Euphranor, berühmter Maler

Euphranor, berühmter Maler, Bildhauer , Erzgiesser und Toreut, wurde auf dem Isthmus von Corinth geboren, und zwar zu ei- ner Zeit, in welcher sich zu Athen und in der Umgegend eine neue nachweisbare Succession zusammenhängender Kunstschulen er- hebt. Euphranor und Lysippos setzten die Schule des Polyclet, die Argivisch - Sicyonische, fort, deren Augenmerk immer mehr auf körperliche Wohlgestalt und die Darstellung athletischer und he- roischer Kraft gerichtet gewesen war. Als Maler nennt ihn Pli- nius XXXV. 40. 25 denjenigen, qui primus videtur expressisse di- gnitates heroum, so wie er denn überhaupt in Helden und Göttern ausgezeichnet war. Euphranor stellte, wie Parrhasius, canonische Bildungen auf, und schrieb ein Werk über die Proportion, das

  • noch zu Plinius Zeiten vorhanden war. Er entfernte sich von dem Untersetzten des Polyclet, indem er in Rücksicht der Verhältnisse die Körper schlanker, die Köpfe und Gelenke aber etwas stärker hielt. Das System schlankerer Proportionen wurde indessen erst von Lysippus harmonisch durchgeführt und hernach in der grie- chen Kunst vorherrschend. Ausser dem Werke über die Propor- tion schrieb Euphranor auch noch ein Werk über die Farben.

Von Euphranor werden noch folgende Bildwerke genannt:

Paris , eine Gestalt, von welcher man rühmt, dass man darin zu- gleich den Richter zwischen den drei Göttinnen, den Gelieb- ten der Helena, und den Tödter des Achilles wahrnehme. Im Mus. Pio-Clement. in Rom ist noch ein sitzendes Marmorbild des Paris vorhanden, das man für eine Nachbildung des erze- nen Bildes von Euphranor zu halten geneigt ist. Durch diese Statue würde bestätigt werden, dass Euphranor die Würde der Heroen darzustellen verstanden habe.

Zu Rom sah man von ihm eine Minerva mit dem Beinamen „Ca- tulina“, weil Q. Lutatius Catulus sie am Fusse des capitolinischen Tempels geweiht hatte. Daselbst war von seiner Hand auch ein Bild des Bonus Eventus, eine Darstellung, die wohl mit dem aya- Sös Saipwv des Praxiteles gleichbedeutend ist. Dieser Bonus even- tus, d. h. der Genius des guten Gedeihens der Pflanzen, ist der in

Euphranor, — Euplus.

— den attischen Thesmophorien gepriesene Liebling der Demeter (Ceres), der erste Getreidepflanzer, Triptolemus. Wie Praxiteles ihn aufgefasst hat, wissen wir nicht, dagegen wissen wir aus Plinius, dass Euphranor’s Bild des Triptolemos in der Rechten eine Schale, in der Linken Mohnhäupter und Kornähren gehabt hatte, und ohngefähr so kommt er auf römischen Münzen vor.

In dem Tempel der Concordia war von Euphranor’s Hand die Gebährerin Latona, mit ihren Kindern Apollo und Arten auf dem Schoosse, eine Vorstellung, welche in einem Relief zu Florenz noch sehr schön vorkommt.

Von ausnehmender Schönheit war seine Schlüsseltragende Figur, und von colossaler Grösse seine Statuen der Tapferkeit und Griechenlands. Die Hellas war von Arete bekränzt. Auch eine bewundernde und anbetende Frau gehörte unter die Werke dieses

rossen Künstlers.

Auf dem Forum in Athen, wo er zugleich mehrere Gemälde verfertigte, war im Tempel des Apollo Patrous die Statue des Gottes von seiner Hand, und auch die Statue eines Vulkans wird ihm beigelegt.

Der Künstler fertigte auch Bigen und Quadrigen, wie die für

die Könige Philipp und Alexander.

— Euphranor war auch als Maler ausgezeichnet, sowohl im Ausdrucke der Würde des Helden, als im Colorite. Er durfte daher selbst von seinem Theseus rühmen, dieser sei mit Fleisch, jener des Parrhasius aber mit Rosen gefüttert. Zwei denkwürdige Tafeln von seiner Hand sah man in Ephesus: die erste den Ulysses

vorstellend, der mit verstellter Thorheit den Ochsen mit dem Pferde

zusammenspannet; die in den Mantel eingehüllte Nachsinnende,

und einen Heerführer, der das Schwert in die Scheide steckt. Im

Tempel Jupiter’s des Befreiers am Forum zu Athen stellte Euphranor die zwölf Götter dar, wo der Maler dem Charakter Neptun’s so viel Hoheit gab, dass bei der Darstellung Jupiter’s sein Falconc sich erschöpft fühlte, ihm ein höheres Ansehen zu ertheilen, wie Pausanias, Plinius und Valerius Maximus versichern. Euphranor scheint sich hier mit einer Copie des Phidias’schen Werkes begnügt zu haben, denn Eustathius sagt zum 520. Verse der Ilias, dass der Künstler den alten Typus beibehalten habe. An der Juno in diesem Bilde lobt Lucian besonders das schöne Haar. Neben den zwölf Göttern malte Euphranor da auch den erwähnten Theseus mit der Demokratie und dem Demos dancben; ferner das Reitergefecht der Athener bei Mantineia gegen Epaminondas, worin Gryllus, der Sohn Xenophon’s, sich auszeichnete. Plinius setzt den Euphranor mit Praxiteles unter Ol. 104 und Pausanias dehnt seine Lebenszeit bis auf Ol. 107 aus. Müller, Archäologie S. 113 A. 1., bestimmt dessen Blüthezeit zwischen Ol. 104—110. Thiersch Epochen S. 285 A. 2 bringt eine Stelle bei, nach welcher Theophrastus, der Ol. 423 starb, dem Euphranor in seinem Testamente aufträgt, die Bildsäule des Nicomachus zu machen. (Vergl. Müller’s Archäologie, Hirt’s Geschichte der b. K. bei den Alten S. 207 235. Sillig Cat. artif. vet.)

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