Fesele, Melchior

Fesele, Melchior, ein bayrischer Maler und rühmlicher Zeitgenosse des Albrecht Altdorfer. Seine Lebensverhältnisse sind unbe-

kannt, obgleich er der oberdeutschen Kunst Ehre macht, und von Mannlich stellt in seiner Beschreibung der churpfälzischen Gemäldesammlung 1805 nur seine Unkunde dar, wenn er sagt, dass der um arbeitende unbekannte Maler Martin Fesele ei- nen Begriff von dem gebe, was die Kunst in ihrer Kindheit ohne Hülfsmittel und gründlichen Unterricht seyn konnte. Zu jener Zeit lag die Kunst in Deutschland keineswegs in ihrer Kindheit, sie hatte vielmehr eine hohe, eigenthümliche Stufe erreicht. Siehe Dr. Kugler’s Skizze, Albrecht Dürer, seine Vorgänger und Nach-

folger in dessen Museum von 1836. Mannlich nennt ihn Martin, dieses that, wahrscheinlich auf dessen Autorität, auch Lipowsky im bayrischen Künstler-Lexicon, und beiden folgt Fiorillo in der Geschichte der zeichnenden Künste in Deutschland. Dieser Künst- ler hiess Melchior, wie aus der Inschrift seines Grabsteines in der Franziscaner-Kirche zu Ingolstadt erhellet. Auf diese Inschrift machte der geistliche Rath und Professor Meilinger in München aufmerksam, und daher findet man in der neuen Auflage des Ver- zeichnisses der königl. Gallerie zu München von 1829 den Tauf- namen Martin in Melchior abgeändert. MDieses hat auch Brulliot in der neuen Auflage des Dict. des monogr. I. 1902 gethan, und da, so wie in den bayrischen Annalen 1833 S. 131, in Meilinger’s Bericht über diesen Künstler, ist die Grabschrift abgedruckt. Sie- lautet: Anno 1538 den 10ten Tag Aprilis starb der Erber und kunstreich Meister, Melcher Feselen Mahler. Dem Got Gnad. Das Alter dieses Künstlers ist nicht angegeben, und auch seinen Geburtsort kennen wir nicht, doch wissen wir mit Sicherheit das Sterbjahr, und Lipowsky’s Angabe, dass der Künstler um 1550 gearbeitet habe, wollen wir als Druckfehler erklären.

Die königl. bayrischen Sammlungen bewahren Gemälde von der Hand dieses Künstlers, unter denen die Belagerung der Stadt Rom unter Porsena, in der königl. Gallerie zu München, das bedeu- tendste ist. Auf demselben Bilde ist auch die Clelia vorgestellt, wie sie mit ihrem Gefolge nach der Rettung aus dem Lager vor dem römischen Consul erscheint, und es sind daher die Angaben Fiorillo’s und Lipowsky’s zu berichtigen, da letzterer aus einem Gemälde zwei macht. Dieses Gemälde trägt das Monogramm des Künstlers und die Jahrzahl 1529, die wir auch auf dem berühmten Bilde Altdorfer’s lesen, welches den Sieg Alexander’s über Darius vorstellt, und dadurch angeregt, malte Fesele vermuthlich sein Gemälde. Wir finden darin denselben Reichthum, und ebenso fein und geschmackvoll behandelte Gestalten, wie in Altdorfer’s Meisterwerk. Nur dem poetischen Schwunge seines Vorbildes konnte Fesele nicht folgen.

Der geistliche Rath Meilinger in München besitzt eine merk- würdige altdeutsche Originalzeichnung, welche denselben Gegen- stand darstellt, nur weicht sie von dem Bilde in der Composition ab. Die Umrisse sind mit der Feder gezeichnet und die Schatten mit Tusch angegeben. Der Reichthum der Figuren ist unermess- lich, die Köpfe sind charakteristisch und bedeutungsvoll, und die Gestalten anatomisch richtig bezeichnet. Auch von der Luftper- spektive ist ein verständiger Gebrauch gemacht. Der Name oder das Monogramm des Künstlers findet sich auf diesem Folioblatte nicht, sie gehört aber nach dem Urtheile von Kennern in Geist und Styl dem Fesele an.

In der königl. Gallerie zu Schleissheim ist von ihm ebenfalls ein grosses Bild mit der Eroberung der Stadt Alesia oder Alexia durch Cäsar in Gallia Lugdunensi, mit der Aufschrift:

Fessard, Etienne. 303 A „Quanta strage virum sublimis Alexia cessit“? „Caesaris aquilis picta tabella notat.“

Diese beiden Bilder wurden unter Napoleon nach Paris gebracht, im Jahre 1815 aber wieder reclamirt. In Paris sah F. v. Schlegel das letztere, und er erwähnt es in seiner Europa 1803 II, 114.

Im königl. Bildersaal der St. Morizkapelle zu Nürnberg ist von seiner Hand die „Oferunp“ der drei Weisen, aber hier sind die Formen plump und gemein, in der Carnation ohne Verdienst, und auch die Farbe ist ohne Wirkung.

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