Drei andere Gemälde derselben Sammlung stellen ebenso viele freudige Momente aus dem Leben Maria’s dar: die Erscheinung des Engels, ein Bild von wundervoller Anmuth; die Anbetung der Könige und die Darstellung im Tempel. Das Hauptbild

Drei andere Gemälde derselben Sammlung stellen ebenso viele freudige Momente aus dem Leben Maria’s dar: die Erscheinung des Engels, ein Bild von wundervoller Anmuth; die Anbetung der Könige und die Darstellung im Tempel. Das Hauptbild, die Anbetung der Könige, zu welchem die andern als Flügel gehören, ist 4 Sch. 5 Z. hoch. Es zeigt die Maria mit dem Kinde unter den Ruinen eines mit Stroh gedeckten und zum Stall eingerichteten Tempels, wie links die Könige näheren, von denen der Älteste schon kniend dem Kinde andachtsvoll die Hand küsst. Sein Kopf ist das Bildnis Philipp des Guten von Burgund . Der letzte der Könige ist statt des Mohrenkönigs, der bräunliche, trotzige Held Karl der Kühne. Ihn beseelt nicht Andacht, wie die beiden übrigen, und er nimmt den Turban ab, ohne noch recht zur Anbetung entschlossen zu sein. In den Kleidern dieser Könige herrscht verschwenderische Pracht. Die Maria hat der Künstler in diesen drei Darstellungen verschieden aufgefasst. Auf dem Flügelbilde der Verkündigung erscheint sie als fromme Jungfrau, auf der Anbetung der Könige als Mutter eines Kindes und in der Darstellung im Tempel als Matrone.

Ein anderes Bild der Boisserke’schen Sammlung stellt unter der Gestalt Hubert’s van Eyck den Evangelisten St. Lucas dar, wie er zufolge der Legende die Heilige malt.

Die Bilder dieser Sammlung prangen hoch in den schönsten Farben.

‚, ben, denn sie wurden von hundertjährigem Staub und Kerzendampf und von dem trüben Firniss gereiniget, den die Unwissenheit dar- über gezogen hat.

In der Gallerie Wallerstein, die jetzt ebenfalls im Besitze des Königs von Bayern ist, befindet sich eine sehr schöne Madonna mit dem Kinde. Es spricht auch aus diesem Bilde Johann’s un- endliche Klarheit des Geistes und seine hohe Meisterschaft.

In der königl. Gallerie zu München ist jene, durch Hess schönen Stich bekannte, Darstellung der Opferung der Weisen aus dem Mor- genlande, ein Bild, das früher in der königl. Gallerie zu Schleiss- heim aufbewahrt wurde. Es ist dieses ein höchst interessantes Pro- dukt jener früheren Zeit, aber einige wollen darin nicht die Hand des van Eyck erkennen. Es ist darin die Luftperspektive in der Landschaft schon auf modernere Weise behandelt. Die ferneren Berge sind sehr abgedämpft und von anderer Farbe, als die vorde- ren, was bei Eyck nicht vorkommen soll. Auch sind mehrere Far- ben der Gewänder gebrochener und schwächer, als es auf andern Bildern van Eyck’s vorkommt. Auch in der vollendeteren Zeich- nung und in der völligeren Form der Hände und des Kindes fin- det man Zeichen späterer Zeit. Die Stellung des Mohrenkönigs und seines Dieners ist verdreht und geschmacklos und mehrere Köpfe sind unbedeutend, was gegen Eyck’s Strenge und Bedeut- samkeit streitet.

Einige haben daher dieses Bild dem Hemling oder Memling, wie er auch genannt wird, zuschreiben wollen; allein dem Bilde fehlt der lebendige, fröhliche, anmutige Charakter, welcher den Hem- ling eigenthümlich ist. Auch dem Hugo van der Goes kann es nicht beigelegt werden. Dr. Waagen (Hubert und Johann van Eyck S. 264) möchte es aber dem Rogier van Brügge beilegen.

