Franque, Joseph, Historienmaler und Bruder des obigen, ein Künstler von eminentem Talente, bildete sich ebenfalls in David’s Schule. Auch er trat 1800 zuerst mit Gemälden hervor, und zwar in Concurrenz mit Pierre Franque mit der Darstellung der »Schlacht von Zürich «, im Besitze des Marschalls Maüssena, und mit dem Bilde, welches die durch Herkules befreite Alceste vorstellt. Um diese Zeit malte er ein allegorisches Bild, welches den Zustand Frankreichs vor der Rückkehr aus Ägypten vorstellt, das Portrait des persischen Gesandten Asker-Han, Marie Louise, wie sie den König von Rom betrachtet, das Bild Napoléon’s und den Morgen vor der Schlacht an der Moskwa. Später begab sich der Künstler nach Italien , und hier lebt er noch als Professor der Akademie der Künste zu Neapel . In dieser Eigenschaft malte er bei Gelegenheit der Concurrenz um die erledigte Stelle eines Direktors der Akademie eine Szene aus jener Schreckenszeit, wo Pompeji durch die Eruption des Vesuv bedeckt wurde, und wie die Unglücklichen von Steinen und Lava ereilt werden. Franque zeigte hier nicht nur in der Wahl des Momentes, sondern auch in der kühnen genialen Darstellung seine schöpferische Kraft. Das Bild frappiert, fesselt den Zuschauer, und ergreift sein Inneres durch den rührenden Ausdruck. Die Haltung ist höchst gelungen und alles rundet sich, vom Einzelnen bis zum Ganzen. In den Formen ist schöne Auswahl, und die fliegenden Gewänder sind mit größerer Leichtigkeit dargestellt. Die Färbung ist blühend, und von einem verständigen Hell-Dunkel unterstützt, von magischem Einklange. Die Höhe, wozu der Maler seine Farben steigert, lässt sich nur mit Rubens vergleichen. In diesem Bilde finden sich alle Teile in einem Grade vereinigt, wie man sie selten beisammen erblickt. Kurz der Maler hat alles aufgeboten, was nur irgend das Auge erfreuen und reizen kann. Doch äußerte man hierbei die Besorgnis, der Künstler möchte dem Glanz des Äußeren zu sehr ergeben, das höhere Ziel der Kunst ausser Acht lassen: den reinen Ausdruck eines tief empfundenen Gedanken und ungeschminkte Schönheit der Natur. Franque’s Pinsel hat allerdings mit dem des Rubens manche Ähnlichkeit, aber er nähert sich öfter der Effektmalerei des Thomas Lawrence, obgleich er diesen Abgott’ der neuen englischen Kunst an Korrektheit der Zeichnung weit übertrifft. Er ist im Besitze von ausgezeichneten Mitteln, und bei einer mächtigen Phantasie hat er ungewöhnliche Geschicklichkeit in der Ausführung. Das bezeichnete Concursgemälde ist im Kunstblatt 1823 ausführlich erwähnt.
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