Frank, Adolph. S, Franke.
Frank‚ Sig'rbund » ein berühmter Name, der in der Geschichte der
„ mneueren Glasınalerei oben ansteht, Zur Zeit als dieser Künstler,
der 1760 zu Nürnberg gebornen wurde, seino Laufbahn betrat, lag
' die Glasmalerei darnieder,
Man hatte zwar noch Rezepte zur Bereitung der Schmelze und der farbigen Gläser, aber die praktischen Vortheile konnte kein Rezept aufbewahren; sie mussten wieder von Neuem gefun- den werden. Die Aufgabe war höchst schwierig, aber Frank hat sie gelöst; und mit ihm hat Bayern den Ruhm, unter den Aus- zügen des kunstliebenden Königs Ludwig, diese lange schlummernde edle Kunst wieder erweckt zu haben.
Frank begann im Jahre 1800 seine ersten Versuche mit den Far- ben hinsichtlich ihrer Mischung, Calcination und Schmelzung, und ergiebliche Resultate setzten ihn schon nach vier Jahren in den Stand, den Anfang zu machen.
Seiner ersten Arbeiten war das Wandbild für den Freiherrn von Staufenberg zur Verzierung einer Kapelle in Greifenstein, und mehrere andere Arbeiten aus jener Zeit gingen nach England , wo sie als inländische Erzeugnisse gelten. Darunter sind Stücke my- thisch-bagpischen Inhalts, Landschaften, 12 Wappen von England, 6 Porträts Nelson’s und zwei solche von Napoleon. Auch die Höfe von Bayreuth , Würtemberg und Würzburg (Großherzog von Tos- kana), und die Fürsten von Wallerstein besitzen Schmelzmalereien dieses Künstlers, die er in den Jahren von 1808–1814 zu Nürnberg und in Wallerstein, seinem nachmaligen Wohnorte, ver- fertigte. Alle diese Arbeiten zeigen einen immer zunehmenden Grad von Vollkommenheit und als Inbegriff seiner Kunst um das Jahr 1818 sind: die Geburt Christi im königl. Münzkabinet, das Abendmahl in der reichen Kapelle, welches Dürer’s kleine Passion zur Vorfassung führt, und die Geburt Christi auf 22 Z. hohen und 45 Zolbsbreiten Tafeln für den russischen Hof gemalt, besonders
Im Jahre 1818 wurde Frank von Wallerstein nach München he- rufen; und als Glasmaler bei der königl. Porzellanmanufaktur stellte. Im August des bezeichneten Jahres trat er in Bayerns Haupt- stadt ein; und im Oktober geschah in einem eigenen, nach Frank’s Anlage gebauten Ofen, der erste Brand. Bei seiner Auffassung ergänzte er eine Beschreibung der chemischen Bereitungsart seiner Glasfarben, aber man war zugleich auch be- denkt, dass das Geheimnis der Farben- und Flüssigkeitsbereitung ei- nem zweiten Individuum mitgetheilt werde. Alte Rezepte finden sich mehr als 40, welche von verschiedenen Praktikern hinterlas- sen wurden, aber dennoch sah es mit der Anwendung misslich aus, und somit wurde, in jenem Jahr dem Künstler ein Chemiker beigegeben.
Im Jahre 1820 machte Birrenbach von seiner Erfindung öffent- liche Erwähnung und teilte auch der k. b. Manufaktur das Ge- heimnis gegen ein bedeutendes Honorar mit, allein die Entde- ckung entsprach diesem nicht. Wenn auch bei der Münchner Glasmalerei damals das feurige Rubinroth der alten und ein kräf- tiges Grün noch ganz fehlten, wenn auch die Behandlung der Far- ben nicht eine malerische, sondern bloße Wuminirung eines Kupferstiches genannt werden konnte, wobei der schwarze Con- tour auf der einen und die Colorirung auf der andern Seite des Glases eingebrannt wurde, und man gegen das Zerspringen oder Zusammenschmelzen der Stücke noch nicht ganz sicher war, so zeigte doch Frank’s Farbenpalette eine Reinheit und seine Farben- behandlung eine Sicherheit gegen die Birrenbach’sche Manier, dass zwischen beiden nicht wohl ein Vergleichpunkt zu finden war.
