Fischer, Karl von

Fischer, Karl von, geb. Baurath und Professor der Architektur an der Akademie zu München, geb. zu Mannheim 1782, gest. zu München 1820. Da er von der frühesten Jugend an einen entschiedenen Hang zu den zeichnenden Künsten zeigte, vertraute der Vater (fürstlich Bretzenheimer Hofrath) den Sohn dem churpfälzischen Oberbaudirektor Max von Verschaffelt zum Unterricht an. Unter diesem trefflichen Lehrer wurde nun die Baukunst im Allgemeinen Bestimmung für Fischer’s Leben, und der Geschmack an der reinen alterthümlichen Kunst bei ihm vorherrschend. Als Verschaffelt in die Dienste des Fürsten von Esterhazy trat, begab sich Fischer 1801 nach Wien, um an der dortigen Akademie der bildenden Künste seine theoretischen Kenntnisse in der höheren Architektur auszubilden und verweilte dort bis zum Jahre 1806. Hier war ihm sein Aufenthalt besonders vortheilhaft, weil sein früherer Lehrer Verschaffelt ihm die Leitung einiger seiner vielen Bauten anvertraute, um mit einer zweckmässigen Theorie sogleich die Ausführung zu verbinden. Das lange gefühlte Bedürfniss eines neuen größeren Schauspielhauses, wozu schon Verschaffelt ein treffliches Modell verfertigen liess, konnte unter der Regierung Carl Theodor’s nicht gehoben werden, und nur dem für alles Grosse begeisterten König Maximilian war die Realisirung dieses Wunsches vorbehalten; Schon bei seinem Aufenthalt in Wien entwarf Fischer einen

Vollständigen Entwurf zu einem neuen Theater in München. Er legte hierauf diesen Plan und einen zweiten für ein Opernhaus dem Minister Montgelas als Beweis seiner bereits erworbenen Kennt- nisse vor, und verschaffte sich dadurch den ehrenvollen Auftrag, ei- nen neuen, für die Bedürfnisse und örtlichen Verhältnisse Münchens besonders berechneten Plan zu entwerfen. Fischer vollzog diesen Auftrag zur vollkommenen Zufriedenheit. In der Zwischen- zeit seiner akademischen Laufbahn baute Fischer das Palais am Ein- gang des englischen Gartens für den damaligen Minister Abbé von Salabert.

Da Fischer’s schon bewährte Kenntnisse ihm den Ruf als öffentlichen Lehrer der Baukunst an der königl. Kunstakademie verschafft hatten, suchte er sich dazu durch zweckmäßige Reisen noch vorzüglicher auszubilden, und besuchte in den Jahren 1800 bis 1808 einen Teil Frankreichs, durchzog dann Italien und ver- weilte an allen Orten, wo Gegenstände der schönen Alterthümer oder der Blüte der neuen geregelten Baukunst seine Aufmerksam- keit fesselten, in Rom und Florenz am längsten. Auf diesen Reisen zeichnete er viele Kirchen und andere merkwürdige Gebäude, schöne alterthümliche Pfeiler, Architrave, Kapitäle etc. und die vorzüglichsten Alterthümer als malerische Ansichten aus freier Hand. Im Jahre 1809 erhielt Fischer seine Lehrstelle bei der Akademie der Künste und bildete mehrere gewandte Zöglinge für die höhere architektonische Laufbahn. Seit dem Jahre 1800 war er auch Mitglied der Baukom- mission und seine Thätigkeit in dieser Eigenschaft hatte nicht nur auf den guten Geschmack, sondern auch vorzüglich auf die Dauer- haftigkeit, Zweckmäßigkeit und gute Anordnung in bürgerlichen Bauangelegenheiten den vortheilhaftesten Einfluss. Seit dem Jahre 1810, wo mit der Errichtung der Häuser auf dem Karolinenplatz in der Maximilians-Vorstadt der Anfang gemacht wurde, baute Fischer 14 Haupt- und Nebengebäude, die sich durch Zweckmäs- sigkeit und Neuheit der Form auszeichnen. Er stellte mehrere königl. Gebäude her, baute den neuen Antiken-Saal und, was seinen Ruf für immer begründen sollte, das neue k. Hoftheater, welches 1818 zum Museum eingeweiht wurde. Die allgemeine Stimme hat sich für die Vortrefflichkeit dieses großen Bauwerkes erklärt, dagegen sich aber die Kritik erhuben. (S. Eos 1820. Kupfstich und Literaturblatt Nr. 13 ff.) Leider ist dieses Bauwerk 1823 ein Raub der Flammen geworden; ist jedoch nach demselben Plane wieder auf-

Fischer hat bei den Unternehmungen in der höheren Baukunst immer das alterthümlich Schöne zum Muster genommen, und sich überall, wo es in seiner Macht stand, beflissen, einen reinen, ein- fachen und natürlichen Baustil in Anwendung zu bringen. Mehrere seiner Gebäude in der Maximilians-Vorstadt, das ursprünglich für den Kronprinzen von Bayern erbaute Hotel, das Freiherrn von Asbeck’s, die Ruhmeshalle des Grafen von Pappenheim und des Freiherrn von Zentner sprechen; für die Mannigfaltigkeit seiner Ideen. Sein erster Bauversuch in München, das jetzige Palais des Prinzen Karl, zeugt von dem regen Streben des Künstlers, sich über die gemeine Bahn emporzuschwingen, und dem alter- thümlichen Schönen zu nähern. Man tadelt an diesem Palais den Mangel der Verhältnisse, die Grösse des Portals zu dem Um- fang des Gebäudes. Doch geht dieses nicht auf Rechnung des Ar- chitekten. Nach Fischer’s erstem Plan war das Gebäude weit um- fassender, allein Salabert fand das Hauptgebäude für seine Ver- hältnisse zu gross, und wünschte doch die Fassade beizubehalten. Der Architekt, der sich stets durch Bescheidenheit und Duldung

— Nagler’s Künstler-Lex. IV. Bd. 23

— keit auszeichnete, musste nachgeben, wenn sein Bauplan nicht ausgeführt bleiben sollte. So vortrefflich Fischer als Künstler war, ebenso liebenswürdig war er auch als Mensch und Bürger.

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