Finiguerra, Maso

Finiguerra, Maso, ein berühmter Goldschmied und Nielleur zu Florenz. Die biographischen Nachrichten über diesen Künstler sind äußerst dürftig, und selbst mit seinem Namen hat es nicht volle Richtigkeit. Man sollte ihn eigentlich Maso, d.i. Tomaso nennen, denn der Name Finiguerra gehört seinem Vater an. Gori nennt ähnlich Thomasus Finiguerrae, Tomaso de Finiguerra, was Thomas, der Sohn des Finiguerra bedeutet, nach dem damaligen Ge- brauche.

Maso war ein guter Zeichner und auch in der Aquarellmalerei vorzüglich. Man hält ihn für Masaccio’s Schüler, bei welchem er die Zeichenkunst erlernt haben könnte, doch wendete er sich in der Folge nicht der Malerei, sondern der Goldschmiedekunst aus- schliessend zu. Er lieferte treffliche Werke in getriebener Arbeit, und besonders Ruf erlangte er im Niello . Die Niello-Arbeiten

waren damals sehr beliebt, das heisst, monochromatische Eingrä- bungen in Gold oder Silber für Kelchen, Reliquienkästen, Pazen

(Russbilder), Dolchgriffen, Säbeln und Degen, Tassen, Agraffen und Geschmeiden für Frauenzimmer. Es wurden darauf geschicht- liche Vorstellungen, Blumen, Figuren u. s. w. niellirt, oder ins Metall eingegraben, um sie mit einer rothen oder schwarzen Masse auszufüllen.

Viele Schriftsteller behaupten, dass dem Maso Finiguerra die Er- findung der Kupferstecherkunst gebühre. Die Veranlassung soll eine von Maso niellirte Pace mit der Krönung der Maria gegeben haben. Die Platte fertigte der Künstler für die Kirche St. Gio- vanni zu Florenz und im Archive der Stadt ist eine Notiz, dass sie 1452 vollendet wurde, und dass Maso 66 Goldgulden, 1 Liv. und 6 Den. dafür erhalten habe. WDieses ist das einzige authentische

Werk eines Florentiners, aber höchst merkwürdig durch die Zart- heit des Stiches, durch die Reinheit der Zeichnung, mit welcher ungefähr vierzig Figuren schön und ausdrucksvoll dargestellt sind. Gestochen ist diese Darstellung, welche 4 Zoll 9 L. hoch und 3 Zoll 2 L. breit ist, in Duchesne’s Essai sur les Nielles, Paris 1826 p. 185. Früher copirt ist dieses Niello von Pauquet in den Materiali per servire alla storia dell’ origine e del progresso del incisione in rame da P. Zani 1802, und dieses Blatt ist von J. Gerstner wieder für den dreizehnten Band des Peintre graveur von Bartsch copirt. Müret hat diese Darstellung 1820 für Denon’s Histoire de l’art lithographirt. Eine geätzte Copie von der Gegenseite hat Du- razzo von Roggerone nach dem sogenannten Schwefelabgusse fer- tigen lassen. Diese Copie kam nicht in den Handel. Hier liest man am Kleide des heiligen Ambrosius die Worte: AN-RUS, statt ANBRUS.

Das Original, welches von Silber gefertigt ist, wird in der Samm- lung des Großherzogs aufbewahrt. Es bezeugt uns die Thätigkeit des Künstlers um 1450, allein es scheint schon 1424 ein Künstler dieses Namens gestorben zu sein, wie Manni aus einem Documente beweisen will. Dieses könnte jener Maso Finiguerra seyn, der einem Briefe des B. Bandinelli an den Hausmaier des Großherzogs von Florenz zufolge (lettere pitt. I. 74), neben andern dem L. Ghiberti beim Gusse seiner Bronzethüren geholfen. Unser Künstler ist wahrscheinlich unterschieden von diesem Maso. Dem ersteren schreibt man die Entdeckung des ersten Kupferstiches, oder viel- mehr Abdrucks zu, und bei Gelegenheit der Bearbeitung seiner Pace mit der Krönung der heiligen Jungfrau. Der Künstler stellte hier oben im Halbrunde Christus auf einen Thron vor, mit einer Kopf- bedeckung, welche jener des Dogen ähnlich ist. Er drückt der Maria die Krone auf das Haupt und um beide herum sind Engel und oben halten andere Streifen, mit der Inschrift: Assumpta est Maria in celum, ave exercitus angelorum. Unten sind Heilige in symmetrischer Anordnung, zwei knien im Vorgrunde, nämlich St. Augustin und Ambros, zwei andere stehen im Mittelgrunde und rechts und links erheben sich in drei Reihen zu je drei Figuren, auf der einen Seite die heiligen Männer und auf der andern die heiligen Frauen und Jungfrauen.

