Francia, Francesco, eigentlich P. Raibolini, genannt Francia, ein berühmter Maler von Bologna , der unter letzterem Namen weltbekannt ist, und daher erwähnen wir seiner ebenfalls unter diesem. Der Künstler selbst hat sich Francia unterschrieben; denn auf dem Bilde der k. Pinäkothek zu München steht: Francia aurifex Bonon., und auf gleiche Weise bezeichnete es das Bild der Capelle Beptivogli. Das Geburtsjahr dieses Künstlers kennt man nicht, doch muss es um 1450 zu suchen sein. Das Todesjahr kennt man ebenfalls nicht genau, doch erfolgte es nicht 1517, wie man in einigen Schriften angegeben findet und auch starb Francia nicht, wie Vasari wissen will. Mit grosser Wahrscheinlichkeit dehnt man seine Lebenszeit bis auf aus.
Francia war anfangs Goldschmied und Nielleur; und in dieser Kunst genoss er ausgezeichneten Ruf. Nicht weniger berühmt ist er wegen seiner Kunst im Stempelschneiden, und die mit seinen Stempeln geprägten Münzen wurden wegen der Schönheit der Ar-
Francia, Francesco. ' ' aM
'/ heit denı‘ Carädosso yon Mailand zugeschrieben; . Die‘Münzstempel
fertigte er für‘ Giov. Bentivoglio, und 'auch‘ Medaillen‘ führte er für dı&en Fürsten aus, Derselbe besass auch mehrere‘Gold- und Silber-Geschmeide vön Frantia’s Hand ,' aber der grösste Theil der-
' selben ging bei der Vertreibung des Hauses Bentivoglio;zu Grunde,
Später soll ’er' auch ' für Pabst Julius 1I.verschiedene Medaillen ge- fertiget haben , lauter treffliche Stücke , unter denen' Vasari 'beson- ders jenes lobt, welches der Künstler ’auf ‚den Einzug'‘ des Pabstes in Bologna’schnitt. - Es stellt das Brustbild des Pabstes dar und auf-der Rückseite dem Saulus vor, wie er vom Pferde stürzt, und
'ein Weib,.das 'sich zu erheben scheint, die personifizirte Stadt Bo-
logna, von dem’Tyrannen befreit;” G.'Lucchio, Bönanni und Mo- Jinet’ erkennen darın , irrthümlich eine Anspielung ‘ auf ' den Krieg, den Jülius mit Alfdnso d’Este von Ferrara führte;
Man liest‘ daraüf: Conträ stimulum ne calcitres, aber nicht” Bo- nonia per Julium a Tiranno liberata, wie Vasariı will. Diese Worte scheinen sich nür auf die Allegorie 'zu beziehen. Die Zeichnung zu dieser Medaille' soll Rafael gefertiget.haben. | ” Abgebildet ist sie in Cicognara’s 'storia della scultura IL, tav.
“ı , LXXXY. 0.
Bei dieser Gelegenheit erwähnen wir auch der‘ Niellen‘, welche
dem Francia zugeschrieben werden, und dann seiner‘ Gemälde ; 'denn 'erst in späteren Jahren trat er als Maler auf, nennt ' sich aber auf’ Gemälden ’Aurifex und auf Goldschmiedarbeiten Pictor. Das eine‘der Niellö’s ' beschreibt Bartsch P. gr. XII ‘p: 49 Nro. 1,
Es stellt die Gebürt 'Christi vor, oder wie‘ Maria und Joseph das Kind anbeten, das auf einem Teppich auf der Erde liegt, "wie denn Francia das göttliche Kind lieber anderswohin;" als 7in den Schoos
”'der Mutter legte. -Oben in der Luft‘halten ’drei’ Engel cinen ‘Rei-
fen mit der Schrift: EVANGELICO - VOBIS GAUDIUM MAGNUM. In einer Rundung liest mäan: DOMINUS: PHILIPPUS. STANCHA-
‘ RIUS. HOC. OPUS. FIERI. PRECEPIT. TERCIO. KALENDAS.
