Fragonard, Honoré

Fragonard, Honoré, Maler und Kupferstecher , geb. in der Grafschaft Nice 1733, gest. zu Paris 1806.

Die Biographie universelle nennt diesen Künstler Nicolaus, und F. Boucher war sein Meister in der Kunst, so wie das Vorbild in Affektation in Stellung und Ausdruck der Figuren, nur ist Fragonard etwas edler und dichterischer, als dieser Meister. Nachdem er den ersten Preis erhalten hatte, ging er nach Italien , aber an-

Fragonard, Honoré. / -

Statt durch die Betrachtung der Meisterswerke alter und neuerer

Kunst seinen Geschmack zu veredeln, fand bei ihm gerade das Ge- gentheil statt.

Ihm erschienen Roms Werke der größten Meister finster und monoton und sie benahmen ihm den Muth. Die Größe von Michel Angelo erschreckte ihn, doch rührte ihn die Schönheit Rafael’s bis zu Thränen, aber er legte Kreide und Pinsel aus der Hand, und blieb unthätig. Endlich erinnerte er sich wieder, suchte sich

„aber Künstler, mit denen er wetteifern zu können glaubte. Mi-

chel Angelo’s und Rafael’s Werke hatten also keinen Einfluss auf seine Bildung; nur Barocci, Pietro da Cortona, Solimena und Tiepolo fesselten seine Aufmerksamkeit.

Nach seiner Rückkehr aus Italien, wo er über 5 Jahre verweilte, beabsichtigte er die Aufnahme in die Akademie und dieser über- reichte er das Gemälde mit Coresus und Callirhoe, das Danzel gestochen hat. Dieses Bild gefiel dem einen durch die schöne An- ordnung und durch den eigenen Lichtefekt, der andere fand aber daran wieder vieles zu tadeln; doch Fragonard erreichte seinen Zweck. Er wurde in die Akademie aufgenommen, und bald war auch sein Ruf begründet. In der Fulge malte er für den Herzog von Gramont den Besuch der Maria bei Elisabeth und andere hi- storische Darstellungen, sah aber jetzt auch ein, dass er in den historischen Compositionen den ersten Platz nicht behaupten könne. Er ergab sich nun, seiner Individualität gemäss, dem erotischen Genre, und opferte den Ruhm dem Vergnügen und dem Scheinze. Er ward jetzt der Maler der Mode. Seine kleinen Gemälde und seine Bisterzeichnungen, die nicht ohne Geist ausgeführt sind, spre- chen durch den Reiz der Neuheit an. Die Liebhaber stritten sich um seine frivolen Darstellungen und er wurde stets in seinem Atelier zu weiterer Arbeit ermuntert. Zu jener Zeit malte er die Fontaine der Liebe, das Opfer der Rose, den Schwur der Liebe. Hier und da führte er auch noch ein heiliges Bild aus; so für den Marquis von Verry eine Anbetung der Hirten in Rembrandt’s Ma- nier, als ihn aber der Liebhaber um ein Gegenstück ersuchte, glaubte er ihm durch einen hizarren Kontrast sein Talent zu be- weisen, und er malte die freie Composition, die unter dem Namen Je Verrou bekannt ist. Ueberhaupt machte Fragonard durch seine Schamlosigkeit oft die Tugend erröthen, sein Talent erregte ge- fährliche Leidenschaften und trug zur Verderbniss der Sitten bei. Im Jahre 1773 erhielt er den Auftrag, den Salon der Mlle. Gui- mard zu malen, und er stellte diese als Terpsichore in verführeris- chen Stellungen dar, doch waren die Bilder noch nicht fertig, als er sich mit der Mademoiselle zerschlug. Man erwarb einen andern Maler zur Vollendung derselben, und Fragonard rächte sich da- durch, dass er heimlich seinen Terpsichore-Gestalten den Aus- druck der Wuth, des Zornes u. s. w. gab, und die Schöne mit Beibehaltung der Portraitähnlichkeit mehr zur Karikatur erhob, ,

Fragonard’s Bilder sind magisch und feenhaft. Sie sind unbe- stimmt in der Zeichnung, künstlich im Colorite, ohne Lebhaftig- keit, von ätherischen Dünsten umflossen, regenbogenfarbig. Die Natur hatte ihm Talent verliehen, aber auf ihn übte seine Schule und der frivole Geschmack der Zeit den gefährlichsten Einfluss. Die wahre Schönheit der Kunst kannte er nicht, nur den Sinnenreiz; - aber sein Glück streute ihm Rosen, bis diese die Revolution in Dornen verwandelte. Er verlor den größten Theil seines Reich- thums, den er sich durch seine unzüchtigen Darstellungen erwarb. Er malte nicht mehr und starb im Unglücke.

Mehrere seiner Werke wurden gestochen, besonders von St. Non, wie denn überhaupt vieles nach diesem Künstler gestochen wurde, von Beauarlet, Delaunay, Regnault, Flipart, Macret, Ro- manet, Demarteau, Blot, le Grand etc.

Er selbst hat Blätter geätzt, sowohl nach eigener Erfindung, als nach guten italienischen Meistern. Diese seine Arbeiten werden geschätzt.

Vier Bacchanale im antiken Geschmacke, nach Art der Basrelief, quer 4,

St. Hieronymus in der Wüste mit einem Engel, der ihm den Himmel zeigt, Skizze nach einem italienischen Meister,

Die Darstellung der heil. Jungfrau im Tempel, nach Robusti, 8.

L’Armoire, eine geistreiche Composition, gr. qu. fol. Im ersten Drucke vor der Schrift,

Eine Folge von 6 Blättern Verzierungen,

Der heil. Rochus, nach Tintoret, 8.

Augustus und Cleopatra zu Tische, nach Liberi, 8.

Der Genius des Franklin, ein grosses Blatt, im ersten Drucke vor der Schrift,

Die Empfängniss Mariä, nach Tintoret, 8.

Zwei männliche Figuren, nach Carracci,

St. Lukas auf Wolken mit einer Tafel, nach Lanfranco, 8.

Der Engel mit Krone und Palme, nach S. Ricci.

Die Jünger am Grabe Christi, nach demselben, 8.

Der hl. Hieronymus, nach J. Lys, 8.

Die Einsetzung des Abendmahls, nach S. Ricci, 8.

Die Jünger in Emaus, nach demselben, 8.

Die Beschneidung, zwei verschiedene Darstellungen nach Ricci und Tiepolo, 8.

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