Fischer, Johann Bernhard, von Erlach, M7
„den größten Zierden Wien’s gehören, die aber oft miteinander verwechselt werden. Bernhard wurde nach einigen zu Prag, nach anderen zu Wien 1650 geboren, und, mit einer natürlichen Anlage zur Kunst begabt, machte er bald ausserordentliche Fortschritte. Hierauf ging er nach Rom , um die Denkmäler der Baukunst zu stu- dieren, folgte aber leider dem schlechten Geschmacke seiner Zeit. Er war Bernini’s Anhänger und seine Bauwerke sind Meisterwerke der Schule dieses Meisters. Allein damals gefiel jene auschweifende Manier, und Fischer fand nach seiner Rückkehr in die Heimath in kurzer Zeit volle Anerkennung. Er erhielt den Auftrag für den nachmaligen Kaiser Joseph I. einen Sommerpalast zu bauen, und so entstand 1606 die erste Grundlage des heutigen Schlosses Schön- brunn. Sie gewann den Beifall des Hofes und als Belohnung erhielt Fischer die Stelle eines ersten Architekten . Kaiser Joseph erhob ihn in den Adelstand mit dem Prädikat von Erlach. Sein Ruf war fest: begründet; er entwarf alle bedeutenden Bauwerke, da er Ober- landbaumeister war, und es fehlte ihm bis zu seinem 1724 erfolg- ten Tod nicht an Ehrenbezeugungen und Begünstigungen. Seine Bauten sind zahlreich und die meisten derselben leitete sein Sohn. Im Totaleindrucke sind sie von ausserordentlicher Wirkung und sie verkünden bei allen Unvollkommenheiten des Zeitgeschmackes ein reiches Talent, das in einer besseren Zeit Vollkommenes gelei- stet hätte.
Fischer von Erlach errichtete 1699 bei der Vermählung Joseph I. einen Triumphbogen von höchst überladener Architektur. In reinerem Style war das hölzerne Modell des Denkmals zu Ehren des heil. Joseph auf dem hohen Markte zu Wien ausgeführt. Im Jahre 1702 baute er auf dem Grunde der alten kleinen Peterskirche eine größere und diese wurde als ein Meisterwerk erster Größe bewundert. Von seiner Kunst zeugt auch der Palast des Prinzen Eugen in der Himmelpfortgasse, der jetzt in das Münzgebäude umgeändert ist, und in welchem 1711 der große Eugen den türkischen Gesandten empfing. An diese Bauwerke schließen sich mit Würde an: das Gebäude der vereinigten Hofkanzlei in der Wipplingerstrasse; das Bathyanysche Palais auf der Freyung; das vormals Trautson’sche in der Vorstadt St. Ulrich, jetzt Gebäude der ungarischen Leibgarde; die sogenannte Mehlgrube auf dem neuen Markte u. s. w. Nach seinen Entwürfen wurde wahrscheinlich auch die prachtvolle Kirche des heil. Carl Borromäus erbaut, ein Ex voto Carl VI., zur Pest- zeit, von 1716–1737 vollendet. Den Plan schreiben die meisten Schriftsteller unserem Künstler zu; Freddy aber behauptet in seiner Beschreibung von Wien, dass Dom. Martinelli den Bau nicht nur leitete, sondern auch die Zeichnung dazu entworfen habe. In- essen scheint Martinelli doch nur die Leitung des Baues gehabt zu haben, im Style aber erinnert er an Fischer’s Bauwerke. Der Gesammteindruck ist mächtig und das Frontispice von einer Opu- lenz und Überladung, welche damals als die höchste Grossartigkeit gepriesen wurde. In derselben Weise sind seine Entwürfe zur Staatskanzlei, zum Hofbibliothekgebäude, zur Reitschule und zu den kaiserlichen Stallungen ausgeführt. Die letzten misslangen ihm und darüber soll er sich zu Tode gegrämt haben. Er überlebte in- dessen die Vollendung keines der letztgenannten Gebäude; alle diese legte sein Sohn Joseph Emanuel die letzte Hand;
osser, Plan, der sich der Sage nach unter Hohenberg’s «Papieren fand, wurde verloren oder vernichtet. S. auch Aman; 4 Ausser Wien sind noch in Prag und Salzburg bemerkenswerte Gebäude dieses Künstlers. In letzterer Stadt baute er die „herrli- che Universitätskirche, die von 1606–1707 sich erhob. Sie ist in römisch-griechischem Stil errichtet. Von ihm ist auch der Plan zum Lustschloss Klessheim, übrigens kein ausgezeichnetes Gebäude. Sein Andenken verewigte auch noch eine silberne Medaille von dem berühmten Schweden Richter. Sie zeigt das Brustbild Fischer’s auf der einen und auf der anderen Seite Sinnbilder mit der Schrift: Docent et delectat MDCCXIX. S. auch den Schluss des folgenden Artikels.
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