Franceschini, Marc Anton, Historienmaler , geb. zu Bologna 1648, gest. 1720. Dieser Künstler, in welchem sich die letzte Ein- wirkung der carraccischen Schule offenbarte, erlernte die Anfangs- gründe der Kunst bei Galli-Bibiena, und später wurde er Cigna- ni’s Schüler und vertrauter Freund. Unter der Leitung dieses Meisters machte er bedeutende Fortschritte, und dieser und Guido Reni waren es besonders, die er im Colorite zum Muster nahm. Cignani bediente sich seiner öfter beim Entwurf und bei der Aus- führung der Gemälde, da Franceschini dessen Weise vollkommen nachahmen konnte. Auch verschiedene Cartons führte er für die- sen Meister aus.
Nachdem Franceschini mehrere Jahre bei Cignani gearbeitet hatte, versuchte er sich auch anderwärts als Künstler geltend zu machen. Im Jahre 1702 wurde er nach Genua berufen und 1711 zog ihn Clemens XI. nach Rom, um für die Musivarbeiten des St. Peters- domes Cartons zu zeichnen, eine Arbeit, die dem Künstler den Christusorden erwarb. In Rom schloss er auch mit Maratti Freund- schaft, wie sich denn dieser gebildete Künstler überall Freunde er- warb. Im Jahre 1714 ging er zum zweiten Male nach Genua und die übrige Zeit verlebte er meistens in Bologna. Er erhielt schon von Giordano eine Einladung an den spanischen Hof, allein er lehnte sie ab, so wie er auch dem Rufe des Churfürsten von der Pfalz nicht folgte.
In Wien hielt sich der Künstler einige Zeit auf. Er malte in der Gallerie Lichtenstein mehrere Plafonds; auch 42 andere gute
Gemälde von seiner Hand sind hier zu finden.
Franceschini’s Werke sind korrekt in der Zeichnung, aber in Bezeichnung des Ausdruckes hat er keine Mannigfaltigkeit. Es herrscht im Gegenteil in seinen Physiognomien eine gewisse Mo- notonie. Auch in den Stellungen, in der Lage der Hände ist we- nig Abwechslung, und seine Kinderfiguren scheinen lauter Zwil- linge zu sein. Indessen kann man ihm in seinen Gestalten und Köpfen keineswegs Originalität absprechen, nur war seine Phan- tasiie in dieser Beziehung nicht reich genug, um eine größere Ab- wechslung zu bewirken. Im Colorite gleicht er in seinen ersten Werken dem Cignani, nachher vermischte er damit Guido’s Lieb- lichkeit und Zartheit, wodurch er sich eine eigene gefällige Ma- nier schuf, die grossen Beifall fand. Sein Pinsel ist frei und fließend, doch nicht zu bestimmt in Führung der Umrisse, aber die Wirkung von Licht und Schatten ist wohl berechnet. Er verstand es, grosse Räume mit gefälligen Bildern auszufüllen und durch die Wahl der Motive zu imponieren. Bei dieser Gelegenheit malte er Cartons in der Grösse des zu gebenden Originals grau in grau,
um an Ort und Stelle die Wirkung desselben zu berechnen. Für sein schönstes Frescobild erklärt Lanzi den Plafond des grossen Rathssaales zu Genua, den Mengs stundenlang betrach- tete. Dieses Werk ging aber 1777 durch Brand zu Grunde,
Die Gegenstände des Gemäldes waren aus der Geschichte der Republik genommen, und ein großer Fries ist durch Meloni’s Stich bekannt. Von Ölgemälden nennt Lanzi besonders einen Almosen spendenden St. Thomas von Villanuova bei den Augustini- ern zu Rimini, ein Bild, das durch Schönheit der Figuren und durch die reiche Architektur besonders gefiel. Eines seiner schön- sten Ölbilder ist auch die büßende Magdalena in der Dresdner Gallerie, in welchem Guido’s Einfluss unverkennbar ist. Die An- zahl seiner Werke ist sehr bedeutend, doch sind sie nicht von Manierismus frei. Man findet solche zu Modena, zu Genua, zu Rom und in Bologna.
In seiner Vaterstadt verdienen die Kuppel und verschiedene andere Sachen in der Kirche der heil. Katharina Vigri, genannt La Santa oder Corpus domini, Erwähnung. Das merkwürdige Abend- mahl daselbst: hat Jakob Giovannini gestochen. Aus letzter Kirche ist das Altarblatt mit den Jüngern zu Emaus durch J. M. Giovannini’s Stich bekannt, und R. Audenaert stach das berühmte Altar- bild in der Abtei des Täufers Johannes daselbst, die heil. Jung- frau mit dem Kinde vorstellend, wie sie die Huldigung des vor ihr knieenden Abtes annimmt.
Auch Bartolozzi, Melani, Ghezzi, Mattioli u. a. haben nach ihm gestochen.
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