Nach der Vollendung des Stiches der Platte drückte Maso selbe

in feiner Erde ab; auch konnte er einen Gypsabguss gemacht haben. Vasari schreibt von einem solchen Verfahren, aber er ist un- deutlich in der Erklärung des Verfahrens bei dem dadurch herbei- geführten Abdruck auf Papier. Nach Vasari sollte der Künstler über alle Sachen, die er in Silber stach, neben dem Abdrucke in Erde oder Gyps auch Schwefelabgüsse gemacht haben, und, was aus seinen Worten nicht deutlich hervorgeht, wahrscheinlich un- mittelbar von der Platte selbst. Diese Abgüsse soll Finiguerra mit schwarzer aus Öl bereiteter Farbe bestrichen und sie mit einer glatten Walze auf feuchtem Papier abgedruckt haben, wodurch der eingestochene Gegenstand auf demselben erschien, so wie eine Fe- derzeichnung.

Solche gebrechlichen Copien dürfte der Künstler allerdings mehrere gemacht haben, denn sie scheinen beliebt gewesen zu sein. Auch mag er den Versuch gemacht haben, sie auf Papier abzudrucken, allein die Gebrechlichkeit des Stoffes hat ihn sicher nicht zu wie- derholten Versuchen gereizt, da der Schwefelabguss während der notwendigen Pressung zerspringen musste. Dieses Widerstreben des Stoffes mag den Künstler auf den Gedanken gebracht haben, unmittelbar von der Metallplatte seinen Abdruck auf Papier zu ma-

Finiguerra, Maso.

chen, und er hat dieses auch gethan. Es findet sich nämlich ein Abdruck von der ausgeführten Platte, aber bisher nur in einem einzigen Exemplare; Schwefelabgüsse finden sich in wiederholten Exemplaren und überhaupt sind solche aus den fünfzehnten Jahr- hunderten noch mehrere auf unsere Zeit gekommen. Die Herren Woodburn in London haben sieben Stücke aus jener Zeit, und nach Niello’s in Schwefel abgedruckt.

Ähnliche Abdrücke, gewöhnlich von Gyps, werden noch heute von Kupferstechern gemacht, nachdem sie die gestochene Arbeit mit irgend einer Farbe gefüllt haben. Der Gyps oder Schwefel bietet dann nach der Trocknung oder Erkaltung von jedem auf der Platte gestochenen, feinen oder starken Strich einen Abdruck und so möchte auch die undeutliche Stelle des Vasari und jener, die ihm nachgeschrieben, zu verstehen sein. Wie es sich mit dem Abdrucke auf Papier verhalte, war dem Vasari selbst nicht klar.

Der erwähnte Abdruck auf Papier war bis 1797 unbekannt, und man zweifelte sogar, ob je einer existirt habe. Endlich gelang es in dem bezeichneten Jahre dem unermüdlichen Abbe Zani, im k. Kupferstichkabinete zu Paris einen solchen zu finden. Er ist von der Platte mit der Krönung der heil. Jungfrau gezogen, denn die Schrift: assumpta etc. erscheint verkehrt und die Schärfe der Im- pression kann unmöglich von dem Schwefelgusse herrühren. Diese Blatt, das jedoch ohne Jahrzahl ist, sollte der erste Kupfer- stich, auf Papier abgezogen, sein, und somit wurde die Erfindung den Italienern zugeeignet. Es ist jedoch nicht ausgemacht, dass dieses Blatt oder ein ähnliches von Finiguerra, der erste Abdruck einer gravirten Metallplatte auf Papier sei. Jener Periode von 1452 in Italien war schon eine frühere in Deutschland vorangegangen, wie dieses mehrere noch vorhandene Erzeugnisse dieser Art bewei- sen. Einige solcher Alterthümer sind in der k. Kupferstich-Samm- lung zu Dresden neben andern Blättern, auf welchen den Figuren aufgerollte Bänder mit Inschriften aus dem Munde gehen. Den Verfertiger kennt man nicht. Duchesne nennt ihn in der Voyage d’un Iconophile p. 188 wegen jener Zettel le maître aux bande- rolles. Die Arbeit dieser und ähnlicher Blätter zeigt eine gewisse Rohheit oder Unbeholfenheit des deutschen Künstlers. Sie erscheint nicht durch scharfe, sondern durch stumpf übereinander gelegte Striche, und der Abdruck ist durch Reibung, nicht durch Walzen oder andere Presskraft hervorgebracht. Der ganz rohe Styl der Zeichnung, der Formen und des Charakters beweisen deutlich eine frühere Periode, als die vieler Arbeiten des dem Finiguerra gleichzeitigen Meisters E. S., von welchem man sogar Abdrücke von 1465 entdeckt haben will. Vasari setzt die angebliche Entdeckung des Finiguerra um 1460 und damals mögen wohl in Italien die er- sten Versuche des Abdruckes auf Papier gemacht worden sein, aber in Deutschland geschah dieses viel früher. Maso ist daher nicht der Erfinder dieser Kunst. Zani und Bartsch wollten zwar diese Ehre den Italienern einräumen, allein wir vindiciren sie den Deutschen.

