Franco, Giovanni Battista

Franco, Giovanni Battista, genannt Semolei, Maler und Kupfer - stecher von Udine , wo er nach einigen , nach anderen 1510 geboren wurde. Auch sein Todesjahr kann man nicht genau be- stimmen. Vasari setzt es, sicher zu früh, in 1501. Zanini Encyclo- pedia metodica etc. IX. 162 glaubt, dass Semolei noch um 1560 gearbeitet habe, und von vielen wird als das Sterbejahr des Künstlers genommen, was grosse Wahrscheinlichkeit hat. Dieser Künstler kam früher nach Rom, und hier war es besonders Michel Angelo, den er zum Vorbilde nahm. Er zeichnete auch antike Denkmäler, Statuen , Basreliefs u. a., um sie in Kupfer zu ste- chen, was jedoch nicht zu Stande kam. Bei solchen Übungen wurde er ein guter Zeichner, besonders angeschmackt Michel Angelo’s, denn die Werke dieses Meisters zeichnete er, wo er sie immer fand, in Rom und in Florenz . Mehrere Male zeichnete und malte er das Weltgericht Buonarotti’s. Im Colorite brachte er es nicht zu jener Höhe, auf welcher er als Zeichner stand, doch ist er darin noch immer stärker, als die Florentiner, da ihm etwas vom venetianischen Schule geblieben ist. Man betrachtet ihn sogar als den Vereinigungspunkt des römischen Geschmackes mit der vene- tianischen Schule, so wie Giuseppe Porta dieses mit der florentini- schen und venetianischen Schule bewirkten.

Semolei war einer der besten Nachahmer des Michel Angelo, aber dadurch, dass es ihm an eigenthümlicher Kraft fehlte, aus sich ein neues Leben hervorzurufen, konnte er auch nicht der Retter des guten Geschmackes werden, der damals im tiefen Sin- ken war. Indessen gab er in seiner Kunst Proben eines großen Talentes und eines empfänglichen reproduzierenden Geistes.

Franco, Giovan Battista.

Gemälde von der Hand dieses Künstlers sind in dem Enthaupteten zu Florenz, im Dome von Urbino, in jenem zu Osimu, wo er 1547 malte, in Bologna, im Kirchenstaate und in Venedig, wo er sich gegen das Ende seines Lebens aufhielt.

Hier malte er 1556 in der Libreria von Marco d’Aretto und etliche symbolische Bilder. Er soll auch einen Teil der Zeichnungen zu den Vasen der berühmten Apotheke von Loreto gemacht haben. Die Königin wollte diese Majolica-Gefässe gegen silberne an sich bringen, allein man ging den Tausch nicht ein.

Man hat von diesem Künstler auch eine bedeutende Anzahl von Blättern. Bartsch P. gr. XVI. p. 118 – 154 Beschreibt 93 Stücke, und 15 gibt er im Anhange. Er wählte edlere Gegenstände, als in seiner Zeit Mode waren, und folgte der damaligen wüsten Art zu radiren nicht, sondern bildete diese, oft zu einer solchen Genauigkeit, aus, dass sie der Grabstichelarbeit nahe kommt. Mit dem Stichel gab er gewöhnlich die Vollendung. Seine Figuren sind oft zu lang, die Löpfe dagegen zu klein. In den Extremitäten sind sie mit Sorgfalt und Richtigkeit behandelt.

Bartsch Anleitung etc. I. 200 teilt Franco’s Blätter in Klassen:

Die erste bietet mit einer schnellen Nadel radirte und bloss geätzte Blätter dar, ohne Spur des Grabstichels. Die zweite enthält Blätter, welche mit etwas mehr Sorgfalt radirt sind, und hier und da mit dem Grabstichel übergangen sind. Die dritte zeigt Stücke, welche mit einer feinen Nadel radirt sind und bei denen das Aetzwasser mit Vorsicht angewendet wurde, so dass die Nadelarbeit rein und zart blieb. Diese Platten wurden sodann mit ziemlich engen und nach verschiedenen Richtungen laufenden Grabstichel-Schrafirungen überarbeitet, die öfter mit Punkten ausgefüllt sind.

