Erhard, Johann Christoph, Maler und Kupferstecher, geb. zu Nürnberg , zeigte schon in früher Jugend hervorstechende Anlagen zum Zeichnen, welche sich bei der Anleitung, die er in der Zeichnungschule durch den Direktor Zwinger erhielt, allmählig immer vielversprechender entwickelten. Sie bewogen seinen Vater (einen Silberdrahtfabrikanten), ihn im 15. Jahre zu dem Nürnberger Kupferstecher , Ambrosius Gabler, zum Unterricht im Zeichnen, Aetzen und Kupferstechen zu übergeben. Es zeigte sich bei Erhard sehr bald eine entschiedene Neigung für das Landschaftliche Fach, welcher auch sein Lehrer ganz besonders bemüht war, durch zweckmäßige Anweisung die wahre Richtung zu geben. Er regte ihn zum Studium der Natur an, und das war denn auch die Bahn, auf welcher E. unermüdlich fortwandelte, und sich nachher in so hohem Grade auszeichnete, da er sinnig und geistreich aufzufassen verstand, was sich seinem Auge darstellte. Er schloss mit dem trefflichen Maler J. A. Klein und mit G. Chr. Wilder innige Freundschaft und machte mit ihnen häufige Wanderungen in die Umgebungen der Vaterstadt, um landschaftliche Studien zu zeichnen. Erhard studierte nicht bloss die Natur, zeichnete Figuren und Tiere nach dem Leben, und zwar immer mit eben so viel Wahrheit als Zierlichkeit und Geschmack, selbst bei seinen flüchtigeren Skizzen, sondern er entwickelte auch ein Talent für Composition, bei welchem ihm eine fleissige und gründliche Kenntnis der kleinsten Details an Pflanzen, Stämmen etc. sehr zu Statten kam, und ihn vor der Oberflächlichkeit und blossen Manier bewahrte, zu welcher sobald sich der Componist gewöhnt.
Als er indessen eine ziemliche Fertigkeit im Radieren neben der Führung des Stichels und der Nadel erlangte, begleitete er 1810 seinen Freund Klein nach Wien, wo die Anschauung der bedeutendsten Werke der kaiserlichen Bibliothek, Gemälde- und Kupferstichsammlungen, besonders aber die so berühmte, ausgewählte Sammlung von Originalhandzeichnungen berühmter Meister, welche Herzog Albert von Sachsen Teschen besass, und noch andere mehr, auf seinen Geschmack grossen Einfluss hatten. In der herzoglich Albertischen zogen ihn besonders die von Swaneveldt und Waterloo an. Veranlasst durch sie, verliess er seine frühere, der Molitorischen ähnliche Behandlungsweise der Landschaft, und strebte nach den erstgenannten Meistern der Natur ohne alle Manier näher zu kommen. Wie kräftig und glücklich er nach diesem Ziele rang, beweisen seine sechs im Jahre 1817 aus den Umgebungen des Schneebergs radierten Ansichten und noch andere seiner geistreichen Werke, Zeichnungen und Radierungen aus dieser Periode.
Die schönen Umgebungen Wiens boten ihm zum Studium der Natur reichlichen Stoff dar, den er mit Geist und Unermüdlichkeit benützte. Im Sommer 1778 unternahm er mit Welcker, Klein
Erhard, Johann Christoph.
An den Gebrüdern Reinhold eine Fussreise nach Salzburg und Berchtesgaden, verfertigte dort neben sehr vielen Bleistiftzeichnun- gen auch mehrere geistreiche Studien in Wasserfarben und führte
nachher zu Wien 1810 vier Platten in selbem Format nach den
Studien aus, welche er sich in jenen Gegenden gesammelt hatte.
In demselben Jahre folgte er auch seinem treuen Freunde Reinhold
nach Rom. Hier befand sich E. auf dem Felde, das seinem Talente
eine unerschöpfliche Ernte versprach. Er fasste die herrlichen Rui- nen und Ansichten von Rom und der Umgegend, besonders aber die Campagna in ihren mannigfaltigen Linien und Formen vor- trefflich auf, und sammelte eine Menge Studien, welche dafür sprechen. Aber leider war auch dies schöne Land der Schauplatz, wo ihn sein trauriges Schicksal ereilte. Der heiße Sommer 1820 und das römische Clima, vereint mit der allzugrossen Anstrengung seines Geistes, wirkten nachtheilig auf seine Gesundheit. Er wurde zurückgezogen und düster und verfiel in eine gefährliche Gemüths- krankheit. Er glaubte seine Arbeiten gefielen nicht mehr, eine ins Sto- cken gerathene Unternehmung, bei welcher er auf längere Zeit be- schäftigt zu sein gehofft hatte, schlug ihn nieder und mit tiefem Schmerze sahen seine beiden Freunde den trefflichen Jüngling in den beklagenswürdigen Zustand mehr und mehr versinken.
Der Kronprinz von Baiern, der sich damals in Rom aufhielt,
interessirte sich sehr für den Kranken und nur durch die unermü- dete Thätigkeit des Medizinalrathes Dr. Ringseis, der als Leibarzt den Kronprinzen begleitete, ward er endlich so weit hergestellt,
dass er um der Hitze auszuweichen mit seinen Freunden 1821 sich
in die Gebirge von Olevano begeben konnte. Er fing auch daselbst wieder zu zeichnen an, die Gegenstände aber waren nur mit zit- ternder Hand ausgeführt. Seine beiden Freunde kehrten jetzt nach Deutschland zurück, ohne Erhard zur Mitreise bewegen zu kön-
nen. In diese Periode fallen die sieben Stationen in Jerusalem, die er nach den Zeichnungen des Architekten Gau in Oktavform zu dessen malerischer Reise nach Aegypten und Nubien radirte und zwei größere Platten zu dem nämlichen bei Cotta in Stuttgart er- schienenen Werke. Später noch radirte er zwei Platten nach ei- genen Zeichnungen aus der Gegend von Olevano.
Die Anfälle seiner Melancholie kehrten wieder und erreichten einen solchen Grad, dass er denselben unterlag. Er konnte sich von seinen trüben Ideen nicht mehr losringen und endete am Mor- gen des 18. Januars 1822 durch einen Pistolenschuss.
Er hinterliess neben mehren Platten auch eine grosse Anzahl Zeichnungen von Rom und der Umgegend, von Salzburg, Wien und Nürnberg, welche sich im Besitze seines Bruders, des Arztes Dr. J. B. Erhard befinden.
Erhard war kein schlavischer Nachahmer der Natur, so treu er ihr blieb; er wusste sie in höherem Geiste aufzufassen und die Gegenstände mit einem wahrhaft poetischen und idyllischen Charakter zu bekleiden. Seine Radieradel ist frei und leicht, sie ist nicht wild, sondern so zart und weich mit der kalten Nadel und dem Stichel vereinigt, dass seine Blätter wirklich zu dem Ge- fühltesten und Wahrsten gehören, was die malerische Manier aus den neuesten Zeiten aufweisen kann, so wie sie auch gegen äl- tere Radierungen mit Ehre gehalten werden dürfen. Die Welt ver- lor an ihm nicht nur einen trefflichen Künstler, sondern auch einen edlen Menschen, der sich bis an sein Ende rechtlich und untadelhaft
bewies und sich ein bleibendes Denkmal durch seine Werke ge-
stiftet hat.
Erhard, Johann Christoph.
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