Fleischmann, Friedrich, I 371
bemüht war. Gegen das Ende dieser Periode benützte ihn der Buch- und Kunsthändler Dr. Campe zu lithographischen Arbeiten und als diese im Jahr 1808 aufhörten, übertrug ihm derselbe andere Gegenstände und ermunterte sein Talent durch Beschäftigung. Nach einer 1800 als Portraitmaler unternommenen Reise kehrte er wieder nach der Vaterstadt zurück, wo er nunmehr eine grosse Anzahl von Blättern, Miniatur- und Schlachtbilder, Kupfer zu, Jugendschriften u. a., mit Fleiss und Geist zeichnete. Später arbeitete er vorzüglich in der Punktiermanier , verbunden mit der Linien- manier, und lieferte in derselben nach und nach eine grosse An- zahl von Portraiten, wobei er eine angeborene Gabe, ausgezeichnete Physiognomien auf den ersten Blick aufzufassen und später, oft auch nachher, aus dem Gedächtniss noch auf’s Papier hinzuwerfen, bewies, /
Im Jahre 1814 nahm ihn Dr. Campe mit auf einer Reise nach Holland und England , wo er aus der Bekanntschaft mit ausge- zeichneten Künstlern grossen Vorteil zog und Gelegenheit fand, die ausgezeichnetsten Helden und Heerführer der damals dort ver- einigten Armeen zu zeichnen, deren Portraite nachher von ihm in punktierter Manier gestochen wurden, die ihm einen achtbaren Na- men und Beschäftigung mit Portraiten, Vignetten, Bildern zu Al- manachen, z. B. zum Frauentaschenbuch, Cornelia u. s. w. erwarben. /
Seine Blätter belaufen sich wohl auf 1 und darunter sind manche kleinere Einfälle, Vignetten und scherzhafte Scenen durch Geist, wahren Humor, Leichtigkeit und Treue ausgezeichnet. Seine punktirten Portraite sind von grosser Weichheit, Zartheit und Voll- kundung; das grösste Blatt, das er in dieser Manier arbeitete, ist der Kreuztragende Christus. /
Fleischmann war der erste, der sich unter Nürnberg’s Künstlern im Stahlstich mit viellem Glücke versuchte, so wie er sich auch zu- erst einer Liniermaschine zur Fertigung der Hintergrunde bediente. Als Maler lieferte er Portraite in Öl, Miniatur und Aquarell, ver- suchte sich in der Glas- Transparent- und Theatermalerei und er- riff mit Geist und Gewandtheit die verschiedenartigsten Behand- ungsmanieren, /
In letzter Zeit wählte der Künstler München zu seinem Aufent- halte, weil seine humoristische Darstellung des steinernen Ochsen an der Fleischbrücke, von welchem ein Stein herabstürzte, wegen der Unterschrift: „Einfall des Zuschauers an der Pegnitz“, vom Verfasser des damals unter diesem Namen in Nürnberg herausge- gebenen Blattes mit den bittersten Schimpfreden erwidert wurde und eine solche Erbitterung erregte, welche die Zerstörung der Wohnung des Künstlers durch Steinwürfe nach sich zog. Diese Behandlung kränkte den Edlen tief und liess einen betrübenden Eindruck in seiner Seele zurück.
Das letzte Werk des Künstlers, das er jedoch nicht mehr voll- enden konnte, ist eine längst begonnene Zeichnung des v. Holz- schuherischen Portraites nach Albrecht Dürer, das er zu stechen beabsichtigte. Ueberhaupt beschäftigte ihn in der letzten Zeit sei- nes Lebens die Idee zu grossen Unternehmungen, namentlich im Stahlstiche, da er bereits auf das Gelingen der Ausführung von Stahlplatten in jeder Grösse rechnen zu dürfen glaubte. Der Ne- krolog befindet sich in der Beilage des Correspondenten von und für Deutschland 1835, Nro. 13.
Unter den Blättern dieses Künstlers verdienen noch eine beson- dere Erwähnung: /
‚Kcce homo, nach einem Gemälde aus Leonardo da Vinci’s Schule, ein vortreffliches Werk in grösserem Formate, 1825.
In seinem kreuztragenden Christus, angeblich nach Leonardo da Vinci, ist der Ton des Gemäldes mit bewunderungswürdiger Treue wiedergegeben, und der Geist des Originals mit Genialität aufge- fasst, 1825.
Der Fürst Blücher, der Graf Gneisenau, grosse schöne Bild- nisse , 1814. ..
Ein treffliches Bild van Dyck’s, vor Kind’s Schauspielen.
Das Portrait der Mme., Catalani, nach Fleischmann’s eigenem Mi- niaturgemälde , 1821. / Die Bildnisse des Königs und der Königin von Bayern, 1826.
Die vier Apostel von Dürer (nach N. Vischer’s Copien). . ,
Das Bildniss Dürer’s , nach der Copie des in München befindli- chen Bildes,
Christus am Kreuze nach Dürer, aus der Campe’schen Samm- Jung, im deutschen Unterhaltungsblatte 1816. In den ersten, sehr seltenen, Abdrücken hat die rechte Hand des Gekreuzigten sechs Finger. Der Künstler verbesserte bald den Fehler, daher die Sel- tenheit,
Sehr schön und zart sind die Portraite in Neudorffer’s Nachrich- ten von Nürnberger Künstlern, die Campe 1828 herausgab, so wie das Portrait Dürer’s an der Spitze von den Reliquien A. Dürers, von demselben, u. s. w.
Fleischmann’ hinterliess auch einen Sohn, der zu München die Kupferstechkunst und den Stalılstich übt.
Vorsicht
Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.
Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.
Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_WYPrAAAAMAAJ