In der Sammlung des 1835 verstorbenen Malers und Professors Hauber in München ist die Darstellung des heiligen Lukas, wie er kniend eben im Begriffe steht, das Bild der Madonna zu malen. Man hält dieses Gemälde für Copie des Eyck’schen Bil- des der Boisserce’schen Sammlung. Es zeigen sich indessen we- sentliche Veränderungen, so dass einige das Bild für van Eyck’s eigenhändige Wiederholung desselben zu halten geneigt sind. Ohne das gleiche Bild in der Boisserde’schen Sammlung würde man es jedenfalls für Original nehmen.

In der k. k. Gallerie zu Wien ist ein ganz kleines vortreffliches Gemälde, in welchem van Eyck die säugende Madonna mit dem Kinde vorgestellt hat. Ein anderes kleines Bild stellt die heil. Ca- tharina mit Schwert und Rad dar und im Grunde weite Landschaft; ein drittes, sehr schönes, zeigt den toten Christus am Fusse des Calvarienberges, von Maria und sieben andern Heiligen um- geben. Daselbst ist von Johann van Eyck noch das Bildnis eines jungen Mannes ohne Bart in einem braunen Pelzrock mit einer Mütze von besonderer Form.

Aus der Ambraser Sammlung in derselben Stadt ist ein Bild mit Adam und Eva in einer schönen Landschaft beim Baume der Er- kenntniss. Auf der Rückseite ist Genoveva grau in grau gemalt.

In der königl. Gallerie zu Dresden wird dem J. van Eyck Maria mit dem Kinde zugeschrieben. Vor ihr sitzt St. Anna im Lehrstuhle und im Grunde kommen zwei Männer. Dies Bild soll nur aus der Schule des van Eyck sein. DAa

In der Sammlung des H. Raths Abegg zu Mannheim befinden sich die Bildnisse Philipp des Guten von Burg und seiner Gemahlin Isabella von Portugal, beide wie ein Buch zu schliessen. Philipp hat einen schwarzen mit Agraffe und Edelsteinen geschmückten

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Eyck, Johann und Hubert van.

ten Hut auf und vor der Brust trägt er das goldene Vliess. Isa- bella ist sehr schön bekleidet, aber nicht so sorgfältig ausgemalt, als Philipp.

In der Galerie von Gotha ist von Johann van Eyck ebenfalls das Bildnis Philipp des Guten von Burgund, Brustbild im Anzuge eines Ritters des goldenen Vliesses, dessen Stifter er ist. Diesen Fürsten hat van Eyck öfter porträtiert; auf einem Bilde der Boiserce’schen Sammlung hat einer der, das Christkind anbetenden, Könige die Ge- sichtszüge desselben und auch in der Anbetung der Weise in Mün- chen hat der im Profil sich zeigende Kopf des ersten Königs unver- kennbare Ähnlichkeit mit Philipp dem Guten. Die meisten erkennen diesen Herzog auch auf einem Flügel des Genterbildes in Berlin, nur Passavant nicht, wie wir oben bemerkten. In der Gothaer- Galerie ist noch ein anderes Bildnis Philipp’s, von J. van Eyck gemalt, und eines solchen in Abegg’s Sammlung haben wir oben erwähnt. In der bezeichneten Galerie wird dem J. van Eyck noch ein Bild mit zwei Flügeln zugeschrieben, welches in der Mitte die Anbetung der Könige zeigt und zu den Seiten die Beschnei- dung und wie Maria das Kind anbetet.

Im königl. Museum zu Paris ist von J. van Eyck die Darstel- lung der Hochzeit zu Cana, ein sehr schön und reizend gemaltes Bild mit edlen Gestalten, welches aber Einige doch diesem Künstler nicht beilegen wollen. Dagegen aber erklärt man ein kleines Ge- mälde mit Maria, die ein Engel krönt, während St. Joseph das Christkind anbetet, für ein ächtes Werk des J. van Eyck. In die- ser Galerie ist auch das Portrait eines Mannes mit einer Krause als van Eyck’s Werk bezeichnet.

