Dupa ty, Charles Mercier. — Bildhauer geb. zu Bordeaux 1771

Dupa ty, Charles Mercier. — Bildhauer geb. zu Bordeaux 1771,

zur Malerei blieb ihm auch nachher, als er sich ganz der

est. zu Paris 1825. Sein Vater war der Präsident Dupaty, der

durch mehrere ausgezeichnete Schriften, besonders durch seine Briefe über Italien bekannt ist. Dieser bestimmte den Sohn zur Jurisprudenz, und letzterer wurde 1790 auch Advokat , folgte aber bald ausschliesslich einer andern Richtung. Er fing an die Land- schaftsmalerei bei Valenciennes zu studieren und diese Neigung

hauerkunst gewidmet hatte. Indessen hatte die Convention alle französischen Jünglinge von 18 bis 25 Jahren zu den Waffen ge- rufen; auch Dupaty war unter ihrer Zahl. Er diente in einem Dra- goner-Regiment bis zum Jahre 1800, wo er in sein väterliches Haus zurückkam; war aber nachher genöthiget, sich von neuem als geu-

graphischer Zeichner im Departement du Montélimar: verwenden zu lassen; bis er nach Verlauf mehrerer Jahre vom Direktorium an die Nationale Schule in Paris gerufen wurde. Nun studierte er die Historienmalerei bei Vincent, verließ sie aber bald, um unter Le- motts Leitung die Bildhauerkunst zu erlernen, der er auch sein übriges Leben gewidmet hätte. Im Jahre 1817 erschien er zum er- stenmal unter den Preisbewerbern und trug auch sogleich den großen Preis der Sculptur davon. Der Gegenstand war Perikles, welcher den Anaxagoras besucht. Er musste noch mehrere Jahre in Paris verbleiben, da alle Plätze der französischen Akademie zu Rom besetzt waren. Da er sein ganzes väterliches Vermögen bei dem Unglück der französischen Colonien verloren hatte, unter- nahm er als eine nützliche Arbeit die Büste des General Desaix für den Goldschmied Auguste. Um einen Maßstab seiner Kräfte zu erlangen, verwendete er den Ertrag dieser Büste auf die Ferti- gung des Modells seiner ersten Figur: Amor, welcher Blumen bie- tet und Ketten verbirgt. David besuchte ihn, um dieses Modell zu sehen, welches noch das Gepräge der alten Schule trug und auf David’s Rath vernichtete Dupaty sein Werk und begann es von neuem. Von hier an datirt sich ein höherer Schwung in seinem Bestreben. Indessen nährte er eine große Sehnsucht nach Italien; doch wollte die Mutter nicht in seine Entfernung willigen, die immer noch den Wunsch hegte, dass er in die Staatsverwaltung eintreten möchte. Um ihren Bitten zu entgehen, wachte er insge- heim seine Vorbereitungen, und war eines Morgens dem mütterli- chen Hause entschwunden. Er war damals ungefähr dreißig Jahre alt. Angekommen in der Hauptstadt der Künste verdoppelte er seinen Eifer, und vollendete während eines Aufenthalts von ungefähr acht Jahren eine grosse Anzahl von Werken: den verwundeten Philoktet; eine kleine Figur der Pomona; Cadmus, welcher den Drachen tödtet; Venus Genitrix; die sterbende Biblis. Diese Arbeiten er- regten die Aufmerksamkeit der Regierung und es ward eine Statue des Generals Leclerc bei ihm bestellt. Mit dem Ertrag derselben führte er seine Venus Genitrix in Marmor aus. Darauf ging er nach Carrara, um mehrere seiner Compositionen dort in Marmor überzutragen, begann auch daselbst seine Biblis, die er nachher in Paris vollendete; dessgleichen fing er den Cadmus im Kleinen an, und fertigte später nach diesem Entwurf die kolossale Gruppe, die er im Jahre 1822 zur Ausstellung brachte und die jetzt im Garten der Tuilerien ist. Die Anlage des verwundeten Philoktet, hatte ihm glücklich geschienen, er begann ihn von neuem, aber jetzt im Runden statt im Basrelief, ein Werk, das sich in Compiègne befindet; endlich fertigte er ebenfalls in Italien einen reizvollen Kopf der Pomona, den man in der Galerie Luxembourg sieht.

Sein erstes Werk nach seiner Rückkehr nach Paris und vielleicht sein Hauptwerk, war der vom Zorne des Neptun verfolgte Ajax. Er brachte das Modell desselben, zugleich mit dem Marmor der Venus Genitrix zur Ausstellung, welch letztere Figur vom Minister des Innern für 10.000 Fr. gekauft wurde, jetzt im Museum der Naturgeschichte im jardin des plantes. D’Hautefeuille bestellte die Ausführung des Ajax in Marmor, für welchen er 15.000 Fr. erhielt. Dieser kam in den Besitz des Herzogs von Orleans, welcher ihn im Palais-royal hat aufstellen lassen.

