Francavilla oder Francheville, Peter

Francavilla oder Francheville, Peter, Maler und Bildhauer,

der 1548 zu Cambray geboren wurde. Er gehört einer adeligen

Familie an, fühlte aber schon von Jugend an eine angeborene Nei-

gung zur Kunst. Dem Rufe der Natur folgend ging er im jüngsten

Jahre unter irgend einem Vorwand nach Paris , wo er zwei Jahre

bei einem unbekannten Meister lernte, bis er nach Innsbruck kam,

wo er sechs Jahre der Holzsculptur oblag. Endlich ging er mit

Empfehlung des Erzherzogs Ferdinand nach Florenz und Rom , und

in Italien gewann er den Ruf eines der besten Schüler von Johann

da Bologna. Er arbeitete lange bei diesem Meister , und an da

Bologna’s berühmten Gruppen des Raubes der Sabinerin und des

Herkules mit dem Centaur sollen die Köpfe bis auf einige Retou-

chen von Francavilla sein. Von ihm sind auch die Statuen der

Klugheit, Demuth und Keuschheit in der prächtigen Capelle Nie-

colini hin S. Croce zu Florenz. Diese Werke sind sehr schön und

einfach.

In der Capelle Senarega in der Kathedrale zu Genua sind von

seiner Hand die vier Evangelisten mit St. Stephan und Ambrosius,

ebenfalls schöne Statuen. Hierauf kehrte er wieder nach Florenz

zurück, und verzierte in der Dominikanerkirche die Kapelle des

heil. Anton mit sechs Statuen; auch für die Fassade der Hauptkir-

che musste er sechs colossale Statuen ausführen. Auch in Pisa hin-

terliess er Werke und endlich berief ihn 1601 Heinrich IV. am

Nagler’s Künstler-Lex., IV. Bd. (28 _

den Hof nach Paris. Er wohnte im Louvre , und auch Ludwig XII. ernannte ihn zu seinen ersten Bildhauer und Baumeister. In Pa- ris führte er die vier Sklaven in Erz aus, die sich am Piedestal der Statue Heinrich IV. befanden, die aber ihrer Magerkeit wegen nicht gefielen; allein der Künstler dachte wahrscheinlich an die magere Hochkost ihrer Herren, die ihnen nicht gestattete das Eckige der Form auszufüllen.

Dieser Künstler malte auch mehrere Bildnisse und Historien. Er schrieb ebenfalls ein Werk über den menschlichen Körper, Micro- cosmos betitelt, und zwei andere sind geometrischen und cosmogra- phischen Inhalts.

Sein Todesjahr ist unbekannt.

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