Eastlake, Charles Lock, der gediegenste unter den jetzt lebenden englischen Historienmalern. Er studierte auf der Akademie zu London , ging aber später nach Italien , um in Venedig und Rom durch das Studium der Meisterwerke der Malerei sich in der Kunst zu vervollkommnen, Eastlake machte gründliche Studien in der Zeichenkunst ; er hat auch viel Sinn für Schönheit und ein feines Gefühl für Farbe, Sein Colorit hat etwas Titianisches, dieses nach Passavant (Kunstreise durch England und Belgien S. 308) jedoch so, dass dabei immer die englische Schule durchscheint. Der Künstler muss indessen dem Geschmacke seiner Landsleute, die nur zu sehr buntes Flitterwerk lieben, in Etwas huldigen, denn englische Kunstrichter rügten seine strenge Zeichnung als hart und das wahre Colorit als farblos, und sie schlossen mit dem Ausrufe: da kann man sehen, wohin es führt, die alten Italiener zu stu- dieren! —
Eastlake’s Färbung findet indessen Passavant auch nicht ganz tadel- frei. Sie ist nicht so lebenskräftig, wie jene Titian’s; in der Ge- sammtwirkung etwas monoton, obgleich seine Werke in der Nähe betrachtet sehr colorirt sind.
Auch besitzt Eastlake nicht die Phantasie und die Kraft seines grösseren Vorbildes. Anfangs wählte er seine Gegenstände allein aus der Geschichte, später aber gab er dem Geschmacke der Zeit mehr nach, indem er sich mit Darstellungen aus dem gewöhnli- chen Leben befasste. Doch zeichnet er sich überall durch einen edlen Stil, durch Schönheit der Formen, und durch ein feines Colorit aus. In seinen früheren Werken war er etwas manierirt, und auch mehrere Scenen aus dem Gebirge von Sonino mit Räu- bern und der Tanz römischer Winzer, die in Mezzotint-Stichen bekannt sind, tragen noch Spuren des Manierismus. Seine Banditen-Scenen (The Banditti), deren er um 1824 eine ganze Anzahl darstellte, erwarben ihn indessen grossen Beifall; denn diese Compositionen sind voll Wahrheit der Natur, und vor- trefflich in Zeichnung und Ausführung. Nebenbei malte er auch Landschaften in gutem Geschmacke der italienischen Schule.
Weit vorzüglicher, größer und edler geachtet, sind seine zuletzt entstandenen Werke, die er nach einer Reise in Griechenland fer- tigte, z. B. seine Pilger in Rom während des Jubeljahres, und das Portrait der schönen Griechin Haidee in ihrer reizenden National- tracht. Dieses Bild, von grosser Schönheit in Form und Farbe, be- sitzt der Kunstfreund Jeremias Harmann, der mit väterlicher Zu- neigung das Talent des Künstlers schätzt und unterstützt,
Im Jahre 1830 brachte Eastlake ein Bild zur Ausstellung, wel- ches die Hölle der Verzweiflung, eine Allegorie nach Spencer, vor- stellt, von grosser Klarheit und Schönheit der Farbe, wie ein an- deres vortreffliches Gemälde derselben Ausstellung, eine von Räu- hern angefallene Bauernfamilie vorstellend, Alles ist vortrefflich gemalt und mit dem feinsten Gefühle ausgeführt. Der Farbenton, die Durchsichtigkeit der Schatten und die Klarheit der Lichtmas- sen lassen nichts zu wünschen übrig.
Später brachte er ein Bild mit lebensgrossen Figuren zur Exhi- bitation der Akademie: die von der Sonne gebräunte Gestalt eines italienischen Bauern mit seiner lieblichen Frau, die das zarte Kind im Arm hält, in der Tracht von Cavi bei Palestrina vorgestellt.
Im Jahre 1833 wurde sein Gemälde mit griechischen Flüchtlin- gen, die ein englisches Schiff aufnimmt, wegen der Wirkung und der Durchsichtigkeit der Färbung gerühmt.
Eastlake ist Mitglied der Akademie der Künste zu London.
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