Christen, Joseph, geschickter Bildhauer, geb. zu Buechs im Can-
ton Unterwalden 1700, zeigte schon in früher Jugend Liebe zur
Kunst, welche durch seinen Vater, einen Bauersmann, der Thiere
und Heilige in Holz schnitzte, genährt wurde. Im Jahre 1785 ging
er nach Luzern und lernte dort bei dem Bildnissmaler Würsch, die
Zeichenkunst , wobei er sich auch in der Bildnissmalerei versuchte.
Mehr als diese Kunst zog ihn jedoch die Sculptur an, worin schon
seine ersten Arbeiten ein großes Talent verriethen. Diese waren
ein sechs Fuß hoher hölzerner St. Nikolanus von der Flue, für eine
Landkirche bestimmt, und vier große Löwenköpfe, welche an der
Emmenbrücke angebracht sind.
Im Jahre 1788 ging er nach Rom und verweilte dort unter Trip-
pels Leitung drei Jahre mit geringer Unterstützung, verliess aber
dann desto reicher an Kenntnissen die Hauptstadt der Kunst, um
im Vaterlande sich seinen Unterhalt zu verdienen. Er verweilte an-
fangs in Zürich und zu Stanz, späterhin zu Bern , wo er sich ver-
heiratete, und liess sich zuletzt in Basel nieder. Hier beschäftigte
er sich, in Ermangelung wichtiger Aufträge, vorzüglich mit Büsten
und Bildnissen in Medaillons von Marmor, Alabaster und gebrannter
Erde, welche sowohl in Hinsicht der Ähnlichkeit, als der Aus-
führung vortrefflich zu nennen sind. Im Jahre 1791 verfertigte er
das Monument des vom Col de Balme zu Tode gestürzten Escher
von Berg aus Zürich, und später die schöne Gruppe in Ton, welche
Angelica und Medor vorstellt, und ursprünglich für Burkard im
Hirschgarten zu Basel bestimmt war, nachher aber in größeren
und kleineren Formaten für Kunstliebhaber ausgeführt wurde. Dieses
Werk ist voll Zierlichkeit und Anmut, und zeigt das begei-
sterte Studium nach den alten Werken der Kunst, das sich in allen
Arbeiten dieses Künstlers offenbart. Von vorzüglicher Schönheit
und Reinheit der Ausführung ist auch die aus dem Ei sich hervor-
arbeitende Cythere, welche Christen nach H. Keller’s Erfindung
ausführte.
Unter seinen Büsten verdienen ausgezeichnetes Lob: die des
Salomon Gessner und des Schweizerhelden Hans von Hallwyl, in
übernatürlicher Größe. Die Büsten von Pestalozzi und Pfeffel, die
er für den König Ludwig von Bayern verfertigte, gehören zu den
besten Werken neuerer Sculptur; letztere befindet sich in der Glyp-
tothek. Neben diesen verdienen auch noch mehrere andere Werke
dieses Künstlers rühmliche Erwähnung.
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