Eßsner, Joseph

Eßsner, Joseph, Kupferstecher , geb. zu Wien 1788, wo sein Va- ter bei der k. k. General-Ober-Hof-Baudirektion Dessinateur war und später als Rechnungsoffizial angestellt wurde. Nach dem Wun- sche seiner Eltern sollte Eßsner sich den Studien widmen; aber nach dem Beispiele seines Vaters, der einer der vorzüglichsten Schüler des Direktors Schmutzer war, welcher jedoch zu Folge sei- ner Anstellung die Kupferstecherei nie als Nahrungszweig übte, wurde er schon in seiner frühesten Jugend von dem Gefühle für Kunst ergriffen. 1802 betrat er die k. k. Akademie, um unter der Leitung des Professors Maurer die Anfangsgründe der historischen Zeichnung zu erlernen; er machte schnelle Fortschritte und 1805 erhielt er für die Zeichnung eines Kopfes nach Maurer den ersten Preis. Seit besuchte er die Antiken und machte auch hier erfreuliche Fortschritte. Der Vater liess ihn zu Hause in allen Fä- chern üben, in Thieren, Landschaften und Blumen; er gab ihm die einfachsten und gründlichsten Ansichten von Perspektive und Optik; endlich auch von der Gruppirung. Er wäre jetzt vollkom- men geeignet gewesen, sogleich zur praktischen Malerei überzu- gehen, allein er widmete sich unter Schmutzer 1805 der Kupferste- cherkunst, setzte das Zeichnen fleißig fort, und erhielt zum zwei- ten Male (1810) einen höheren ersten Preis für die Zeichnung, welche den heil. Bruno nach Lampi vorstellt.

Eßsner’s Arbeiten unter Schmutzer’s Leitung, die ihn nicht zu grosser Vollkommenheit führte, waren nach einer langen Vorberei- tung Radierungen: Moses im Binsenkorbe, nach Reinold, 4. und noch unvollendet war ein zweites Blatt: Aeneas, seine Mutter Venus erkennend, nach einer Skizze von V. Fischer. Nach Schmutzer’s Tod trat Eßsner unter die Leitung des Professors Leybold. Schnell vollendete er unter ihm seinen Aeneas und ging mit Muth an eine dritte Platte. Zuerst verfertigte er die Zeichnung nach einem Ge- mälde der k. k. Gallerie: Der Engel erscheint Joseph im Traum, nach Mengs. Im Jahr 1814 trat er als ausübender Künstler auf.

Durch Leybold’s Empfehlung erhielt er die bedeutende Arbeit nach Füger: „Christus bittet sterbend für seine Feinde.“ 1817 vollendet, 2 Schuh 1! Z. hoch, 1 Sch. 8 Z. breit. Im Jahre 1822 wurde er durch die Gnade des Erzherzogs Johann als Lehrer der freien Handzeichnung an der Neustädter Akademie angestellt. Zu den weiteren Arbeiten des Künstlers gehören: eine Reihe

historischer Skizzen, malerisch bearbeitet für den Kunsthändler Stöckel.

Allegorie auf den Kaiser Joseph II., nach Füger,

Zeuxis Wahl aus den Schönen Griechenlands.

Gegenstück: Urtheil des Paris, beide 1 Sch. Jang, 94 Zoll

reit.

Tod des Julius Caesar, |

Gegenstück: Tod der Lucretia, jedes 1 Sch. 2 Z. lang, 10 Zoll

reit.

Lasset die Kleinen zu mir kommen, 1 Sch. lang 9 Z. breit.

Die Courtine des k. k. Theaters nächst der Burg, 1 Sch. 4 Zoll, Jang, 11} Zoll breit.

Prometheus am Caucasus, radirt nach J. Abel.

Die thronende Maria, von zwei Engeln gekrönt, nach einer Skizze des F. Bartolomeo 11 Z. hoch 7 Zoll breit. Zu seinen vorzüglichsten Blättern gehören ferner:

Die rafaelische Madonna fella Seggiola und die betende Ma- donna nach Sassoferrato, nach dem Gemälde selbst bearbeitet.

Für das Haas’sche Galleriewerk des Belvedere lieferte er:

Geflügel, nach Fyt.

Das Bildniss der Mutter Rembrandt’s nach Rembrandt.

Die Ehebrecherin vor Christus, nach Varotari.

Die heil. Margaretha, nach Rafael.

Der Raub des Ganymedes, nach Correggio.

Herodias mit dem Haupte des heil. Johannes, nach L. da Vinci,

Die heil. Cäcilia, nach Scheffer.

Rembrandt’s Portrait, nach ihm selbst.

Der Sturz der Engel nach L. Giordano. Dieses Blatt und die Ehebrecherin gehören zu den besten des ganzen Werkes; vor-

züglich ist auch Rembrandt’s Mutter.

Noch erwähnen wir:

Das Bildniss der Erzherzogin Hermine, nach Weyde:

Die heil. Familie, nach Andrea del Sarto.

Ausser den angeführten grösseren Blättern lieferte Eissner noch mehrere Vignetten, nach Rhomberg, Kininger, und Schnorr von Carolsfeld. Dann die Kupfer zu der vom Kunsthändler Müller herausgegebenen Naturgeschichte aller Thiergattungen, nach J. H. Lumnitzer’s Zeichnungen gestochen.

Nachrichten über diesen Künstler findet man zerstreut in Kunst- blättern, und in Hormayr’s Archiv 1823 Nro. 157.

Ekearny — ein englischer Kupferstecher unsers Jahrhunderts, Blätter von seiner Hand findet man in den englischen Almanachen, Sou- venirs und Illustrations.

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