Die vierte Klasse umfasst Kupferstiche, welche ebenfalls schön, aber offen radirt sind. Er hatte sie mit der Aetzung mehr befördert, und diese weniger mit Grabstichelarbeit verwebt. Man bemerkt, dass Franco dieses Instrument dabei nur dazu anwandte, die von dem Scheidewasser abgestaumpften Striche in feine Spitzen verlaufen zu machen. Dieser Kunstgriff gibt dem Ganzen das Anscheinen eines bloss mit dem Grabstichel geschnittenen Kupferstiches.

Die bloss radirten, oder nur mit wenig Grabstichelarbeit retouchirten Stücke machen den kleinsten Theil von Franco’s Werken aus, und fast alle andern sind mehr oder weniger, doch immer sehr häufig, mit dem Grabstichel überarbeitet. Es mögen daher dem Franco Kupferstiche zugeschrieben worden sein, die andern Künstlern angehören. Bartsch glaubt, dass dem Franco nur die Aetzarbeit angehöre, und dass alles, was Grabstichel ist, von irgendeinem andern Kupferstecher hinzugefügt worden sei. Daher dürfte die frostige Behandlung rühren, die einem Maler fremd ist.

Jakob Franco hat Antheil an diesen Blättern, von denen er mehrere Platten erhielt, die er mit dem Stichel retouchirt haben könnte, worauf sich vielleicht die Worte: Franco forma, die man darauf liest, beziehen. Blätter nach Bartsch:

Das Opfer Abrahams, geätzt und mit dem Stichel übergangen. H. 13 Z., Br. 9 Z. 7 L. Die spätern Abdrücke haben die Adresse Fränco forma.

Moses schlägt Wasser aus dem Felsen, eben so behandelt. H. 132709 ä, Br. 10 Z. Auf den spätern Abdrücken steht:

Franco forma.

Derselbe Gegenstand mit einigen Veränderungen und früher ge-stochen. In dem vorhergehenden Blatte sieht man dann Kopf des Alten hinter dem rechts stehenden Weibe.

Mit der erhobenen Rechten ein Zeichen gibt, H. 8 Z. 3 L., Br. 14 Z. 2 L.

Die Ishmaelschützen sammeln das Manna. B F. Y. F., H. 14 Z. Br. 21 Z. 10 L.

Aus den ersten sehr seltenen Abdrücken sieht man vorn zur Linken einen stehenden Mann, welcher sich auf seinen Stock stützt, einen zweiten, der den Rücken kehrt und halb kniend das Manna von der Erde aufsammelt, dann einen dritten, welcher auf der Erde liegt, neben einem Gefässe, auf welches er sich mit beiden Armen stützt, endlich ganz von vorn eine umgeworfene Kanne.

In den zweiten Abdrücken sind diese drei Figuren und die umgeworfene Kanne unterdrückt und mit andern Figuren ersetzt.

Melchisedech bringt dem Abraham Brod und Wein. Batista franco fecit. Gemischte Arbeit. H. 9 Z. 9 L., Br. 15 Z. 6 L.

Die ersten Abdrücke sind vor Franco’s Namen. H. 9 Z. 8 L., Br. 15 Z. 4 L.

Die Philister stellen die Arche des Herrn in Dagan; Tempel. H. 9 Z. 8 L., Br. 15 Z. 4 L.

In den ersten Abdrücken ist die Arche bloß mit einem Tuch bedeckt und mitten unten stehen die Buchstaben B F., V. F., die in den retouchirten zweiten Abdrücken weggenommen sind.

Die dritten haben die Adresse: Franco forma. Duxé Platu ist jetzt nur mehr 11 Z. 3 L. hoch.

Die Verkündigung Mariä. H. 12 Z. 6 L., Br. 9 Z. 6 L.

Die Anbetung der Himmelskinder. Gemischte Arbeit. H. 13 Z. 8 L., Br. 10 Z. 6 L.

Später wurde die Platte retouchirt und mit der Dbd. von G. Sabatini versehen.

Dieses Capitalblatt ist vor der Addressé und ohne Retouchie in Weigels Catalog 1. 654 auf 6 Thlr. gewertet.

Jesus im Tempel unter den Schriftlehrern. H. 13 Z. 6 L., Br. 17 Z. 2 L. Die ersten Abdrücke sind vor den Worten Franco forma.

Die Geisslung Christi, nach Titian; Batista franco fecit. Giacomo franco form. H. 15 Z. 3 L., Br. 20 Z. Die ersten Abdrücke sind vor Giacomo Franco’s Adresse.