In Paris sind auch Handschriften mit Miniaturen, welche unter Philipp dem Guten in den Niederlanden verfertigt wurden. Ca- mus (Notices et extraits des manuscrits de la Bibliothèque Nationale IV. 117) glaubt, dass in einem handschriftlichen Auszuge aus

der Bibel mehrere Miniaturen von Margaretha van Eyck herrüh- ren dürften. Das Titelblatt, eine Federzeichnung, welches den heil. Hieronymus in einem gotischen Gebäude sitzend vorstellt, ist selbst der Hand des J. van Eyck würdig. Auch Willemin (Monuments français inédits, Liv. IX) ist derselben Meinung. Aus- serdem gibt er noch Malereien aus dem Roman: Renaud de Mon- tauban, der sich in der Bibliothek des Arsenals zu Paris befindet, für Arbeiten Johann’s an. Camus meint auch, dass die schönen Grau

in Grau Malereien eines Romans über Karl den Grossen von Jo- hann herrühren, oder dass sie wenigstens unter seiner Leitung aus- geführt wurden.

Doch ist jenes Gemälde von 1375, das sich in den Monuments de la monarchie française befindet und den Hubert van Eyck vor- stellen soll, wie er Karl V. ein Buch mit Gemälden überreicht, nicht von Hubert van Eyck, da dieser erst 1300 geboren wurde.

Es finden sich in verschiedenen Sammlungen noch mehrere andere Bilder, welche dem J. van Eyck zugeschrieben werden, allein nicht viele sind ächt, andere nur aus der Schule des Meisters. Sie alle zu verzeichnen verbietet der Raum; auch ist dieses mit Schwie- rigkeit verbunden, da der Privatbesitz nur zu häufig wechselt. Das Wichtigste über diese berühmten Meister haben wir in diesen Blät- tern gegeben, und zwar mit den verschiedenen Ergänzungen und Berichtigungen, die seit dem Erscheinen der biographischen Werke über die Van Eyck von Dr. Waagen und der Johanna Schopen- Kauer bekannt wurden. Letztere gab ihr Werk: Johann van Eyck

und seine Nachfolger. 1822 zu Frankfurt bei Wilmanns heraus,

und in demselben Jahre erschien zu Breslau Dr. Waagen’s Schrift

über Hubert und Johann van Eyck. Im Jahre 1824 gab derselbe Schriftsteller im Kunstblatte in mehreren Nummern nähere An- gaben.

Historien über diese Künstler finden sich überdies in verschiedenen Werken und auch bei Fiorillo im zweiten Bande der zeichnenden Künste in Deutschland. Es herrschen oft irrige Angaben, besonders in dem Artikel in Buret de Longchamp Fastes universel. Über die Kunst der Van Eyck und die Gestaltung derselben verbreitet sich neben Dr. Waagen auch Schnaase in den niederländischen Briefen, die 1834 bei Cotta erschienen, und die wichtigen Entdeckungen und Berichtigungen über diese Meister verdanken wir den gründlichen Forschungen des Hrn. de Bast’ in den verschiedenen Jahrgängen des Messager des Sciences et des arts, und auch in Dr. Schorn’s Kunstblatt sind solche 1824 Nro. 23 ff. zu lesen. Schon 1820 wurden in diesem Kunstblatte von Nro. 57 — 58 die Ansichten des Herausgebers und der Brüder Boisser Bezug auf die ästhetisch-künstlerische Würdigung des J. van Eyck niedergelegt, und auch Göthe hat sich im ersten Hefte über Kunst und Alterthum am Rhein und Main, doch nicht so ausführlich, darauf ausgesprochen. In den Jahrgängen von Dr. Schorn’s Journales und in Dr. Kugler’s Museum sind überdies noch andere Notizen über die Werke der Van Eyck und über die Richtung der Kunst jener Zeit zu finden. Besonders ist auch Passavant’s Kunstreise durch England und Belgien zu erwähnen, die 1833 zu Frankfurt erschien. Der Verfasser bezeichnete mehrere Werke der van Eyck und auch die Berichtigungen und Ergänzungen de Bast’s nahm er in selbes auf.

Nach diesen Quellen haben wir unsern Artikel über die Brüder van Eyck gegeben.

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