Flaxman, John, berühmter Bildhauer, stammte aus einer reichen und angesehenen Familie, in Buckinghamshire und wurde 1755 in York geboren. Sein Vater, John Flaxman, war Bildhauer und arbeitete viele Jahre in den Werkstätten von Flambelau und Scheemaker; später beschäftigte er sich mit dem Verkauf von Gipsen nach Antiken. Die Sammlung von Abgüssen nach klassischen Arbeiten in dem Laden seines Vaters blieb ihm eine mächtige Inspiration für den lebendigen Geist des jungen Flaxman. Er bossierte mit viel Eifer und Geschick und fand bei den Besuchern des Ladens vielfache Aufmunterung. In seinem 15. Jahre trat er als Zögling in die k. Akademie, und setzte seine Studien mit unermüdlichem Fleiß fort. In der Werkstätte eines Meisters hatte er nie gearbeitet, indessen hat der Bildhauer Banks frühzeitig einen bedeutenden Einfluss auf seine technische Bildung gehabt, und auch die trefflichen Künstler Georg Cumberland, Sharp, Blake und besonders Stothart, deren Gesellschaft er häufig die Abende mit Zeichnen hinbrachte, hatten vortheilhaft auf ihn gewirkt. Bei allem seinem Fleisse konnte er es doch nicht erreichen, dass ihm im Jahre, in welchem er der Akademie angehörte, die Goldene Medaille zu Theil worden wäre. Er vergoss die bittersten Tränen, als J. Reynolds ankündigte, dass er dieselbe Engleheart zuerkennen würde. Indessen erregte dieses Fehlverhalten seinen ganzen Ehrgeiz, statt seinen Muth niederzuschlagen. Er verließ die Akademie und mietete sich eine Wohnung, wo er sich mit Modelieren im Ton und Wachs beschäftigte. Unter seinen frühesten Arbeiten kennt man mit Ausnahme der Wachsprofile einer Ariadne und des capitolinischen Antinous’ Köpfes. Im Jahre 1782 heiratete er Miss Anna Denman, ein liebenswürdiges und gebildetes Weib, die in der französischen und italienischen Literatur sehr bewandert war, weshalb sie ihren Gatten nach Italien begleitete, wosie an seinen Studien teilnahm. Diese Reise trat Flaxman 1787 an und verweilte 7 Jahre dort. Zu Rom wohnte er in der via Felice und seine Arbeiten wurden bald ein Gegenstand allgemeiner Bewunderung. Der Graf von Bristol vermochte ihn, seine Gruppe, die Wuth des Athamas aus Ovids Metamorphosen darstellend, und aus vier Figuren über Lebensgrösse bestehend, ihn Marmor auszuführen. Diese Gruppe ist jetzt zu Ickworth, dem Sitze des Marquis von Bristol, in Suffolk. Für diese Gruppe erhielt Flaxman 6500 P. St. Bald darauf fertigte er, im Auftrage von Hare Naylor, seine bekannten Zeichnungen aus Homer. Naylor zahlte nur eine Guince für das Blatt; indessen brachten ihm diese Zeichnungen viele Vortheile. Thomas Hope, für den er eine Armbrustgruppe „Amor und Psyche“ gefertigt hatte, bestellte in gleicher Art ausgeführte Umrisse aus Dante und die Gräfin Specker eine Reihe Zeichnungen aus Aeschylus. Diese sämtlichen Blätter stach Thomas Piroli und verbreitete sie. Man weiß, welchen Beifall sie in ganz Europa fanden. Anfangs soll Flaxman, nach den Aussagen eines glaubwürdigen Mannes, der ihm zu Rom oft sagte, seine Zeichnungen ganz nach griechischen Vasengemälden gearbeitet und lange angestanden haben, bis er sich von diesem Vorbild loslöste und seinem Talent vertrauend, frei und selbständig arbeitete. Während seines Aufenthaltes in Italien nahmen ihn die Akademien von Florenz und Ferrara zum Mitgliede auf. Im Jahre 1790 kehrte Flaxman nach England zurück und ließ sich zu London nieder. Das erste Werk nach seiner Rückkehr war das Denkmal für Lord Mansfield in der Westminster Abbey. Der sitzende Greis, die Gerechtigkeit und das Erbarmen zu seinen Seiten, der Tod im
Hintergrund bilden eine wahrhaft erhabene Gruppe; die Figur des Todes ist ganz griechisch gedacht, wenn auch die Ausführung vieles zu wünschen übrig lässt. Flaxman weihte sich von dieser Zeit an fast ununterbrochen seiner Kunst, und das Verzeichnis seiner Arbeiten wird hinreichend darthun, wie eifrig er in seinem Berufe wirkte. Einfachheit und Schönheit ist das Charakteristische seiner Hervorbringungen, unter denen man das Monument der Fa- milie Baring zu Mitheldevon, in Hampshire, und die Gruppe, Mi- chael und Satan, im Besitz des Earl von Egremont, vorzugsweise anführen muss.
