Cignani, Carlo, Historienmaler , geb. zu Bologna ( , gest. da- selbst ). Dieser Künstler, der als der letzte Nassische Maler der bolognesischen Schule betrachtet werden kann, war der Sohn eines Edelmannes, der ihn in die Schule des Baista Cairo und nachher zu Francesco Albani schickte, unter dessen Leitung er große Fortschritte machte. Durch solchen Unterricht erkannte er sich nun auch auf das Studium der Werke Titian’s, Guido’s, Allegri’s und der Carracci, folgte aber keinem dieser Meister ausschliessend, sondern blieb immer originell. In Manchem ist er jedoch ein nicht unglücklicher Nachahmer des grossen Correggio, namentlich in zarter Gestaltung der Kinder. Cignani’s Ruf verbreitete sich frühe im Vaterlande, denn er fand schon in jungen Jahren Gelegenheit, im grossen Saale des öffentlichen Palastes seiner Vaterstadt seine Kunst zu zeigen. Hierauf verweilte er drei Jahre in Rom und malte da drei grosse Bilder für die Peterskirche und für S. M. della Valle. Nach seiner Rückkehr gab er in Bologna vielfältige Beweise seines Talentes; besonders ziehen in S. Michele in Bosco vier heilige Geschichten in Ovalen an, und zwei andere: Franz I., wie er Drüsenkrankheit heilt, und Paul’s Ul
Einzug in Bologna, findet man bezaubernd schön. Sein Ruhm ver- breitete sich auch im Auslande. Der Herzog Ranuccio Farnese zog ihn an seinen Hof nach Parma ein, und übertrug ihm die Aus- führung mehrerer Fresken. Darunter sind Bilder, die sich auf Amors Macht beziehen, im herzoglichen Gartenhause. Ranuccio war mit den Arbeiten des Künstlers so wohl zufrieden, dass er ihn in den Grafenstand erhob. Indessen stand Cignani auch bei Papst Clemens XI. in grossem Ansehen, und dieser ernannte ihn zum
Prinzipen der Akademie di Bologna. Im Jahre 16860 fand er Gele-
genheit, in einem großen Werke den ganzen Umfang seines
Talentes zu entwickeln. Es ist dieses die Darstellung der Himmel- fahrt Mariä in der Kuppel der Kirche Madonna del Fuoco zu
Forlì, voran der Künstler 20 Jahre arbeitete.
Er hinterließ ausserdem noch mehrere andere Werke, die ihm
Beifall gewannen. Seine Darstellung der Geburt Mariens im Dome zu Urbino nennt man ein erhabenes dichterisches Werk. Im Pal- lazzo Pitti ist von seiner Hand ein treffliches Nuovi ıne tangere. Auch für viele hohe italienische Häuser malte er, und selbst ins Aus- land kamen mehrere seiner Werke, namentlich an den König von Frankreich, an den Kaiser, den Churfürsten von der Pfalz u. s. w. Letzterer überhäufte ihn mit Ehrenbezeugungen, und für diesen Fürsten malte Cignani auch sein letztes Werk: die Geburt des Ju- piter. In der Theatiner-Kirche zu München ist von seiner Hand ein großes Gemälde, welches die heil. Familie mit einer Umgebung von Gliedern aus dem Stamme, welchem die Aeltern des Erlösers angehören. Dieses ist eines der vorzüglichsten Werke des Künst- lers, das ursprünglich für den Choraltar bestimmt war.
Es finden sich indessen auch anderwärts noch gute Bilder von Cignani. So ist in dem Johanneum zu Grätz die Darstellung von Cimon und Pero meisterhaft in Farbe und Zeichnung. Gleichen Rang verdient auch die Geburt Christi in der Eremitage zu St. Pe- tersburg, die aus Houghtonhall dahin kam; abgebildet bei Boydell. Mehrere seiner Werke zu verzeichnen verbietet der Raum, und wir bemerkennur noch, dass seine geschichtlichen Darstellungen sel- ten sind; weniger ist dieses der Fall mit seinen Madonnen und mit Bildern von einer oder zwei halben Figuren.
Cignani ist einer der ersten vier Maler seiner Zeit, ein mehr tiefer als äußerer Geist, immer unzufrieden mit der Beendigung. So malte er an einer Flucht nach Ägypten für die Gräfin Bighini zu Imola ein halbes Jahr, aber dennoch ist seine Arbeit nicht mühs- elig, immer von verdienstlicher Leichtigkeit. Er ist auch in der Anordnung zu loben, wobei er seine Figuren stets so zu verthei- len verstand, dass die Gemälde immer größer erscheinen, als sie sind. Im Gegensatz zur Verkürzung kümmerte er sich wenig; der Stil seiner Zeichnung ist aber gross und richtig, die Farbe kräftig und süss, anmuthig verschmolzen und das Ganze von schöner Harmo- nie. Besonders groß ist er im Hell-Dunkel und daher die ausser- ordentliche Rundung in seinen Bildern.
Cignani kam dem Maratti an Ruhm und Kunst am nächsten; Ja seine Gemälde thun mehr Wirkung, als die des ersteren.
Es wurden auch mehrere seiner Erzeugnisse in Kupfer gestochen, und ihm selbst schreibt der Winkler’sche Catalog das seltene Blatt einer Maria von Ägypten zu.
Über diesen Künstler handeln Lanzi I, 150. — Fiorillo I,
65% — Göthe in seinem Winkelmann, u. a.
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