Juli. Alle diese Schriften sind verkehrt. Durchmesser‘1Z. 9 L. Vom 2ten Niello beschreibt Bartschl. c. Nro. 4. einen- Abdruck.” Die
! Pace ist von Silber'und im Institut zu Bolögna.- Sie "stellt Chri-
stus am Kreuze dar und zu seinen Seiten zwei Engel. Rechts am Kreuze steht'die heil. Jüngfrau , im Grunde kniet Franz von Assisi;
. links steht St. Johannes und gegen den‘ Grund hin‘“ist St, Hiero-
nymus auf den Knien.‘ H. 2 Z. 8 L., Br. ‘1 Z. 9 L: Die Auferstehung des Herrn, von Zani in den Materiali p.‘ 129
‘beschrieben. H.3 2Z.4 L.,Br. 2 Z. 2L.
Die Silberplatte ist im Institute zu Bölogna: _-
Ein Weib mit drei“ Männern und einem Sätyr, nach Ottley Rai- bolini’'s Werk, Durelimesser 2 Zi2 L.'- ‘ ! ‚' ' Der erste Druck hat in ”Grunde nur einfache diagonale Taillen , ' der zweite ist mit Kreuzstriehen. Im'Jahre 1824 wurde'‘ein Ab- druck 'aus dem Cabinct Sykes’ zu Löndon um 14 Guineen'verkauft. Ueber diese“ Niellen handelt auch' Duchesne im ’Essai sür les nielles 1826 * ' ' !
Francia’s Ruhm war gross, und man nantıte ihn den ersten Mann seines Jahrhunderts , wıe Malvasia 'sagt, ohne beizusetzen in-Bo- lögna. ‘ Diesen Ruhm erwarb er sich anfänglich als Goldschmied ,
' aber auch als Maler steht er hoch, obgleich er bis zu seinen rei-
fen Mannsjahren die Malerei nur als Nebensache betrieben zu ha- ben scheint. Er soll nämlich erst im Mannesalter den Pinsel er- griffen haben‘ und in wenig ‘Jahren Schüler und Meister in der Malerei gewesen seyn, so dass er mit den geschicktesten Ferrarern und Modenesern in die Schranken treten konnte, und’jzwar bei
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— {önmGelegeuheitden ‚Ausschinückung des, Pallastes, yon: Giov.-Bentivog- 35 sJig. 4 Dieses geschalı 1450 und ım bezeichngten Jahre malte,er. auch ern das, Altarbild in ‚der Ii‚zpelle\der_ßeptivogli in:S, J/accip%‚. worauf „{ er.bemerkte , (dass er seines:Gewerbes: ein Goldschmied, nicht, Ma- ‚„hader; sei.. Desswegen hat man wahrscheinlieh \gér?‚l_nuht‚'l"r_nl‚clahflbe erst ‚spät ‘ die.,‚Malerei 'ergriffen und..sich, vielleicht aus einiger Scheu mür Goldschmied,, nicht. Maler genannt. _ Allein ‚er nannte sich „ ',.sicher 'nur aus Launc auf.. den Goldschnmiedsarbeiten Pictor und auf .. den. Malerwerken Aurifex. . Man; unterscheidet indessen eine;;erste 1E und.zweite . Manier .des .Meisters,. ein KFortschreitep: zu, grosserer ı Vollkommenheit. in seinen Malereien , ‚was wohl ‚seyn kann,: ohne dass man. anninımt ,:, der, Künstler habe,erst,spät, .a er,..wie mit ‚ einem /Schlage, sich zum Maler gebildet,, Dieses,.1$t ohne. yorher- gegangene Üebung .nicht möglich, es gibt.keine, plötzliche, Ent- I ‚7 wicklung' zum ‚grossen Maler, . Bentivoglio muss ihn sdg°pn„ää ge- , : sehickten Maler gekanat haben;; als er ihm grosse; Arbeijen anver- | onı - tgaute, nur begann mit diesen erst sein {Maler - Ruhm. .. 