Cittadella, Alfonso, Bildhauer von Lucca, jener Künstler, der durch Vasari und dessen Nachschreiber unter dem Namen Alfonso Lombardi in die Kunstgeschichte eingeführt wurde. Genügendere Nachrichten über diesen berühmten Bildhauer des 14. Jahrhunderts haben wir erst seit 1834; in welchem Jahre zu Lucca ein Werk erschien, unter dem Titel: Intorno ad Alfonso Cittadella, esimio scultore lucchese; fin qui sconosciuto, del secolo XIV. Ragionamento storico di Carlo Frediani. In dieser Schrift ist urkundlich dargethan, dass Alfonso der Sohn des Nicolaus aus der Familie Cittadella von Lucca war und eine Urkunde im Archiv der Kirche S. Petronio zu Bologna vom Jahre 1537 nennt ihn: Alfonso Cittadella da Lucca, alias Lombardi.
Das Geschlecht der Cittadella behauptet noch jetzt in Lucca einen vor-
nahm Rang, und schon im 13. Jahrhundert blühte es unter dem
Namen degli Jacopi. Vasari hat daher nicht ganz Recht, wenn er
unsern Künstler seinen Luxus in der Kleidung vorwirft mit der
Bemerkung, dass dieses wohl Adeligen und reichen Leuten, aber
nicht Künstlern zustehe. Einer adeligen Abkunft kann sich Cittadella rühmen.
Sein Geburtsjahr ist unbekannt, und auch Malvasia’s und Cicognara’s Behauptung, dass Nicolo da Puglia sein Lehrer gewesen,
ist nicht sicher. Der Verfasser des bezeichneten Werkes findet es
wahrscheinlicher, dass Alfonso den Werken des M. Civitali und
deren des J. della Quercia in Lucca die ersten Eindrücke verdankte,
und dass er später Gelegenheit fand, diese in Ferrara unter einem
der Lombardi auszubilden und zu entwickeln. Man hat unsern
Künstler sogar zu einem Neffen jenes Pietro Lombardi gemacht,
der um 1460 blühte; wenigstens zeigt der Beiname „alias Lombardi“,
das er mit einem der Lombardi in einem näheren Verhältnisse ge-
standen, und dieses mag allerdings Pietro gewesen sein. Frediani
vermutet, dass neben dem unabhängigen Zusammenarbeiten beide
ein Familienband näher an einander geknüpft haben dürfte, das bis
an sein Lebensende fortdauerte, denn Vasari sagt, dass Sigismondo
Lombardi sein Erbe ward.
Alfonso arbeitete 1520 in Bologna, denn in diesem Jahre nennt
ihn schon eine Urkunde in S. Petronio dieser Stadt, indem sie ein
Basrelief mit der Auferstehung Christi erwähnt, und Mariette
glaubt in den Malerbriefen VI. 10. Ed. Mil., dass Cittadella schon
1504 an der Confession des Domes einige Arbeiten vollendet habe.
Ein umfassendes Werk von 15190, mit höchst ausdrucksvollen Kö-
pfen, ebenso meisterhaft in den Gestalten als in der Draperie, ist
das Begräbniss der heiligen Jungfrau im Oratorio della Vita zu Bo-
logna, das bei Cicognara, Storia della scultura II. tav. LV. abge-
bildet ist, und daselbst ist tav. 40. auch die oben erwähnte Aufer-
stehung des Herrn in Kupfer gestochen. Sie befindet sich über
dem Eingang der Seitenthore von S. Petronio. Man wusste früher
nicht, in welcher Zeit dieses Relief entstanden.
Cittadella besass auch ausserordentliche Kunst in Bildnissen von
Wachs, Gips und Marmor. In Marmor arbeitete er die Büste Kai-
ser Karl V., der sich 1530 zu Bologna krönen liess. Einige
Jahre später führte er das Monument Clemens VII. nach einem
Modell des Michelangelo aus, dem er auch bei der Arbeit seiner
grossen Statue Julius II. half. Überhaupt hatte Buonarotti einen
grossen Einfluss auf die Kunst des Cittadella, wie dieses in seinen
Arbeiten mehr oder weniger sichtbar ist.
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