Zum Glücke herrscht nicht überall eine so übertriebene Schamhaftigkeit, die uns manch herrliches Werk in den Sammlungen entziehen würde.
Zu jeder Seite des unteren Theiles neben dem Lamme sind ebenfalls zwei Flügelbilder. Dasjenige, welches sich rechts zunächst an das Hauptbild schliesst, hat die Unterschrift: Peregrinisti, weil es die heiligen Pilger vorstellt, wie sie in einer reichen Landschaft zur Anbetung des Lammes herbeikommen, unter der Anführung des riesengrossen St. Christoph. Der Flügel nebendaran zeigt die heil. Einsiedler (Heyrenetisti), wie sie in frommer Schaar, durch ein sehr enges Felsenthal zu gleichem Zwecke ziehen.
Die beiden Flügel, welche auf der entgegengesetzten Seite sich ausbreiteten, stellen zunächst dem Hauptbilde die gerechten Streiter und die gerechten Richter vor (Justi Judices, Christi milites). Unter den ersteren reiten drei Fahnenträger voran, nach Passavant l. c. 376, höchst wahrscheinlich die Repräsentanten der drei alten Brüderschaften Flanderns, welche ihre Grafen nach Palästina begleiteten. Sie bestehen noch und dienen zur Verteidigung der Städte. Die eine ist die des Bogens, und hat den heil. Sebastian zum Patron; die zweite ist die der Armbrust, mit dem Patrone St. Georg; die dritte ist die der Fechtkunst, welche den heil. Michael zum Patrone hat. Ausserdem ist auf diesem Gemälde noch Ludwig der Heilige von Frankreich und ein Kaiser vorgestellt.
Nagler’s Künstler-Lex. IV, Bd. 13
Einige nennen Friedrich I., andere Balduin VIII. — Mit großer Wahrscheinlichkeit wird er für Karl den Grossen gehalten. Unter den gerechten Richtern erscheint auch Hubert und Johann van Eyck. Der erstere, fast ein Greis, reitet auf einem prächtig geschmückten Schimmel in stattlicher Kleidung, mit einer vorn auf- geschlagenen, mit Pelz verbrämten Mütze von seltener Form. Jo- hann hat über einem schwarzen Talar ein rothes Paternoster mit einer daranhängenden goldenen Medaille. Seine Kopfbedeckung ist turbanartig. Den Reiter im Vorgrunde nennt man nach Carel van Mander Philipp den Guten, allein Passavant sagt, dass er viel- mehr Karl dem Guten gleiche, welcher Flandern die neuen Insti- tutionen gegeben und die Rechtspflege verbessert hat.
Die Haupttafel mit dem mackellosen Lamm hatte einen Schemmel, worauf mit Leim- oder Eifarbe von Johann van Eyck die Höhlle oder vielmehr das Fegefeuer gemalt war. Dieses Bild wurde beim Reinigen verwaschen.
Wenn die Flügelstücke geschlossen waren, zeigte die Rückseite eines jeden eine lebensgrosse Figur. Sie war ursprünglich in einigen Teilen leicht colorirt, jetzt aber erscheinen sie grau in grau. Im oberen Theile des Altares sieht man rechts die heilige Jungfrau in einem hochgewölbten Zimmer, wie sie die Botschaft des Engels vernimmt, der auf der entgegengesetzten Seite sich zeigt. Daneben sah man oben zwei kniende Sibyllen in der Tracht der Zeit mit einem grossen Turban auf dem Kopfe. Diese Sibyllen gehören zum Zim- (Erythraea und Cumana), und der untere Theil mer, worin die Verkündigung vorgestellt ist.
Die äussersten Flügel der untern Abtheilung des Altares stellen die grau in grau gemalten Figuren der beiden Johannes dar, nach Art von Statuen. Auf dem einen der Mittelbilder sieht man das Bildnis des Stifters Jodocus Vydt oder Vyts, und auf dem andern jenes seiner Gemahlin Lisbetta Borlout, kniend, ihre Andacht ver- richtend, zwei vortreffliche Bildnisse, von J. van Eyck’s eigener Hand. Man glaubte früher irrig, dass sie den Hubert van Eyck, die Schreiberin Margaretha oder die Frau eines der Brüder dar- stellen.
Auf dem alten Rahmen dieser vier letzten Bilder, welche den untern Theil der Aussenseite bildeten, ist folgende Inschrift: Pictor Hubertus ab Eyck, major quo nemo repertus Incepit pondusque Johannes arte secundus Fratre perfecit, Judoci Vyd prece fretus Vers$ seXta Vos CoLLoCat aCta tVerl.
Aus dieser Inschrift geht hervor, dass Hubert das Werk begon- nen und Johann es vollendet, und zwar aus Auftrag des Jodocus Vyd, den 6. Mai 1432.
Nach diesem berühmten Genterbilde fertigte Michael Coxcie für Philipp II. von Spanien eine Copie, denn die Kirche überliess ihm das Original nicht. Diese Copie zierte lange die Kapelle des alten Pallastes zu Madrid, bis sie General Belliard nach Brüssel schickte, wo sie zuerst bei Dansaert-Engels und dann bei Nuens-La- tour zum Verkauf ausgestellt war. Die Figur von Gott Vater und das Hauptbild der Anbetung des Lammes sind jetzt im königl. Museum zu Berlin; Maria und Johannes den Täufer erstand schon 1820 König Ludwig von Bayern; die beiden Flügelbilder mit den singenden und musicirenden Engeln, so wie die vier mit Streitern und Richtern, den Pilgern und Einsiedlern kaufte 1823 der Prinz von Oranien. Diese schönen Copien vollendete Coxcie 1550. Er erlaubte sich öfters vortheilhafte Aenderungen.
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