Forbin, Louis Nicolaus-Philipp August, Graf von, Historienmaler, der schon lange als Schriftsteller und Künstler bekannt ist. Er wurde 1770 zu Roque im Departement der Rhönemündung geboren, aber zu einer für seine Familie verhängnissvollen Zeit: Als Knabe sah er zu Lyon seinen Vater und Oheim um- kommen, und er selbst war jetzt hilfsloser Flüchtling.
Doch fand er bei dem berühmten de Boissieux Zuflucht, und diesem Künstler verdankt Graf Forbin auch die erste Anleitung zur Kunst; Später fand er auf einem Zuge des gegen Nizza und Tou- lon bestimmten Nationalgarde-Bataillons in letzter Stadt den be- rühmten Maler Granet, mit welchem er innige Freundschaft schloss. Nach beendigtem Feldzuge begab er sich nach Paris , wo er in David’s Schule mit angestrengtem Fleisse arbeitete, bis ihn die Kriegspflichtigkeit zum Zweiten Male in das Feld rief.
Nach erhaltenem Abschiede ging er nach Italien , und hier blieb er bis zur Kaiserkrönung Napoleon’s. Kurze Zeit darauf trat er wieder in Kriegsdienste, machte die Feldzüge in Deutschland , Por- tugal und Spanien mit, nahm aber nach dem Wiener Frieden den Abschied, und kehrte nach Rom zurück. In dieser Stadt lebte er bis 1814 eifrig der Kunst, bis er nach Wiederherstellung des Kö- nigthums Paris besuchte. Hier wurde er kurze Zeit darauf Mit- glied der Akademie und General-Inspector über die königlichen Kunstsammlungen. Sein erstes Geschäft war die Ordnung des von fremden Kunstschätzen jetzt entblößten Museums; oder, wie Gabet sagt: «récupérer les désastres de nos galeries dévastées par les armes étrangères». Später wurde er General-Direktor der k. Museen an Denon’s Stelle, und diese Stelle bekleidet Graf Forbin noch.
Im Jahre 1817 bereiste der Künstler Griechenland, Syrien und Aegypten, wo er überall die Überreste des Alterthums untersuchte, und zeichnete. Die Frucht dieser Reise ist die Voyage, dans le Jevant en 1817 et 1818. Paris 1819, gr. fol. Dieses präzise Werk hat 80 lithogr. Blätter, 200 Fr. im Subscriptionspreis, der Text findet sich einzeln. In Prag erschien 1823 ein Nachdruck mit Aqua- tintastichen von Döbler. Er machte auch eine Reise nach Sicilien, und das Resultat derselben sind die Souvenirs de la Sicilie, Paris 1825, gr. 8. mit einer Abbildung.
Nach seinen Zeichnungen wurden auch die Vues de l'île d'Elbe gestochen.
Ein anderes seiner schriftstellerischen Werke führt den Titel:
„Paris, 1825, fol.“ und „Charles Barimore“, ein Roman.
Forest, Johann Baptist.
„Un mois à Venise“, ein recueil de vues pittoresques mit 15 lithographischen Blättern.
Unter seinen Gemälden haben ihm besonders folgende Ruhm erworben:
Die Einnahme, der Alhambra, der Tod des Königs Andreas von Ungarn, das Innere des Klosters von Alcobassa in Portugal, mit der Staffage des Don Pedro und der Inez de Castro, nach ihrem Tod bekränzt. Im Jahre 1817 malte er in Valladolid die Nonne im Gewölbe der Inquisition. Dieses von Reynolds trefflich gestochene Bild ist großartig in der Architektur, getreu im Costume und von schöner kühner Zeichnung. Es ruft uns mit Schauder jenes furchtbare Tribunal ins Gedächtnis. Das Original kam in die Sammlung des Herzogs von Berry, und jetzt ist es im k. Museum. Dieses Bild, so wie sein „Tod des Plinius beim Ausbruch des Vesuvs“, jetzt im Luxembourg, und die Nonne machten den Künstler besonders berühmt. Keine vorzügliche Erwähnung verdienen auch seine Darstellungen der Ruinen von Oberägypten und Palmyra.
Seine Werke sind zahlreich, Historien, Landschaften und Interieurs. Er liebt besonders stark dramatische Szenen, die er im Stil der modernen französischen Schule darstellt. Er besitzt Geschmack in Wahl der Momente, die er in angreifender Wirkung gibt. Dazu kommt noch ein großer Farbenzauber und glänzende Wiederscheine, die neben der ungemeinen Leichtigkeit der Ausführung und künstlichen Behandlung das Auge fesseln. Die Zeichnung der Figuren ist oft nicht sehr korrekt und studiert, und in den affektierten Stellungen finden die Franzosen Grazie. Keine bedeutende Anzahl von Gemälden Forbin’s beschreibt Gabet im Dictionnaire des artistes de l’ecole du dixième siècle, und sie zeugen von dem großen Fleisse dieses Künstlers, der auch auf anderweitige Weise verschiedentlich betätiget war.
Er hatte die Oberaufsicht über die Kunstschätze der Departementsmuseen und gründete das National-Museum, oder die Galerie von Werken lebender Künstler im Luxembourg. Unter seiner Leitung wurden auch das Museum Karl X. eingerichtet, die Galerie zu Versailles etc.
Graf Forbin ist Mitglied des Instituts, Commander der Ehrenlegion, Ritter des Ludwigs- und Maltzeserordens.
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