Zu gleicher Zeit componeerte Dupaty den von den Furien ver- folgten Orestes, eine kolossale Gruppe von drei Figuren, die nicht — in Marmor ausgeführt wurde. Der vom Blitz getroffene Ajax exi-

Dupaty, Charles Mercier.

Aristide, ebenfalls nur im Modell. Im Jahre 1816 ward er zum Mit- glied des Instituts ernannt und seitdem nach und nach mit wich- tigen Werken beauftragt, die er unvollendet hinterlassen hat. Es waren die für den königlichen Platz bestimmte Reiterstatue Lud- wig’s XIII. und das Monument des Herzogs von Berry, das er ge- meinschaftlich mit Cartellier verfertigen sollte. Die beiden Künst- ler hatten sich so in die Arbeit getheilt, dass Dupaty die Haupt- gruppe übernahm, welche Frankreich und die Stadt Paris, den Tod des Herzogs von Berry beweinend, darstellt, dann die vier Genien auf den Ecken des Monuments und das Basrelief von einer der Nebenseiten. Das Modell der Hauptgruppe vollendete er, so wie das Basrelief beinahe in Marmor, mit dem Übrigen sich zu beschäftigen hat der Tod ihn verhindert. Cartellier hat das Werk nach Dupaty’s Modell vollendet.

Dieser großen Arbeiten ungeachtet componirte er zu gleicher Zeit eine Venus, die sich vor Paris entschleiert, und in Marmor ausgeführt, in der Galerie Luxembourg sich befindet. In der Kirche St. Germain de Pres befindet sich auch eine Madonna von seiner Hand, und sein letztes Werk ist die colossale Studie eines Kopfes von schönem Charakter, den er nicht einmal in Gips aus- führen lassen konnte; die Figur eines jungen Hirten, der mit ei- nem Zicklein spielt, konnte seine zitternde Hand nur noch ent- werfen.

Dupaty hatte die Antike viel studiert, und es gelang ihm nicht genug, dabei seine Eigenthümlichkeit zu bewahren; er hatte sich die Prinzipien, welche die alten Bildner befolgten, so zu sagen in einen Codex gesammelt, und indem er sich den Erinnerungen, die ihm sein Gedächtnis bewahrte, zu sehr überließ, schöpfte er zu wenig aus eigener Begeisterung. Doch wird dieser Fehler durch Vorzüge der ersten Art zum Theil vergütet. So findet sich in al- len seinen Werken ein Gefühl des Edlen und Erhabenen, welches er dem Studium der Antike und der eigenthümlichen Richtung sei- nes Geistes verdankte. Treuer Beobachter der Prinzipien, welche die Grundlage der Bildnerkunst ausmachen, war er in der letzten Zeit seines Lebens gleichsam eine lebendige Protestation gegen die Willkür. Der von Neptun verfolgte Ajax sichert am meisten Du- paty’s Ruhm, er ist eine der schönsten und originellsten Figuren dieses Künstlers. Die Gruppe des von den Furien verfolgten Orest verdient ebenfalls eine besondere Aufmerksamkeit. Zu den Monu- menten, welche dem Künstler am meisten Ehre machen, gehört unstreitig auch die Reiterstatue Ludwig’s XIII. Im Ausdruck und in der Haltung herrscht Adel und Würde; die Details sind mit Ge- schicklichkeit ausgeführt; das Vorzüglichste aber ist das Pferd, des- sen Zierlichkeit, Geschmeidigkeit und Anmuth nichts zu wünschen lassen. Cartellier hat das Werk vollendet, und jetzt ist es am Place royal. In seinen späteren Werken schlug Dupaty einen neuen Weg ein, und versuchte der Wahrheit der Natur näher zu kommen. In der Biblis, und in dem kleinen unvollendeten Modell des Hirten, gelang es ihm, ein Naturgefühl zu erreichen, von welchem seine ersten Werke ganz entblößt waren. Er neigte sich zum Größeren, Kräftigeren und Edleren, und so war ihm dagegen weniger der Sinn für Anmuth verliehen. Jedoch wusste Dupaty durch Studium und feinen Geschmack alles zu vermeiden, was das Auge hätte beleidi- gen können; seine Figuren sind gut geordnet, schön aus allen Gesichtspunkten, und sie bieten niemals unangenehme Linien, die auch durch die feinzendsten Details nicht vergütet werden können.

Er war ein Mann von dem edelsten Charakter; Wohlthätigkeit war j4

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