Dyck, Anton van, Historien- und Portraitmaler, geb. zu Antwerpen 1529, gest. in London 1641. Dieser berühmte Künstler war der Sohn eines Glasmalers, und dieser, so wie seine Mutter, die Landschaften malte, unterrichteten ihn in den Elementen der Zei- chenkunst. Hierauf genoss er den Unterricht des Heinrich van Balen, bald aber bewog ihn Rubens' großer Ruf, die Schüler dieses Meisters zu werden; und er ist der talentvollste und edelste unter diesen. Rubens erkannte auch das Talent van Dyck’s und vertraute ihm
Anton van Dyck.
Nach seinem Eintritte die Ausführung verschiedener Entwürfe an, so dass er als Gehülfe dem Meister zur Seite stand. Dass er in Rubens Schule als der erste nach dem Meister kappt wurde, beweist der Umstand, dass alle Schüler, in einem jugendlichen Streich, dessen sie Rubens Kreuzabnahme in der Frauenkirche zu Antwerpen anklagte, wieder gut zu machen. Sie betrachteten Abends in Abwesenheit der Künstler, und Diepenbeck fiel, von einem gestoßen, qualvoll auf den massigen Teil und verwischte dadurch größtenteils das frisch Gemalte; Van Dyck musste den Pinsel zur Hand nehmen und ausbessern, was ihm nach einigen so gut gelang, dass Rubens nichts erkannte; Andere aber sagen, dass Rubens desswegen das Bild von Neuem gemalt habe.
Dieser Vorfall soll Rubens Eifersucht rege gemacht haben, die ihn bewog, seinen Schüler ausschliessend der Portraitierkunst zu zuwenden, was wohl kaum glaublich ist bei dem edleren Gemüthe des Meisters. Van Dyck hörte nie auf Historien zu malen, nur sind die Bildnisse, der überwiegende Theil seiner Werke, und diese liessen ihm die Zeit, sich der Geschichtsmalerei zu widmen, der er auch seinen grossen Ruf nicht vor dankt. Es mag allerdings wahr sein, dass ihn Rubens gerne von sich sah, und ihm den Rath, Italien zu besuchen. Vor der Abreise, gab van Dyck dem Meister ein Ecce homo, einen Christus, im Garten und das Bildnis von dessen Frau, zum Geschenke, wogegen ihm Rubens eines seiner schönsten Pferde zustellte. Allein schon in Brüssel sattelte den jungen verliebten Künstler ein Bauernmädchen des Dorfes Savelthem ab. Diese fesselte ihn dergestalt, dass er ihr zu Liebe für Savelthem zwei Altärgemälde malte; einen Martin zu Pferde, worin er sich und sein Pferd vorsellte, und eine heilige Familie, wo ihm seine Geliebte und ihre Eltern, zum Vorbilde dienten. Nur mit Mühe riss er sich auf Zureden des Ritters Nanni von diesem Mädchen los und ging nach Venedig, wo er Titian und Paul Veronese studierte. In Genua fand er viel Beschäftigung und einige seiner schönsten Werke entstanden in dieser Stadt. Hier ist in der Gallerie Durazzo noch das treffliche Bild des D. Islerio von Moncado zu Pferde, bekannt durch R. Morshen’s Buch.
Von Genua ging van Dyck nach Rom, wo er bald nach seiner Ankunft das meisterhafte Bildnis des Cardinals Bentivoglio malte, abgebildet in Filhal’s Musee Napoleon IV. Nro. 245, denn dieses, wie das vorher erwähnte Werk, mussten einige Zeit das Cen-Salp-museum zu Paris zieren. Er malte noch andere Bilder für den Cardinal und auch für Privatpersonen, allein die Schilder, welcher er sich der Zügellosigkeit der Mitglieder wegen nicht einverstand, suchte ihn in Misskredit zu bringen, und so begab sich der Künstler wieder nach Genua, wo er auch jetzt mehrere Gemälde fertigte, bis er nach Sicilien überschiffte, um ein Gleiches zu thun. Hier vertrieb ihn die Pest, und endlich betrat er das Vaterland wieder.