44 Lange mag er;die :Malerei nur als Liebhaber betnebßp haben , .3 wer ihna:aber darin unterrichtete, weiss man nicht.. Rosaspına nennt | ihn in der Pinacoteca della Pontificia Academia delle be}le -,qu iın | '‚”Bologna ‚einen Schüler des. Marco Zoppo,.allein Meister und Schü- . . ;})er haben gar keine Achnlichkeit des Styls; er. hat, nicht,, ginmal ‚;: den allgemeinen ;Charakter der Schule , aus der er hervorgegangen 7 SCeyD so?l. Aus einer unverkennbaren Geistesverwandschaft zwaschen ‚; .den Werken Francia’s und Perugino’s, und dieser beiden .wieder ‚... mit.;.den Bildern des. Nicalo Alunno haben andere Schriftsteller auf den.,Zusammenhang dieser drei Künstler geschlossen, da Nicolo unter ‚diesen am ‚alterthümlichsten scheint, ıhn für den älteren und ‚;ıden Meisteryon Francia und Perugino gehalten, was jedoch so wenig ı7 bewiesen werden kann:, als dass Alunno älter als Perugino, se1. In den. Memorie della ‚vita ‚e delle,‚opere di F. Raibolini ,, ‚detto ‚/ Al Francia scritte da J; ;A.,Calvi, Bologua 1812 ‚p. 7 wird ebenfalls ..1 pgesagt, .dass, Raibolini ıder Sage nach den M. Zoppo zum Mgis'tgr , „{47 gehabt ‚habe ‚und der, Verfasser sucht dieses aus Niellen zu bewei- _.ir. sen, welche Francia. ‚‚im, Style der Zeichnung. seines Meisterg fer- tigte, ; Ua w E ) .gG‚v von Quandt, ‚Anmerk. ;zu Lanzi: IL: 18<, glaubt, mit aller ‚. „Wahrscheinlichkeit , dass Perugino’s Werke,. namentlich drei: der | vorzüglichsten Altarblätter in Bologna, dem ‚Künstler ‚eine be- i ‚* stimmte. Richtung gegeben , da dıese Bilder über allen andern ste- hen. Wenn auch Perugino nur. etwa vier Jahre älter war als Fran- cia, und also nicht. als;‚Lehrer des ihm an Jahren fast gleichen ' . Meisters betrachtet werden kaun, so,hindert dies doch ‚den Ein- fluss nicht, den Perugino’sGemälde auf Francia’s Bildung haben muss- ‚ ten, ‚In, Raibolini’s ‚ Werken , so wie in jenen des ‚Perugino, er- 1, scheint der Ausdruck . einer fleckenlosen Seelenreinheit ynnd ‚einer ‚;!: Asefen ‚Sehnsucht zum, Höchsten in seiner schönsten Gestalt,, . Er ist ‚Sgelenmaler wie Rafael und vielleicht mit diesem auf gleicher Stufe, nur sein Ruf ist nicht so sehr verbreitet, denn er.ist ja seit etli-
- Ohen ;dreissig Jahren gleichsam erst ncu entdeckt; vorzüglich seit -.,/1 die deutschen' Schriftsteller anfingen , auf den hohen Werth der t-alten italienischen Meister aufmerksam zu machen.., Erancia’s; Ver- .‚ ; dienst besteht weniger in reicher Erfindung, als in Tiefe „des. Ge- ! fühls und in innig ergreifendem Ausdruck. Er liebte einfache Ge- ,, enstände,, Madonnen und Zusammenstellung derselben: mit.andern eiligen, aber auch. in. seiner : Einfachheit fesselt er jedes Auge. ‘ Rafael selbst' sagte, dass er keine schönere, andächtigere und bes- sere Madonnen geschen, als jene Francia’s. Seine und Perugino’s
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Francia, Francesco. 148
Werke unterscheiden sich durch ihr mildes und gefühlvolles Wesen, so wie durch eine größere Fülle der Zeichnung, Würde des Faltenwurfes und kräftigere Färbung vor denen anderer, in der Romagna einheimischen Maler. Er bildet den Übergang zwischen den Meistern der alterthümlichen und der modernen Richtung.
