Fontana, Domenico, Architekt; geb. zu Milian am Comersee 1543, gest. zu Neapel 1607. Er kam im zwanzigsten Jahre nach Rom , wo sein älterer Bruder Johann bereits die Architektur studierte. Auch er studierte jetzt mit Eifer die antike und moderne Baukunst, und besonders die Werke Michel Angelos. Er zog bald die Augen des Cardinals Montalto auf sich, und dieser ernannte ihn nach seiner päpstlichen Thronbesteigung zu seinem Architekten. Montalto, nachher Sixtus V., übertrug ihm den Bau der Kapelle in St. Maria Maggiore, die unter dem Namen del Presepio bekannt ist; mit einer schönen und reichen Kuppel, die in Rom Celebrität erlangte. Um dieselbe Zeit übertrug ihm der Cardinal auch den Bau der erwähnten Kirche gelegenen Palastes, welcher nachher den Namen der Villa Negroni erhielt, doch bald wären die Unternehmungen ins Stocken gerathen. Der Papst Gregor XIII. zögerte, in der alleinigen Erkenntnis, dass Montalto reich sei, diesem seine Pensionen einzustellen. Nun fehlten die Mittel, zur weiteren Fortsetzung des Baues, aber Fontana selbst brachte sein Ersparniss von tausend römischen Thaler nach Rom und mit dieser mässigen Summe vollendete er die Capelle del Presepio. Diese Freigebigkeit legte den Grund zu seinem Glücke. Bald darauf wurde Montalto Papst und Fontana sein Architekt . Nun wurde die Kapelle, ausgeziert und die Villa mit der Gartenanlage vollendet. Jetzt fasste Sixtus V. den Plan, die Monumente des alten Roms herzustellen, und das erste war die Aufstellung des Obelisken, der jetzt eine majestätische Zierde des rachtvollen St. Petersplatzes ist. Ehemals stand er im Circus des g7eto und es war daher keine geringe Aufgabe, eine Last von einer Million Pfunden zu heben. Der Papst rief Mathematiker und Ingenieure zusammen und mehr als fünf hundert Projekte liefen ein, theils in Zeichnung, theils in Modell. Unter der Zahl der Concurrenten war auch Fontana, und er zeigte dem Papste ein Modell vor, das nach geringer Diskussion als das tauglichste er- kannt wurde, und dieses wird noch aufbewahrt. Die Arbeit begann den 30. April 1586 und der kühne Architekt setzte den Co- lossus an die Stelle, wo er sich jetzt befindet.
Der Papst war entzückt und er belohnte seinen Günstling königlich. Er ernannte ihn zum Ritter und ließ seinen Namen dem Fussgestelle des Obelisken eingraben. Auch zwei Schaumünzen wurden zum Andenken des bewunderten Mannes geprägt.
Die näheren Angaben der Aufrichtung des Obelisken S. neueste Beschreibung von Mommsen von Bunsen, Platner etc. II 1. S. 1?.
Hierauf wurde ihm die Arbeit des Lateran übertragen, und sein Werk ist der neue lateranische Palast, die Fassade vor dem hinteren Eingange der lateranischen Kirche gegen S. Maria Maggiore. Dieser erwähnte Palast ist seit 1752 ein weibliches Waisenhaus. Sixtus verwendete seinen Architekten auch beim Bau der vatikani- schen Bibliothek, und auch am Baue des Quirinals hatte er Antheil. Von ihm rührt der Theil am Monte Cavallo her, und ihm gebührt auch die Erweiterung des Platzes, wo er ebenfalls die berühmten Colosse aufstellte. Er restaurirte auch die Säulen des
Digitized by (Ä()(\E{[C
Trajan und des Antonin, und überdies führte er unter dem Pontificate Sixtus V. noch viele andere Unternehmungen aus.
Nach dem Tode des Papstes trübte sich sein Glücksstern; man beschuldigte ihn bei Clemens VIII. einer ungetreuen Rechnung, weshalb er seiner Stelle enthoben wurde. Jetzt verließ er mit Unmut Rom, und trat in die Dienste des Königs von Neapel, der ihn zum königl. Baumeister und 1502 zum ärztl. Ingenieur ernannte. Auch hier erwarb er sich durch hydraulische und architektonische Unternehmungen Ruhm. Sein größtes Werk ist hier der königliche Palast, eine imposante Masse von drei Stockwerken. Die nach dorischer, ionischer und korinthischer Ordnung verzierte Fassade ist 500 neapolitanische Palmen lang, und die Höhe des Gebäudes beträgt 110. Er fertigte auch die Zeichnungen zu den Monumenten Karl I., Karl Martels und seiner Gattin. In der Kathedrale zu Amalfi und Salerno sind viele Altäre nach seinen Entwürfen erbaut.
Die Bauwerke dieses Künstlers zeigen gute Anlage des Ganzen, haben aber gewöhnlich die plumpen und überladenen Fensterbekleidungen, die durch San Gallo und Michelangelo in die Architektur eingeführt wurden. Auch blieb er keiner architektonischen Ordnung ganz getreu. Doch ist ihm Großartigkeit nicht abzusprechen und er verdient immer eine Stelle unter den berühmtesten neueren Baumeistern.
Fontana starb in Neapel reich und geachtet, und in einer Kapelle der St. Anna-Kirche liegt er begraben. Sein Sohn Cäsar errichtete ihm daselbst ein Mausoleum.
Mehrere seiner Werke sind durch Kupferstich bekannt.
Vorsicht
Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.
Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.
Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_WYPrAAAAMAAJ