Sein erstes Werk von grossartiger Composition war jetzt der heilige Augustin in Begeisterung, worin er das Resultat seines Studiums der grossen Meister niederlegte. Bald darauf erhielt er von Roger Braye, Domherrn der Collegiatkirche von Courtrai, den Auftrag, ein grosses Altarbild zu malen, welches aber nachher den Herren so wenig gefiel, dass sie den Künstler mit Unhöflichkeit behandelten. Erst als verschiedene Kunstliebhaber das Bild als eines der schönsten erklärten, suchten sie ihren schlechten Kunst- geschmack dadurch etwas zu bemänteln, dass sie im Convent be-
Dyck, Anthony van.
schlossen, dem Künstler die Verfertigung zweier anderer Gemälde aufzutragen; allein van Dyck wollte sich der Unwissenheit nicht zum zweiten Male preisgeben, und erklärte den Domherren: in Courtrai wären genug Schmierer; er habe sich von nun an vorge- nommen, bloß für Menschen und nicht für Esel zu malen. Das Capitel fühlte sich, wie natürlich, beleidigt, und übertrug dem
Caspar de Crayer die Gemälde. Dieses erwähnte Bild stellt die
Aufrichtung des Kreuzes vor, in der hintersten Kapelle des Chors der Kirche. Dieses herrliche Gemälde, auf welches nur wenig Fi- guren zu sehen sind, ist kühl gezeichnet und kräftig alt; Es erinnert an Rubens, obgleich es nicht ganz dessen blühende Fri- sche hat, aber der Ausdruck des Schmerzes im Gekehrten ist tiefer und edler.
Van Dyck kam nach seiner Rückkehr auch wieder mit Malerei in Berührung, und dieser wollte ihm sogar seine älteste Tochter zur Frau geben, die er aber ausschlug, weil ihm, wie einige sa- gen, die Stiefmutter besser gefiel. Er wurde jetzt in Feindschaft verwickelt und so nahm er zuletzt die wiederholte Einladung an den Hof des Prinzen Friedrich von Oranien nach dem Haag an. Hier malte er viele hohe Häupter, alle Grossen des Hofes, viele Gesandte und die angesehensten Kaufleute. Später unternahm er eine Reise nach England, fand aber das erste Mal keinen grossen Anklang, so dass er wieder nach Antwerpen zurückkehrte. Erst bei seinem zweiten Besuche in England fand er das Glück, und von dieser Zeit an beginnt van Dyck’s glänzendste Epoche. Der
König Karl I. empfing ihn mit Auszeichnung, er beschenkte ihn mit einer fein mit Brillanten geschmückten Kette und nannte ihn zum Ritter. Karl gab ihm auch eine grosse Besoldung und zwei Wohnungen; die eine für den Winter in Blackfriars und eine solche für den Sommer in Eltham! 10000
Van Dyck führte in England viele Gemälde aus, und auch der König sass ihm mehrere Male. Dieses Land ist daher sehr reich an
Werken unseres Meisters, die in verschiedenen Sammlungen auf- bewahrt werden. Von Morgens früh bis vier Uhr Nachmittags ka- men Personen, die sich malen liessen. Diese blieben in einem grossen Saal, wo Musik gegeben wurde und Erfrischungen aller Art aufgesetzt waren. Um vier Uhr ging man zur Tafel; und nach Tische eilte er in die Arme des Vergnügens. Auch dem weiblichen Geschlechte war er sehr ergeben, einer Leidenschaft, von welcher ihn der Herzog von Buckingham mit Beistimmung des Königs durch Verheiratung mit Tochter des Mylord Ruthven, Grafen von Goree, die schön aber arm war, zu heilen suchte.
Van Dyck kehrte bald darauf mit seiner Gemahlin ins Vland zurück und auch Paris besuchte er, um irgend eine grosse Arbeit zu finden, was ihm jedoch nicht gelang. Er kehrte daher nach zwei Monaten wieder nach England zurück, wurde aber seit die- ser Reise zunehmend schwächer und so starb er im 42sten Jahre seines Alters in London, wo er mit grosser Pracht in der St. Pauls- kirche begraben wurde.
Van Dyck machte grossen Aufwand, weil er es den Grossen gleich- thun wollte. Die Bilder wurden ihm auch sehr teuer bezahlt, obgleich er selten länger als einen Tag an einem Kopfe malte, na- mentlich in den Tagen seines Ruhms, wo er oft nur des Gewin- nes wegen arbeitete. Dass sein Erwerb sehr gross gewesen, bewei- set die Hinterlassenschaft von hundert tausend Reichsthalern bei einem an Verschwendung grenzenden Aufwand.
Dyck, Anton van.