Im Jahre 1790 machte Flaxman den Vorschlag, auf Greenwich eine Colossale Statue der Brittania aufzustellen. Den Brief, welchen er über diesen Gegenstand drucken liess, die Charakteri- stik des Malers Romney, mit welchem er sehr befreundet war, in Hayley’s Life of Romney und mehrere Artikel über Kunstge- genstände in Rees’s Encyclopaedia beweisen seine vielseitige Bildung, die Begeisterung für seine Kunst und sein eindringendes Studium der alten Kunst.
In den Jahrzehnten seiner Tätigkeit beschäftigte Flaxman eine Reihe von Jahren mit Zeichnungen und einem Modell zu dem Schilde des Achilles, nach der Beschreibung Homers im achtzehnten Buch der Iliade. Diese Arbeit wurde 1818 vollendet. Die Goldschmiede und Juweliere Rundell und Bridgman übertrugen diese Arbeit dem Künst- ler und zahlten ihm für Zeichnungen und Modell 620 Pf. St. Sie ließen vier Abgüsse in vergoldetem Silber machen, von denen jeder auf 2000 Pf. geschätzt wurde und welche der König, der Herzog von York, der Graf von Lansdale und der Herzog von Northum- berland erhielten. Dieser Schild hat neun Fuss im Umfang; die Wölbung beträgt sechs Zoll. Flaxman verwendete auf diese Ar- beit ungemeine Geschicklichkeit und Fleiß; er hat in dem verhält- nismäßig kleinen Raum alles das Wissen zusammengedrängt, wel- ches er sich durch das Studium der Natur, der Kunstwerke, und der Literatur der Griechen während eines langen und thätigen Le- bens erworben. Unter den auffallendsten Schönheiten dieses glän- genden Kunstwerkes nennen wir die Personification der Sonne durch das geistreiche Hochrelief, Apollo, auf seinem Wagen, dar- stellend, auf der Mitte des Schildes, so wie die Art, in welcher der Angriff der Löwen auf eine Heerde Ochsen und das Hochzeit- fest behandelt wurden. In der Darstellung kriegerischer Scenen hat Flaxman den ganzen Reichthum seines Talentes und die Genauig- keit seiner anatomischen Studien an den Tag gelegt. In dem Kampf der Löwen sind das Wilde und die Kraft dieser Thiere, die verzweifelte Anstrengung des edlen Stiers, der sich ihnen ent- reissen will, die vergeblichen Versuche der Hirten ihre eingefangenen Hunde zu fernerem Widerstande zu reizen, bewunderungs- würdig dargestellt. Gegen diese Scenen des Kampfes und des To- des bildet die Schönheit, Eleganz und Heiterkeit des Brautzuges mit allem seinem klassischen Reiz einen erfreulichen Contrast.
