Falcone, Aniello (Angelo)

Falcone, Aniello (Angelo), Maler und Kupferstecher , geb. zu Neapel 1600, gest. daselbst 1665. Er genoss eine Zeitlang den Unterricht Spagnoletto’s, besuchte fleißig die Akademie des Nackten und eröffnete selbst in der Folge in seinem eigenen Hause eine solche, die vielen Zulauf erhielt. Da er einen streitsüchtigen und wunderlichen Charakter besaß, so mischte er sich öfter in Händel und gefährliche Zwistigkeiten, vorzüglich mit den spanischen Soldaten. Als die bekannte Revolution durch Masaniello ausbrach, sah er diese als eine gute Gelegenheit an, sich wegen erlittener Beleidigungen zu rächen, und fiel auf den Gedanken, aus seinen Schülern, Freunden und Verwandten einen geschlossenen Haufen zu bilden, verbunden, jeden Spanier zu ermorden. Da seine Schüler alle Jünglinge waren, nahmen sie ohne Bedenken Teil daran, zogen noch mehrere andere Maler an sich und vereinigten sich unter Falcone’s Anführung unter dem furchtbaren Namen der Todesgefährten (compagnia della morte). Bei Tage streiften sie durch die Stadt und stachen jeden Spanier, der in ihre Hände fiel, nieder; Abends beschäftigten sie sich bei Fackelschein wetteifernd Masaniello’s Bild zu malen. Daher haben sich auch in den wenigen Tagen, wo derselbe an der Spitze des neapolitanischen Volkes stand, seine Bildnisse ungemein vermehrt, und sie sind von den besten Künstlern gemalt worden. An diesen Gräueln nahm auch der wilde Spagnolet indirekten Anteil, denn er redete dem Todesverein beim Herzoge das Wort. Endlich wurde der Aufruhr gedämpft, und auch diese Hoarde zerstreut. Falcone floh nach Frankreich, wo er vieles malte, und seine übrigen Genossen gingen nach Rom. In Falcone’s Gemälden, so wie in denen seiner Schüler, sind überhaupt kriegerische Gegenstände behandelt; er erwarb sich sogar den Namen eines Orakels der Schlachten (oracolo delle battaglie), und Bourguignon, ohne Zweifel einer der größten Schlachtenmaler neuerer Zeit, d. h. der Zeit, seitdem die Wirkung des Feuerwerks geschildert werden muss, wollte zwei seiner Gemälde mit zweien des Falcone vertauschen. Seine Bilder sind selten und vom hohen Werthe. Es herrscht in ihnen ungeheure Lebendigkeit, Mannigfaltigkeit der Physiognomien, der Waffen und Bekleidung. Er ist ein guter Zeichner, überall wahr und fleißig, und trefflich in der Färbung.

Aus Spagnoletto’s Schule ging neben Falcone auch Salvator Rosa hervor, und diese beiden sind ihre grösste Zierde, obgleich sich beide weiter selbst ausbildeten. Carl Coppola könnte manchmal mit Aniello im Style verwechselt werden, nur unterscheidet er sich

Falcone, Aniello (Angelo.)

durch eine größere Fülle, womit er Schlachtpferde malte. Andrea di Leone gleicht ihm, aber man erkennt bei diesem Meister die peinliche Nachahmung.

Bartsch P. gr. XX. 05 #. beschreibt von Aniello Falcone 20 Blätter, und darunter sind drei, welche mit Ang. Falco, bezeichnet sind. Dieser Falco ist ganz unbekannt, und Bartsch glaubt daher mit vieler Wahrscheinlichkeit, dass der Name aus Falcone abgekürzt ist. Es gibt aber auch einen Giovanni Angelo Falcone, nach Soprani ein berühmter lombardischer Architekt, der zu Genua arbeitete, und daselbst 1657 an der Pest starb. Dieser Falcone könnte ebenfalls der Verfertiger dieser Blätter sein, doch glaubt sie Bartsch eher dem Neapolitaner zuschreiben zu müssen; obgleich sie gerade nicht an die Ideen eines Schlachtenmalers erinnern. Indessen war Aniello’s Talent vielseitig.

Die Blätter dieses Künstlers sind selten, aber trefflich. Sie verrathen eine lebhafte Einbildungskraft, eine sichere und verständige Zeichnung, eine leichte Nadel, die oft geistreich zu nennen ist.

Die vier Apostel, in einer Folge von 4 Bl., welche St. Jakob major und minor, St. Johann den Evangelisten und St. Matthias vorstellen. H. 4 Z., Br. 2 Z. 6—7 L.

Bartsch scheint es wahrscheinlich, dass Falcone alle 12 Apostel stochen habe. E

Zwei andere Apostel, jeder auf einem Blatte. Der eine im Mantel geht nach links, hat aber den Kopf nach rechts gewendet. Die Zeichnung zu diesem Stiche schreibt man dem Parmesano zu. Der andere Apostel, ebenfalls nach links gehend, hat ein rosses Buch unter dem linken Arme. Die Zeichnung wird ebenso dem Parmesano zugeschrieben. H. 4 Z. 4 L., Br. 3 Z. 1 L.

Die heil. Jungfrau mit dem Kinde, welches die Hände gezeigt Johannes ausstreckt, der ihm Früchte reicht, Vorn kniet Elisabeth. H. 7 Z. 8 L., Br. 5 Z. 8 L.

Dieses Blatt hat unten in der Mitte ein Zeichen, welches A. Falcone bezeichnen dürfte. Der Künstler scheint es nach der gleichen nur größeren Darstellung des M. del Moro gefertigt zu haben.

Ein stehendes Mädchen mit dem Arme am Rücken und mit gekreuzten Beinen. H. 4 Z., Br. 1 Z. 7 L.

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