Um war es verliehen, mit Wärme und Gefühl das individuelle Leben genau und charakteristisch zu fassen und so das Bildnis in vollendeter Ähnlichkeit zu geben. Dazu kommt noch ein lebendiges Colorit, das unter seinem leichten und fleißigen Pinselmarkig verfertigt und reizend und doch naturgetreu entgegentritt. Im Ganzen steht er seinem Lehrer Rubens an Feuer und Kraft des Genies nach, er ist aber correcter und besonnener, und auch an Wahrheit erreicht er ihn. Dabei trat gräzileren, oder nie, in die sinnlich, roherz Eussstapfen seines, Meisters, doch wird Rubens als Historienmaler höher geschätzt, als van Dyck. Die Anzahl der historischen Bilder des Letzteren ist nicht geringe, wie aus dem folgenden Verzeichnisse der Werke van Dyck’s zu ersehen ist. Seine ausgeführten Zeichnungen aber sind selten und die Skizzen manchmal so leicht hingeworfen, dass es nur ihm allein möglich war, sie zu verstehen.
Van Dyck hatte auch Schüler, aber sie kamen zu keinem größeren Faühere. Verzeichnisse von van Dyck’s Gemälden in England sind in der Angabe des Ortes, wo sich solche befinden, nicht mehr sicher, und wir folgten daher Passavant, der 1835 seine Kunstreise durch England und Belgien durch den Druck bekannt machte.
In der National-Galerie ist das von van Dyck Portrait des Rubens, durch J. Reynolds besass und sehr hoch schätzte. Für eine der ersten Zierden der Gallerie, hält man das Portrait des Gevartius, durch J. Rogers gest. Nach Einigen soll jedoch nur die Gewandung van Dyck, der Kopf von Rubens seyn.
In Dulwich College die Maria mit dem Kinde, ein sehr lieblich und schön colorirtes Bild,
In Hampton-Court das berühmte Bild von Karl I. zu Pferde.
In Windsor werden ihm viele Porträts zugeschrieben, und unter diesen zeichnet Passavant folgende aus: Karl I. mit seiner Gemahlin und zwei Kindern, ein großes schönes Bild, gestochen von Strange; Karl I. zu Pferd mit einem Diener; die Kinder Karl’s I. mit einem großen Hund, ein sehr schönes Bild, gest. von Strange; Jakob I. in ganzer Figur, Copie van Dyck’s nach einem ältern Bilde; H. Killigrew, der Poet. und F. Carew, halbe Figuren, beide trefflich charakterisirt; Lady Venetia Dygby, sehr schön.
In Kensington die zwei Söhne des Herzogs von Buckingham als
Nichts kann die Natürlichkeit, den Reiz und die Zartheit dieses sehr vollendeten Bildes übertreffen.
In der Bridgewater-Gallerie ist eine Madonna mit dem Kinde, eines der schöneren Madonnenbilder des Meisters,
In der Gallerie des Marquis von Stafford in York-House das Portrait des Grafen von Arundel, eines der schönsten und im Charakter auffallendsten Bildnisse des Meisters.
In der Grosvenor-Gallerie Maria mit dem Kinde und einem be- tenden Engel, im Grunde Rosen- und Öhringengebüsche, halbe Figuren und eines der schönsten Bilder dieser Art von van Dyck, lieblich und zart, voll Ausdruck und Innigkeit.
In der Devonshire-Gallerie das Kind Moses im Nil ausgesetzt, ein sehr schönes Bild von reizender Farbe.
In der Gallerie des Herzogs von Wellington eine Wiederholung von Karl’s I. Reiterbild in Windsor.
In der Sammlung des Herrn Coesvelt die büssende Magdalena, ein vorzüglich schön colorirtes Bild, Titian’s Schöpfungen so ähnlich, dass es öfter für eine solche gehalten wird.
In der Sammlung des Lord Cowper ist ein großes Familienbild von Johann, Grafen von Nassau, mit seiner Gemahlin, einem Kna-
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ben und drei Mädchen; schön colorirt und gest. von Baron. Da- selbst ist auch der Raub der Sabinerinnen in kleinen Figuren.
Bei dem Kunsthändler Smith in London sah Passavant die be- kannte heil. Familie mit vielen tanzenden Engelkindern und noch drei in den Wolken. Van Dyck malte dieses Bild, das auch unter dem Namen: La vierge & la danse des anges oder Reine des anges be- kannt ist, für den Prinzen von Oranien. In letzterer Zeit besass es Fürst Talleyrand, dessen Sammlung 1853 in London verkauft wurde. Sch. A. Bolswert hat es gestochen.