Siehe über diesen Schild Göthe’s Kunst und Alterthum IV, 81 — 84 und den Artikel Stothart.
Flaxman wurde 1800 Mitglied der k. Akademie und 1810 Professor der Bildhauerkunst an demselben Institute. Seine Vorlesungen waren stets zahlreich besucht und fanden ungetheilten Beifall, den sie verdienten um der Klarheit der Darstellung und ihres Gedankenreichtums willen. Im Jahre 1826 verlor er seine Gattin und fortan lebte er ziemlich abgezogen von der Welt. Grössere Gesellschaften hatten ihm nie recht zugesagt, in kleineren Kreisen war
Das Gefäße besteht aus 8 Blättern in Aquatinta;
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er heiter, voll Humör; in der vornehmen Welt, deren Ton er ganz besass, war er etwas zurückhaltend und schweigsam. Er war ein Mann von dem wohlwollendsten Gemüthe, liebevoll ge- gen alle, mit denen er zu verkehren hatte, besonders gegen seine
Hilfen und Schüler, und väterlich zärtlich gegen seine
und seiner Gattin Familie. Obgleich er keinen Anstand nahm, seinen Freunden zu gestehen, dass er im Allgemeinen die von Sweden- borg verbreiteten Lehren annehme, so hielt er sich doch der
und erklärte sich für ein Glied der Landeskirche. War ein Mann von grosser Pünktlichkeit, Redlichkeit und
der Natur aber war er äusserst stiefmütterlich; er war ein sehr kleiner, magerner und verwachsener Mann; seine Züge nichts weniger als regelmässig. Seine sterbliche Hülle wurde den 11. Dezember 1826 auf dem Kirchhofe von St. Pancraz begraben. Einen vortrefflichen Aufsatz über Flaxmanns Kunstblatt 1827 (von Schorn). Da
Die Zeichnungen zu Homer und Aeschylus erschienen zu Rom 1793. Die Platten zu Dante kaufte Thomas Hope und bewahrte sie mehrere
Jahre, worauf er sie an die Buchhandlung Longman und
Comp. abliess. Diese Handlung liess, da die Platten zur Odyssee zu Rom verloren wurden, die ganze Reihe mit einigen neuen Dar-
stellungen wieder stechen, und gab 1805 den ganzen Homer, 1816 den Dante heraus. Seine Umrisse zur Iliade und Odyssee sind
auch in Deutschland vielfach nachgestochen worden. Im Jahre 1829 erschienen die verkleinerten Umrisse zu diesem Dichterwerk,
welche sich bei Wolf’s Ausgabe des Homer finden, mit den später von
Flaxman componierten Blättern vermehrt. Im Jahre 1817 liess die benannte Buchhandlung eine Reihe von Zeichnungen zu
von Flaxman gezeichnet und von Blake gestochen, erscheinen.
Das Jahr vorher gab sie den Dante heraus. Werke der Barock-
P
- "7 Oherzigkeit, in zusammenhängenden Gruppen von Flaxman in Blei-
guss gezeichnet, hat nach seinem Tode F. K. Lewis gestochen.
Flaxman verfertigte auch fast sämmtliche Zeichnungen zu den
Sculpturen, welche das Aussen des neuen Palastes des Königs
zieren, seitdem; wenige Werke vor seinem Tode wurden sie dem
Könige vorgelegt, sie fanden Beifall und die Ausführung wurde
theils ihm, theils anderen ansgezeichneten englischen Bildhauern
unter seiner unmittelbaren Aufsicht übertragen. 100141
Ein vollständiges Verzeichnis der Arbeiten von Flaxman, welche
im Somerset House aufgestellt waren, findet sich in dem Annual Biography and Obituary, aus welchem grösstentheils Flaxmans
Kunstblatt 1831, Nro. 66, übersetzt ist, n
Seine bedeutenderen Werke sind: *75 ! '4”:") ama OE
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