Frank fuhr nun mit unermüdeter Thätigkeit fort, seiner Kunst den möglichst hohen Grad der Vollkommenheit zu geben, und ein Hauptaugenmerk richtete er auf die Bereitung der Ueberfanggläser
von verschiedenen Farben. Die ersten Versuche dieser Art machte er 1824 und die Resultate waren schon höchst erfreulich. Im Jahre 1826 war bereits die Möglichkeit gegeben, mit Hilfe der neuer- fundenen Methode der Glasfärbung Glasgemälde von beliebiger Größe aus einzelnen Glasstücken zusammenzusetzen, und nun be- schloss König Ludwig eine besondere Abtheilung für die Glasma- lerei in der Porzellan-Manufaktur zu München zu begründen und die Thätigkeit derselben durch eine Aufgabe in Bewegung zu se- tzen, welche für die vollständige Erneuerung dieser Kunst in tech- nischer, wie in künstlerischer Hinsicht nicht passender hätte ge- wählt werden können. So wie die alte Glasmalerei an den Fen- stern der Dome altdeutschen Stils als Schmuck der hohen spitz- bogigen Fenster ihre Ausbildung erhalten, so wurde sie jetzt durch eine ähnliche Anordnung aus dem langen Schlummer geweckt. Der König beschloss die Fenster des Domes zu Regensburg mit Glas- gemälden zu verzieren, und der Erfolg war der glänzendste,
Bayern darf jetzt die Glasmalerei als einen nationalen Zweig der Kunst betrachten, und es ist daher von höchstem Interesse, dieses Gut in voller Reinheit zu bewahren, so wohl für die Manufaktur, als für die Kunst im Allgemeinen.
Die gemachten Erfahrungen der Vergessenheit zu entreissen, war nun die angelegentlichste Aufgabe, denn es war zu besorgen, dass in Folge eines unvorhergesehenen Todes des Künstlers die neu erstandene Kunst in ihren raschen glücklichen Fortschritten ge- hemmt werden könnte, da seine schriftlich niedergelegte Art, die Farben zu bereiten und zu schmelzen, ohne langen, gründlichen praktischen Unterricht von ihm selbst, beinahe ganz nutzlos zu werden drohte. Die ältere Beschreibung konnte in Beziehung der grossen Fortschritte, welche Frank seit 1826 in Bereitung der Ueberfanggläser, und der Farben und in deren Behand- lung im Schmelzfeuer gemacht, keinen Werth mehr haben. So gross auch die Verdienste Frank’s um die Wiederemporbringung der Glasmalerei in Bayern sind, und obgleich er zwanzig Jahre beinahe auf eigene Kosten rastlos mit Versuchen hierzu beschäfti- gt war, so kann man doch nicht verkennen, dass sich das Ge- biet seiner Erfahrungen erst in königlichen Aufträgen erweiterte, als der König durch die grossartige Bestellung für den Dom in Regensburg selbst den Weg bezeichnete, auf welchem der wahre Charakter der Glasmalerei der Alten verfolgt werden sollte.
Um nun diesen Kunstzweig der Manufaktur und dem Lande überhaupt für alle Folgezeit zu sichern, befahl der König dem Künstler, gegen Entschädigung die vollständige Mittheilung seines Verfahrens in der Bereitung der Farbe, in ihrem Auftrage und im Einschmelzen derselben. Es sind jetzt überhaupt auch ausserdem noch tüchtige Künstler bei der Manufaktur mit diesem Zweige be- schäftigt, so dass im redlichen Zusammenwirken die glänzend- sten Aufträge gelöst werden können.
Als Maler sind M. Ainmiller, N. Wehrsdorfer, J. Kirchmair, J. Hammer und F. Eggert betätiget, und von diesen sind die Fen- ster des Domes in Regensburg, so wie von der neuen herrlichen gotischen Kirche in der Vorstadt Au ausgeführt. Dem ersteren verdankt die Glasmalerei in Bayern grösstentheils die hohe Stufe der artistischen Ausbildung, so wie in technischer Hinsicht aus- schliesslich Frank genannt werden muss.