In Stratton ein ausgezeichnetes Bildnis des Abbé Scaglia, ganze Figur.
In Wilton-House, dem Landsitze des Grates von Pembroke, das grosse schöne Familienbild Philipp’s, Grafen von Pembroke’s und mehrere Porträite.
In Blenheim viele schöne Porträite: Karl I., Henriette seine Ge- mahlin, Villiers, Herzog von Buckingham, die Herzogin mit Fa- milie, Maria Herzogin von Richmond, Lord Stafford und sein Se- kretär etc.
In Broughton Hall mehrere Porträite.
In Althorp mehrere Porträite, und Dädalus und Icarus.
In Holkham der Herzog von Richmond, ganze stehende Figur, in Bezug auf Abstufung der Töne und die Harmonie der Farben eines der vorzüglichsten Bilder des Meisters. Der Graf von Arem- berg zu Pferd, ein grosses Bild und von eben so grossem Rufe.
In Warwickshire das Bildnis Machiavelli’s nach Titian, Graf Stafford, die Gräfin von Warwick, der Historiker Davila, Oliver Cromwell etc.
In Wiltshire der Kindermord, den einige dem Rubens zuschrei- ben, Madonna mit fünf Heiligen, St. Augustin in Entzückung, Skizze zum Bilde in Antwerpen; James Stuart, Herzog von Rich- mond. Lord Egremont zu Petworth besitzt 10 Bilder von van Dyck, welche für die schönsten gehalten werden. Näher können wir sie nicht bezeichnen.
In der Kunstsammlung Karl I. waren 16 Stücke von van Dyck.
Im k. Museum zu Amsterdam sind vier Bilder, darunter das Bildnis der Maria von England, Gemahlin des Prinzen von Ora- nien und jenes ihres Bruders, des Herzogs von Gloucester.
In der Gallerie im Haag sind sechs Porträite.
In der Gemäldesammlung des Prinzen von Oranien zu Brüssel sind die Porträite des Ministers Leroy und seiner lieblichen Ge- mahlin, zwei lebensgrosse stehende Figuren von vorzüglicher Schön- heit. In diese Sammlung kam auch das Bildnis der Henriette, von England, eines der besten Werke van Dyck’s, ehedem in der Samm- lung Erard.
In einer Familienkapelle bei den Dominikanern zu Antwerpen ist jenes Bild mit Christus am Kreuz, von St. Catharina und St. Dominicus verehrt, das durch Bolswert’s Stich unter dem Namen Le grand Christ au Jacobin bekannt ist.
Zu van Dyck’s besten Werken gehört das lebensgrosse Portrait des Franz van der Borcht im Museum derselben Stadt.
Im Palast Pitti zu Florenz ist das Bildnis des Cardinals Bentivoglio. Dieses Bild musste nach Paris in das Centralmuseum wandern, es wurde aber 1815 wieder reklamirt.
Mehrere Gemälde van Dyck’s sind auch im k. Museum zu Paris. Die Ehebrecherin, der Leichnam des Herrn am Schoosse der heil. Jungfrau, St. Sebastian von einem Pfeile durchbohrt, Venus mit Amor fordert vom Vulkan für Aeneas Waffen, die Einschifung des Aeneas, Mars und Venus, Portrait Karl’s I. von England, von sei-
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mit einem Stallmeister und einem Pagen begleitet. Die Porträts Franz II. von Lothringen, Karl I. und Prinz Robert von der Pfalz, Isabella von Holland, Tochter Philipp II., Franz von Moncado, Marquis von Aytone, das Bildnis van Dyck’s, einige unbekannte Bildnisse.
Im Ganzen sind 20 Stücke im Museum.
Auch in der Eremitage zu St. Petersburg sind mehrere Bilder von van Dyck. Besonders schön ist Snayers Bildnis mit Frau und Kind, mit unübertrefflicher Wahrheit dargestellt. Sehr schön ist auch St. Sebastian, ein 4 Sch. 5 Zoll hohes Bild.
In der k. Pinakothek zu München ist eine bedeutende Anzahl von Werken dieses Meisters; 38 sind im älteren Cataloge bezeichnet.