Bartsch spricht dieses im 13. B. des P. gr. p. 353 aus und p. 7 vereinigt er sich mit Lanzi zu gleicher Behauptung. Gegenbe- weise gibt der Recensent Fr. von M. Henrici’s Werkchen: Die Ku- pferstecherkunst und der Stahlstich, im Kunstblatte Nro. 50, vom Jahre 1835.

Wir haben bereits erwähnt, dass sich die niellirte Platte von Fi- niguerra’s Krönung der Mariä im Besitze des Großherzogs von Florenz befinde, aber es finden sich auch noch zwei Schwefelab- drücke von derselben. Einer kam in das Cabinet des Grafen Du-

Rezzo zu Genua, und dieser Abguss wurde von der noch unvollendeten Platte gemacht; denn es zeigen sich nur in dem oberen Theile die Kreuzstriche des Grundes. Der zweite Abdruck ist in Stowe bei dem Herzog von Buckingham, wie Duchesne lic. p. 184 benachrichtet. Der zweite Schwefelabguss gehörte ehedem dem Grafen Seratti zu Livorno. Er ging in Trümmer, wurde aber wieder gut zusammengefügt. Der Guss ist sehr schön und die Arbeit rein.

Andere Werke des Künstlers sind:

„Die Anbetung der Könige, eine figurenreiche Composition. H. 4 Z., Br. 4 Z.“

Lanzi legt dieses Stück dem Finiguerra bei, und er glaubt, dass es um zehn Jahre früher entstanden sei, als die Krönung Mariä. Abdrücke sind auf der k. Bibliothek zu Paris, im Cabinet Buckingham und im Cabinet Sykes. Dieses Exemplar wurde 1824 zu London für 52 Guineen verkauft, Duchesne l. c. p. 144 sagt, dass er 1825 beim Kupferstecher Vendramini einen vierten Abdruck gesehen habe. Dieser kaufte ihn zu Mailand und es ist derjenige, den Lanzi im Hause des Senators Martelli zu Florenz sah, Duchesne gab seiner Voyage d’un Iconophile eine Copie von Girardet bei.

Die heilige Jungfrau auf dem Throne von Engeln und Heiligen umgeben, Pace im Besitze des Erzherzogs Karl. H. 4 Z. 1 L., Br. 2 Z. 10 L.

Die Arbeit ist von sehr grosser Zartheit, die an jene der Pace von S. Giovanni in Florenz erinnert und man kann sie als Werk Finiguerra’s bezeichnen. Im Jahre 1708 besass M. Borduge dieses sehr schöne und vollkommen erhaltene Exemplar; dann bekam es Revil, hierauf Durand und aus dessen Sammlung erwarb es der Herzog Albert von Sachsen-Teschen für 3500 Fr. In Durand’s Catalog und bei Duchesne p. 151 sind Copien von diesem Werke.

Die heilige Jungfrau von Engeln und Heiligen umgeben. Die Madonna sitzt auf einem grossen Throne und zu den Seiten sind zwei grösse Engel. Unten sind Heilige, im Vorgrunde St. Magdalena auf den Knieen und links die heil. Clara. Dieses Niello ist von sehr schöner Arbeit und Finiguerra’s Werk. H. 3 Z. 6 L., Br. 2 Z. 3 L.

Die Silberplatte kam in das Cabinet Sykes zu London. Bei der Auktion dieser Sammlung wurde sie um 515 Guineen verkauft; Bei Duchesne ist eine Copie, die auf Kosten des S. Woodburn, des jetzigen (1833) Besitzers gefertigt wurde.

Die heil. Jungfrau von St. Sebastian und St. Rochus begleitet, erstere ebenfalls auf dem Throne. H. 3 Z. 4 L., Br. 2 Z. 5 L.

Die niellirte Silberplatte, angeblich von Finiguerra herrührend, eine Pace, die nicht mehr vollkommen, erhalten ist, kam in das Cabinet Malaspina. Die Zeichnung ist sehr geschmackvoll. In demselben Cabinet ist auch eine Copie in Email. Es gibt ebenfalls einen modernen Abdruck mit ähnlicher Darstellung nach einem alten Niello.