Die Ausführung des ersten grossen Fensters mit den Figuren des Matthäus und Lucas übernahm Frank, die Besorgung des zweiten mit Marcus und Johannes wurde H. Schwarz in Nürnberg anver-
traut; welcher durch einen Verein von Künstlern und Technikern dasselbe unter seiner Leitung ausführen liess: Beide Fenster wur- den im April 1828 aufgestellt, und schon die ersten Versuche konn- ten gelungen genannt werden; man sah aber doch, in Vergleich mit den älteren Malereien, dass die Farben noch nicht die Tiefe und Kraft erreicht hatten, die Jenen eigen ist. Die Gläser waren völlig transparent, nicht matt gehalten, wie die alten Glasgemälde, und daher erscheinen sie zu hell und ermangeln hie und da der Harmonie. Dennoch bewirkte Frank schon eine grosse Kraft und Klarheit des Überfangglases in den schwierigsten Farben, wie im Rothen, Blauen, Grünen und Violetten. Auch die Farbe des Flei- sches an Kopf und Händen war kräftig und vielfältigen Tönen. Den technischen Theil der Aufgabe hat Frank befriedigender gelöst, als Schwarz; in künstlerischer Hinsicht aber ist das Fenster des letzteren sehr erfreulich, da er sich dazu des geschickten Ma- lers Schraudolph bediente. Doch ist nicht zu vergessen, dass beide Fenster sowohl in technischer als künstlerischer Beziehung die er- sten grossen Versuche waren, und zwar in einer Kunst, die so lange in lethargischem Schlummer lag. Dieses in Betrachtung zie- hend, und die erfreulichen Resultate erwägend, beschloss nun Kö- nig Ludwig, eine Reihe von Fenstern im Seitenschiffe des Domes zur Rechten allmählig mit Glasmalereien verzieren zu lassen. Pro- fessor H. Hess gab die Ideen zu den Darstellungen, die dann Ru- ben in Cartons ausführte; und das darnach gemalte nächste Fen- ster stellt in der grössern Abtheilung die Anbetung der Könige dar; nur die Seitentüren sind nach Schorn’s Cartons gemalt.
Dieses zweite Fenster gehört in technischer Hinsicht dem Sig- mund Frank allein an, und es ist in Pracht und Übereinstimmung der Farben und in künstlerischer Zusammensetzung der Glasstücke weit vorzüglicher als das erstere; aber doch erschien es nach der 1829 erfolgten Aufstellung in der Kirche, ungeachtet der grossen Far- benpracht, noch zu hell gegen die alten Fenster, und man fand es für nötig, bei den folgenden dem Schmelze eine noch tiefere Sättigung zu geben, und durch das Mattschleifen der einen Seite, welches sich auch in den Glasmalereien der Alten findet, der kräf- tigen und harmonischen Wirkung der Farben nachzuhelfen.
Im Herbst des Jahres 1830 wurden zwei neue Fenster vollendet, und in der Facade des Domes auf der sogenannten Josephsseite eingesetzt. Sie zeigen die Geburt des Johannes und dessen Pre- digt in der Wüste, nach Ruben’s Cartons. Hier sind die dunklen und glänzenden Farben, so wie die gedämpften Töne, zu einem harmonischen Ganzen vereinigt und die Schwierigkeiten völlig über- wunden. An Ort und Stelle erscheinen sie, bei gewöhnlichem Ta- glichte gesehen, beinahe zu dunkel, und nur von der Sonne be- leuchtet, lassen sie an Gluth und Tiefe der Farben, so wie in Har- monie derselben, nichts zu wünschen übrig. Es war daher noth- wendig, den Gesammtton der Farben nach der natürlichen Be- leuchtung bald heller oder tiefer zu halten, was in den folgenden Fenstern genauer berücksichtigt wurde.
Das der Zeit der Entstehung nach nächste Fenster ist jenes im Kreuzschiff des Domes oben rechts gegen Morgen befindliche. Es zeigt in der Mitte den heil. Benno dar, zu den Seiten die Heili- gen Emeran und Wolfgang, St. Ludwig und Therese. Was die Ausführung dieses Fensters anbetrifft, sind die Töne noch reiner und bestimmter als bei den früheren und auch die schöne Harmo- nie des Ganzen erfreut das Auge.
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