Vorzüglich darunter ist der tote Christus auf dem Schoß der Maria und von Engeln beweint, und die Madonna mit dem schla- fenden Kinde. Ferner sind da die Bildnisse von Johann von Nassau, Alexander Scaglia, Lucas van Uden, des Generals Tilly, von Palamedes, Graf Albert von Wallenstein, Gustav Adolf von Schweden, Karl Mayer, Heinrich Liberti, das des Bürgermeisters von Antwerpen, lebensgrosse Figur, jenes der Maria Ruthven, van Dyck’s Gemahlin, mit einer Bassgeige; Herzog Wolfgang von Neu- burg, Franz Snayers, van Dyck’s eigenes Bildnis, Johann Brueghel, Peter Snayers, Johann de Wael, die im Lehnstuhle sitzende Gattin des Künstlers mit einem Kinde, Colin de Nole, etliche un- bekannte Bildnisse, und auch einige Historien und heilige Bilder.
Anerkannt eines der höchsten Meisterwerke in der Porträtkunst ist die Bürgersfrau von Antwerpen in derselben Gallerie; Man setzt dieses Bild gewöhnlich in die Reihe der schönsten Bild- nisse Titian’s.
Domherr Speth in München besitzt das kleine Bildnis eines Unbekannten, worauf van Dyck seinen Namen gesetzt hat, durch- scheinend auf dem rothen Grund. Eine solche Bezeichnung kommt bei diesem Künstler selten vor, und das Bild ist außerdem auch noch wegen des Autographums merkwürdig.
Die k. k. Gallerie zu Wien besitzt von van Dyck mehrere schöne Stücke, und besonders meisterhaft Samson von den Philistern über- wältiget. Van Dyck malte die Darstellung aus dem Leben dieses jüdischen Herkules bei Dalila wie ihn die Philister überwältigen, noch einmal. Man hat bis auf unsere Zeit den Verlust dieses Mei- sterstückes bedauert, und erst 1830 fand man es zu Maestricht, wo es länger als ein Jahrhundert verborgen lag. Snayers hat es gestochen. Den jetzigen Besitzer kennen wir nicht namentlich.
Im Belvedere sind ferner: das schöne Portrait des Philipp Leroy mit dem Windhund; Johann von Mountfort, Franz Seraph mit dem Crucifix, Karl, Ludwig und Ruprecht, Söhne Friedrich’s V. von der Pfalz, als Knaben dargestellt; Maria auf dem Throne, Christus im Grabe von der Mutter, Johannes und Magdalena beweint. Minerva erhält vom Vulkan die Rüstung, die unbefleckte Empfäng- nis, Karl Scribani, die Infantin Isabella Eugenia, Karl I. von England, Franz Moncado in schwarzer Hofkleidung, die reue Magdalena, mehrere schöne unbekannte Bildnisse.
Einige Bilder dieses Meisters sieht man auch in der Gallerie Lichtenstein zu Wien: eine schöne Grablegung und Bildnisse er- ster Klasse, wie das der Fürstin Louise von Thurn und Taxis und ein anderes, das man gewöhnlich Wallenstein nennt, u. s. w.
In der Esterhazy’schen Gallerie daselbst ist ein sehr interessan- tes Conversationsstück: eine musikalische Gesellschaft, worin van Dyck als Violinspieler zu sehen.
Dresden besitzt von ihm eine schöne Danae und mehrere vor-
treffliche Bildnisse, unter denen Karl I. von England mit seiner
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Familie zu den besten gehört. Andere schöne van Dyck’sche Bil- der dieser Sammlung stellen Karl I., Jakob II. und dessen Schwes- ter Henriette als Kinder vor.
Auch im k. Museum zu Berlin sind Hauptwerke von diesem Künstler: das Bildnis der Infantin Isabella Clara Eugenia, Phi- lipp II. Tochter, als Clarissin dargestellt, Christus als König der Juden verspottet, eine kleine Prinzessin Karl I. von England, die beiden Johannes zwischen Säulen stehend, Maria mit dem Kinde, dem König David, die Magdalena und der verlorene Sohn, Christus von Johannes, Maria und einem Engel beweint, die Bild- nisse der Kinder Karls I. von England mit einem großen Hunde.
In der Gallerie zu Sanssouci ist eine vorzügliche Dornenkrönung. Dieses Bild kam nach der Schlacht bei Jena nach Paris, aber spa- ter wurde es wieder reklamiert. Gest. von Bolswert,
Im Schlosse zu Cremsier ist van Dyck’s vortreffliches Bildnis Karls I. mit seiner Gemahlin, das 1651 von Vischer gestochen wurde.