Die Taufe Christi, ein Niello, welches man dem Finiguerra zuweisen kann. Ein Abdruck ist im Cabinet Durazzo, beschrieben von Bartsch XII. 50. H. 3 Z. 2 L., Br. 2 Z. 7 L.

Allegorie auf die Liebe, eine pyramidenförmige Verzierung mit Amoren, am Rande des Bassins Kinder, welche die Füsse im Wasser haben, rechts zwei ringende Männer und links zwei Frauen in derselben Stellung. H. 2 Z. 6 L., Br. 2 Z.

Dieses sehr schöne Niello kam aus Florenz in das Cabinet Malaspina.

Ein geflügeltes Weib auf dem Throne, wie sie die Flüssigkeit

Einige der Gefäss-Platten, die in das andere bringt. Diese schöne Silber-
platte kann man für Finiguerra’s Werk ansehen. Sie kam
ins Cabinet Sykes. Durchmesser 1 Z. 5 L, D

Es existieren noch 24 Blätter, welche einige dem Finiguerra zu-
schreiben, während Baldinucci und andere sie als Werke unbekannter italienischer Meister bezeichnen. Sie sind bei Bartsch
XII 142 beschrieben und auch Duchesne erwähnt sie, aber
er hält sie nicht für Maso’s Arbeit. Dieser Schriftsteller nennt sie
Arbeiten des B. Baldini, legt ihnen aber als Seltenheit den größten Werth bei.

Die Arbeit soll nicht der Art angehören, welche zum Niello’ ge-
braucht wurde und vermutlich durften diese runden Platten als
Boden oder auch als Deckel zu Gefässen oder Untersatzschalen ge-
braucht worden sein. Dieser Gebrauch kommt im Mittelalter oft
vor und auch noch im 17. Jahrhunderte. Die erwähnten Blätter
stellen mythologische Figuren, Blumen und Blätter, Landschaften,
moderne Figuren etc. vor.

Gegenwärtig befinden sie sich in der Sammlung des General-
Consuls Claus zu Leipzig. Ehedem wurden sie im Cabinet des
Hrn. Otto aufbewahrt. Zu jener Zeit gab Heinecke und hernach
Huber Nachrichten von ihnen. Bartsch gibt seine Beschreibung
nach Heinecke’s neuen Nachrichten von Künstlern und Künstlern S. 282, er glaubt aber nicht, dass sie von Maso Finiguerra
herrühren. Er legt sie einem Unbekannten bei, der jene Tarock-
karte verfertigte, die man öfter Gioco di Mantegna nennt. Hei-
necke erklärt sie als Werk des Finiguerra.

Vasari erwähnt noch eines Blattes, welches mit dem Buchstaben
F bezeichnet ist. Es stellt einen vor einem Steine sitzenden alten
Mann vor, der mit einem Grabstichel auf einer kleinen runden
Scheibe arbeitet. Vor ihm steht der nackte Herkules mit einer
Scherbe auf der Schulter, worauf eine flache Landschaft abgebil-
det ist. Vasari hält dieses Blatt für Finiguerra’s Originalwerk.
Struth hat ein solches altes Stück in seinem Biographical dictionary
of Engravers genau copiren lassen und zwar aus dem Cabinet
Monro,

Kaufmann, Conrad, Architekt von Konstanz am Bodensee. Er arbeitete
anfangs als Maurergeselle, und als Obergeselle arbeitete er auf Be-
fehl des Fürstbischofs F. K. von Schönborn an den nach Neumann’s
Plan errichteten Glashäusern und Stallgebäuden im fürstlichen
Schlosse Secehof, und zwar mit solcher Zufriedenheit, dass ihn der
Bischof zum Maurermeister beförderte. Nach dem Tode desselben
ernannte ihn der Fürstbischof von Bamberg, Adam Friedrich von
Seinsheim, zum Hofmaurermeister, und in dieser Eigenschaft er-
baute er den Erbacherhof, die ehemalige Probstei, jetzt Irrenhaus,
die Kanzlei des Klosters Michelsberg, und zuletzt sollte er im al-
ten Burgershofe ein Universitäts-Gebäude errichten, allein es wurde
nur ein kleiner Teil dieser großen Idee ausgeführt. Der Künstler starb 1782, er konnte aber nicht 1644 geboren sein, wie Jäck
im Pantheon der Literaten und Künstler Bambergs sagt.

Vorsicht

Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.

Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.

Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_WYPrAAAAMAAJ