Christus mit dem Kreuze. H. 9 Z. 2 L., Br. 12 Z. 6 L. Die späteren und schlechtern Abdrücke haben die Adresse: In Venetia a Sta Fosca.

Christus am Kreuze mit den Mordern unten Maria, Johannes und Magdalena. H. 28 Z. 6 L., Br. 18 Z. 4 L.

Christus am Kreuze mit zwei Engeln, am Stamme desselben ein Todtenkopf, nach Michel Angelo. H. 14 Z., Br. 10 Z. 2 L.

Die Apostel werfen auf Geheiss des Herrn ihre Netze in den See, nach Rafael; gemischte Arbeit. H. 9 Z. 9 L., Br. 14 Z. 2 L.

St. Peter hebt den Lahmm mäch Rafael. H. 9 Z. 4 L., Br. 14 Z. 10 L. Die ersten Abdrücke sind vor den Worten, Franco forma.

Die Heilung des Lazarüs, gegen und mit dem Grabtuch übergangen. H. 28 Z. 10 L., Br. 33 Z.

Der vom Kreuze genommene Christus mit dem hl. Franz. H. 8 Z., Br. 6 Z.

Die Auferstehung Christi leicht und gestreckt gezeichnet. H. 7 Z. 4 L., Br. 5 Z. 3 L.

Der Heiland Christi von den Jüngern ins Grab etragen, vorn am Boden die Dornenkrone. H. 11 Z. 4 L., Br. 8 Z. 3 L.

Franco, Giovanni Battista. > 455

Joseph von Arimathea und ein anderer Jünger erheben den Leichnam des Herrn, um ihn in das Grab zu tragen. Maria ist dabei. H. 17 Z. 8 L., Br. 11 Z. 9 L. Die ersten Abdrücke sind vor der Schrift: Batista Franco inuentor. Franco

    • forma., ;

Die Jünger tragen den Heiland zum Grabe, das man im Hin- tergrunde sieht. In der Mitte die heil. Jungfrau und rechts zwei andere Jünger. Geätzt, H. 4 Z. 4 L., Br. 5 Z. 6 L.

Die Jünger legen den Heiland in Gegenwart der heil. Mutter ins Grab. Gestochen. H. 16 Z., Br. 21 Z. 0 L. Die spätern Abdrücke haben die Adresse: In Venetia Alla Libraria Del S. Marco,

Der Heiland in weitem Mantel auf Wolken mit erhobenen Hän- den. H. 7 Z., Br. 6 Z. ;

Der Leichnam Christi nach rechts gerichtet wird von einem En- gel unterstützt, während ein anderer die Wundmale betrach- tet. Geätzt, H. 9 Z. 6 L., Br. 7 Z. 4 L.

Die gegenseitige Copie trägt die Jahrzahl 1555.

Die heil. Jungfrau beweint den toten Heiland, im Grunde links St. Johann und noch ein Apostel mit dem Kopfe sichtbar. Ge- mischte Arbeit. H. 10 Z. 2 L., Br. 12 Z.

Die heil. Jungfrau mit dem Kinde in den Armen sitzend; gegen- über Johannes. Geätzt, Diameter 3 Z. 11 L. Erster Druck vor dem Namen Franco.

Maria sitzend mit einem Blumenstrauß, den ihr Johannes reicht, im Grunde rechts schläft Joseph, und auch das Jesuskind ist im Schlafe. Gemischte Arbeit. H. 9 Z. 6 L., Br. 6 Z. 8 L.

Die heil. Jungfrau sitzend mit dem Kinde, rechts Joseph mit dem Stocke, der auf dasselbe blickt. Gemischte Arbeit. H. 13 Z. 7 L., Br. 10 Z. ;

Die heil. Jungfrau auf der Erde sitzend mit dem Kinde auf dem Schoß, Johannes gegenüber. Gemischte Arbeit. H. 0 Z. 3 L., Br. 13 Z. 0 L. Die ersten Abdrücke sind vor dem Na- men Batista Franco, ;

Die heil. Familie, wo sich das Jesuskind mit offenen Armen ge- gen Johannes neigt, rechts sitzt Joseph und in Mitte des runden Feldes ist eine Frau mit der Wiege beschäftigt. In der Ferne einige Ruinen. Geätzt. H. 7 Z., Br. 7 Z. 6 L. Die spätern Abdrücke tragen die Adresse: Baptista Francus Vene- tus fecit.