Eines der vorzüglichsten Werke van Dyck’s ist die Grablegung, welche ehemals in der Franziskaner-Kirche zu Mainz hing, ein Bild von vortrefflichem Ausdrucke, mit edlen schönen Formen, aus des Künstlers schönster Zeit. Es war ursprünglich für den Churfürsten von Mainz bestimmt, der aber das Werk so schlecht bezahlen wollte, dass es van Dyck lieber den Barfüsser Mönchen schenkte, welche es bis zur Besetzung der Stadt durch Custine in ihrer Kirche bewahrten. Während der Belagerung 1790 brannte die Barfüsser Kirche ab, doch wurde das Bild gerettet und später an den Grafen von Schlick verkauft. Nach seinem Tode kam es nach Wien, wo es der Senator Brentano von Frankfurt am Main erwarb.
Ein wahrhaft treffliches Gemälde ist van Dyck’s Altarblatt in der Egidienkirche zu Nürnberg, das durch die Stadtschreiberin Wittwe Eisen von Hersbruck gestiftet wurde. Ihr Mann hatte es aus ei- ner eingegangenen Kirche der Oberpfalz um geringes Geld an sich gebracht, und die Geberin bat sich für ihr Geschenk nichts als ein Gitterstuhl vor der Kanzel aus. S. Sammler von Nürnberg II 92.
Dieses Gemälde stellt die in Schmerz versunkene Maria bei dem Leichnam Jesu vor, der auf einem Steine vor der Felsenhöhle ruht, von Johannes unterstützt. Ueberwältigt von Jammer streckt sie die Hände nach ihrem Sohne aus, und neben ihr steht Mag- dalena, wie sie die Augen auf den teuren Leichnam heftet. Zu den Füssen Jesus steht ein Engel in Betrübnis und oben schweben drei andere, die aber von Daniel Preissler dazu gemalt wurden, weil das Gemälde zu kurz war.
Ein Gemälde von hoher Vollendung befand sich 1820 im Besitze des Buchhändlers Leroux zu Mainz. Van Dyck stellte hier den ungläubigen Thomas dar, wie er vor den Jüngern den Finger in die Seitenwunde des Gottmenschen legt. Die Figuren sind in natürlicher Größe bis zur Hälfte der Schenkel dargestellt,
Van Dyck vollendete einen Zyklus der zu seiner Zeit lebenden Künstler und Kunstfreunde, die er zwar nicht in einer eigenen Gallerie sammelte, sondern, da die Originale zerstreut wurden, durch die Kupferstecherkunst in ein Ganzes brachte. Jedem Künst- ler und Kunstfreund wird diese schöne Sammlung, in welcher ne- ben denen des Pontius, Bolswert, Vorsterman u. a. mehrere von ihm selbst geistreich radirte Stücke zu finden sind, bekannt sein. Die Sammlung führt den Titel:
Dyck, Anton van.
Icones virorum doctorum, pictorum, chalcographorum etc. numero centum ab Antonio van Dyck pictore ad vivum expressae et ejus sumptu aeri incisae Antverpiae, fol.
Die ersten Abdrücke sind jene mit van den Enden’s Adresse, Hendriex bekam sie später. Die Zahl der Blätter beläuft sich, wenn die von van Dyck gefertigten darin begriffen sind, auf 121.
Eine andere Sammlung hat den Titel : -
Le Cabinet des plus beaux portraits de plusieurs princes et princesses, des hommes illustres etc. peints par van Dyck, gravés en taille-douce par les meilleurs graveurs, Antwerpen, ohne Jahrzahl,
— und Brüssel 1728, 2 B. fol.
Die vollständigste Sammlung von Bildnissen van Dyck’s bietet die Iconographie, ou vies des hommes illustres du 17me siècle, Amsterdam 1750, 2 B. fol. Die Abdrücke sind mittelmässig.
Van Dyck hat auch einige Blätter gefertiget, die sehr gesucht werden.
Johann Breughel, Halbfigur, im ersten Drucke mit dem oben rechts angefangenen Hintergrunde. Auch ist im Unterrande keine Schrift. Auf andern Blättern ist der Hintergrund vollendet und im Unterrande liest man: Joannes Breugel Antverpiae pictor florum et ruarivm prospectuum ; links unten: Ant. van Dyck fecit aqua. forti. H. 8 Z. 11 L., Br. 3 Z. 10 L.
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