Francia, Giacomo

Francia, Giacomo, Maler zu Bologna , Francesco’s Sohn und Schüler, der schon 1510 arbeitete und nach starb. Dieser Künstler arbeitete in der Weise seines Vaters, und daher wird er oft mit ihm verwechselt. Doch kommt er ihm nicht bei; seine Bil- der sind kräftiger und dunkler, als die des Francesco, und sie stehen ihnen an Zartheit des Ausdruckes nach. Er nähert sich in der Zeichnung den neueren Meistern und die überladenen Gold- verzierungen und die dünnen Arme, die man manchmal in Fran- cesco’s Bildern trifft, sind bei ihm nicht zu finden. In den Köpfen ist er lebhaft. In S. Vitale zu Bologna malte er eine Geburt Christi, und in S. Francesco daselbst gleicht sein heil. Georg nach Lanzi's Urtheil den besten Arbeiten seines Vaters, so dass man es für ein Werk des letztern hielt, bis man zu Lanzi’s Zeit die Unterschrift: J. Francia 1520 darauf fand.

Im k. Museum zu Berlin finden sich Bilder von diesem Künst- ler, in einer Anzahl, wie nicht anderswo im Deutschland . Die Keuschheit unter der Gestalt einer nur mit einem weißen, ganz durchsichtigen Zeuge bekleideten weiblichen Figur, mit Palme und spiegelhelllem Schild. Im Hintergrunde ist Landschaft, rechts die Keuschheit auf den von zwei Einhörnern gezogenen Wa- gen, links die Unkeuschen, wie sie über dem Höllenfluss gesetzt werden. Die Heiligen Johannes Baptist und Stephan, letzterer die blutbefleckten Steine auf dem Buche; Maria mit dem auf einer steinernen Brüstung stehenden Kinde, rechts St. Franz; Maria lei- tet das Kind, links St. Magdalena und Agnes, rechts St. Dominikus und Franziskus; die unter einem von Säulen getragenen Bau sitzende Maria, wie sie dem vor ihr stehenden Kinde einen Blu- menstrauß reicht, zu den Seiten Heilige, oben Gott Vater mit dem

eiste, ;

Man schreibt dem Jacopo Francia, so wie auch dem Joh. Bapt.

-und Julius die Initialen Y. F. zu, theils einzeln, theils in einem Täfelchen , und auf Kupferstichen in Marc- Antons Weise,

Man nahm diese Blätter gewöhnlich für Marc- Anton’s eigen- händige Stiche, die er in seiner ersten Zeit bei Francesco Francia

gefertiget haben sollte, allein bei genauer Betrachtung zeigt sich ein Unterschied zwischen den sicheren Werken Raimondi’s und

diesen Blättern, so dass Bartsch P. gr. XV. p.455 sie irgend einem alten Maler beilegen möchte, der sich hierin mit dem Grabstichel versucht hat. Dieses könnte nach seiner Ansicht Jakob, Julius oder Johann Baptist Francia seyn und die Zeichnung zu den Blät- tern dürfte von Franc. Francia herrühren. Dieses hat wohl seine Richtigkeit, aber auch Marc - Anton hat mehreres nach F. Francia gestochen , wie aus der Darstellung zu schliessen ist. Die Buch- stab en I, F. bedeuten wohl: Inventor Francia, wenn sie nicht den läzeicbneten Künstlern angehören. Bartsch erwähnt folgender

Vier Heilige und in der Mitte eine Heilige mit einer Tafel, auf

welcher die heil. Jungfrau mit dem Kinde sich zeigt. In einer

Rundung liest man: Ab omni malo defensxdo tuum populum,

und unten links stehen die Buchstaben I, F, H. 9 Z. 5 L.,

Br. 8 Z. 6 L.

Die heil. Familie, wo Maria das auf dem Schoosse ruhende Je-

suskind betrachtet. Daneben ist Joseph, links Elisabeth und

in Mitte, des Blattes steht der kleine Johannes. Ohne Zeichen.,

Die christliche Liebe, oder ein Weib auf Wolken mit zwei Kin-

dern, In der Mitte unten I, F. H. 8 Z. 6 L. Br. 6 Z. 4 L.

Die spätern Abdrücke sind ganz retouchirt, und das Weib hat

einen Schleier. .

Lucretia mit dem Dolche, im Begriffe sich zu tödten. Im Grunde

ist eine Nische mit zwei Delphinen. Ohne Zeichen. H. 9 Z.

L., Br. 6 Z. 7 L.

Die spätern Abdrücke sind ganz retouchirt und zu den Seiten

der Nische fehlen die Wolken, die man in den ersten sieht.

Cleopatra nackt, mit der Schlange in der Rechten, die sie in den

Busen sticht, während ihr die mit der Linken erfasste .Viper

Amor zu entreissen sucht. Im Grunde Wald. H. 10 Z. 6 L.

Br. 6 Z. 6 L.

Venus mit dem Winkelmass in der einen und dem Apfel in der

andern Hand, welchen Amor zu verlangen scheint. Im Grunde

liebkoset ein Alter eine Nymphe. Ohne Zeichen, H. 8 Z.

6 L., Br. 5 Z. 7 L.

Bacchus von zwei Faunen unterstützt, links ein Weib mit dem

Tambouret, rechts ein Mann mit der Flöte. Ohne Zeichen;

Octogan. H. 9 Z. 5 L., Br. 11 Z. 2 L.

Zwei Blätter mit Verzierungen, in jener Folge, die Aug. von

Venedig in 20 Bl. bekannt machte.

Brulliot dict, des monogr. II. 1433 kennt noch drei andere Blät-

ter, die diesen Künstler angehören dürften, da sie die Initia-

len I. F. tragen,

Die heil. Jungfrau mit dem Kinde, das eine Rolle trägt, mit der

Schrift: EGOSUM N ITETIMER., H. 9 Z. 3 L., Br. 6 Z. 4 L.

Magdalena bei Simon dem Pharisäer , Copie nach Marc- Anton.

Gattamelata de Narni, venetianischer General, vom Volke be-

weint. Dieser berühmte Feldherr starb 1440. Der Monogram-

mist A, C. hat denselben Gegenstand gestochen.

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