St. Joseph zeigt dem Jesuskind einen Vogel, den die hl. Jung- frau am Fuße eines Baumes hält. Geätzt, ohne Zeichen. H. 4 Z. 4 L., Br. 7 Z. 3 L. ;

Johannes der Täufer in der Wüste. Geätzt; Durchmesser 3 Z.

Die Heilige Jungfrau in der Wüste predigend. Geätzt, H. 10 Z. 6 L., Br. 6 Z. 8 L.

Johannes Baptist auf der Erde ruhend. H. 6 Z. 8 L., Br. 10 Z. 6 L. Die ersten Abdrücke sind vor den Worten: Batista Franco fecit, die spätern haben noch dazu: Franco forma.

Der Täufer in der Wüste vom Rücken gesehen auf der Erde sitzend, wie er mit der Linken auf die aus dem Felsen sprudelnde Quelle deutet. Neben dem Kreuze steht: Agnus Dei, und rechts im Grunde ist das Lamm. Dieses Blatt ist ohne Zeichen, aber man eignet es mit Grund dem Franco zu. H. 5 Z. 4 L., Br. 11 Z. 6 L.

St. Hieronymus auf einem Felsenstück im Buche lesend, zu den Füßen der Löwe. Gemischte Arbeit. H. 6 Z., Br. 4 Z. 11 L.

St. Hieronymus in der Wüste mit dem Todtenkopfe. Gemischte Arbeit, H. 16 Z. 3 L., Br. 10 Z. 6 L. Die ersten Abdrücke sind reine Aetzungen und vor der Schrift,

St. Hieronymus in der Wüste mit gefalteten Händen vor dem Crucifixe betend. Links ist der Todtenkopf am Felsen und im Voggrunde der Löwe. Gemischte Arbeit. H. 32 Z., Br. 17 Z. 6 L.

Herkules tödtet die Hydra. Mit dem Grabstichel übergangen. H. 12 Z. 5 L., Br. 7 Z. 10 L. Die ersten Abdrücke sind vor den Worten. Franco forma; dann wurde die Platte verkleinert und mit Batista francho fecit bezeichnet.

Herkules sendet einen Pfeil auf den Nessus, der die Dajana entführt. Gemischte Arbeit. H. 9 Z. 2 L., Br. 14 Z. 4 L. Die spätern Abdrücke sind bezeichnet: Batista franco fece dal antico — Franco forma,

Das Bacchanal mit dem Faun, der eine Lyre hält. Nach Giul. Romano, gestochen. H. 6 Z. 4 L., Br. 8 Z. 3 L.

Jupiter auf der Väolke, zur Seite der Adler. Geätzt, H. 13 Z.

Jupiter mit dem geschlossenen Buche und mit der Linken nach einem Olymp deutend, rechts der Adler. H. 13 Z. 8 L., Br. 7 Z. 8 L.

Vulkan schmiedet den Blitz des Jupiter, im Grunde Amor auf dem Steine. H. 15 Z., Br. 8 Z. 3 L.

Antikes Basrelief mit Bacchus und Ariadne. Gestochen, H. 10 Z. 10 L., Br. 15 Z. 8 L.

Diana ruht mit ihren Nymphen von der Jagd aus. Vorne drückt eine Nymphe Milch aus der Brust in eine Vase: Gemischte Arbeit. H. 10 Z. 8 L., Br. 14 Z. 6 L. Die ersten Abdrücke sind vor der Schrift,

Amor und Psyche im Bade von Liebesgöttern bedient. Gesto- chen nach Jul. Romano’s Carton für den Palazzo del T. zu Mantua, Zwei Platten, ohne Namen. H. 15 Z., Br. 41 Z.

Sechs Darstellungen aus der Geschichte des trojanischen Krie- ges, Geätzt, H. 5–6 Z., Br. 4 Z. 4–10 L.

Scipio’s Güte gegen die Gefangenen, nach J. Romano. Gemischte Arbeit. H. 8 Z. 9 L., Br. 14 Z. Die ersten Abdrücke sind vor der Schrift,

Constantin vollzieht die Schenkung Roms in Gegenwart des Pab- stes Silvester, Reiche Composition, vorn ein Lahmer auf den Knieen kriechend. H. 8 Z. 3 L., Br. 20 Z. 9 L. Selten.

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