Es finden sich noch mehrere Gemälde von diesem Meister, doch wurden seine Compositionen von seinen Schülern vielfach nachgebildet und nachgeahmt. Der namhafteste darunter ist sein Sohn
Giacomo, .
Dasjenige Gemälde, welches dem Goldächmilde zuerst einen Ruhm als Maler erwarb, und das ihm um 1510 Bentivoglio’s Aufträge zur Malerei verschaffte, ist der heil. Sebastian, der aus der Kirche della Misericordia in die Gallerie der Akademie zu Bologna kam, wo noch andere schöne Bilder von der Hand dieses Künstlers aufbewahrt werden. Darunter ist eine Aufbetung der Könige und eine heilige Madonna mit dem Kinde, die in allen seinen Bildern sich mehr oder weniger gleicht. Das grosse schöne Bild mit dem heil. Sebastian hat Rosaspina in der Pinacoteca Acad. gestochen.
Dieser St. Sebastian ist nicht mit jenem berühmten Bilde zu verwechseln, das Francia 1522 malte. Das zweite Bild hatte lange als Canon des Nackten gedient, wie eine durch die Carracci, Albano und Malvasia erhaltene Sage, angibt. Albani setzte noch bei, dass darüber selbst Rafael’s heil. Cäcilia vernachlässigt worden sei, und dass desswegen Francia das Bild weggenommen habe, um den Schein zu vermeiden, als habe er mit Rafael im Wetteifer gemalt.
Diese beiden Künstler waren Freunde, und schon vor 1508 einander bekannt. In diesem Jahre ging Rafael nach Rom und von hier aus schrieb er den 5. September des bezeichneten Jahres an Francia. Sie tauschten damals gegenseitig Zeichnungen aus, und im Jahre 1518 bat Rafael in einem Briefe unseren Künstler, er möchte bei allenfallsiger Beschädigung oder Fehlerhaftigkeit sein damals nach Bologna übersendetes Bild der heil. Cäcilia ausbessern und verbessern. Bei dieser Gelegenheit lässt Vasari den Künstler sterben, und zwar aus Rührung beim Anblick der orgelspielenden Cäcilia, was jedoch nicht wahr ist, weil er 1522 noch obiges Bild des heil. Sebastian und noch später malte. Dieses Bild ist verschollen, wenn es nicht jener Sebastian an der Säule ist, der im Residenzschlosse zu Cremsier in Mähren aufbewahrt wird. Man erzählt, dass der Cardinal Giustiniani das Original ausser Landes geschenkt und selbes durch eine Copie ersetzt habe. Das Bild dieses Heiligen in Cremsier ist wegen der Correctheit der Zeichnung, der gelungensten, kühnsten Verkürzung und wegen der ganzen Ausführung ein sehr schätzenswerthes Stück. S. Hormayr’s Archiv etc. 1825. S. 680.
In S. Giacomo Maggiore zu Bologna sind in der Kapelle links am Hochaltare ein Altarbild und Fresken von Francia’s Hand, und in der verfallenen Kapelle der heil. Cäcilia daselbst malte er ebenfalls Freskenbilder. Von seiner Hand ist die Vermählung der heiligen Cäcilia mit Tiburzio (nicht die Vermählung Mariens, wie Vasari sagt), und das Begräbniss der Heiligen. Die übrigen Bilder sind von Amico, Costa u. a.
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