Chesseus, Anton

Chesseus, Anton, der ältere, von Antwerpen , einer der vorzüg- lichsten Maler des 15. Jahrhunderts, dessen Lebensverhältnisse aber unbekannt sind. Von ihm besitzt die Akademie zu Brügge zwei ausgezeichnete Gemälde, die ehemals die Wanderung durch das französische Museum gemacht haben. Sie stellen das Urtheil des Cambyses vor. Auf dem einen lässt der .humF einen falschen Richter ergreifen, auf dem andern schiuden. Haltung und Farbe sind kräftig, die Schatten stark braun, die Zeichnung richtig, da- bei aber fehlt ein gewisses Leben, sowohl in der Farbe als in der Behandlungsweise, Eigenschaften, die seinem Vorgänger Hemlin in so hohem Grade eigen sind. Die Bilder haben die Jahreszahl 1408. Eine ausführliche Beschreibung derselben siehe Fiorillo D. 21. 331.

Auf dem Rathhause zu Brügge ist ein Gastmahl, bezeichnet: Anton Claessens me, fertig 1574, und auch in der Frauenkirche da- selbst sind mehrere gute Bilder, die unter dem Namen der Claes- sens gezeigt werden. Diese Familie scheint überhaupt eine Reihe von Malern hervorgebracht zu haben, wenigstens trifft man häufig in Kirchen spätere Bilder mit älteren Reminiscenzen ohne bedeutenden Kunstwerth, die Künstlern dieser Familie angehören dürf- ten, unter denen Anton der ältere ist. Letzterem wird in der Aka- demie ein jüngstes Gericht zugeschrieben, allein hier ist die mo- derne oberflächliche Manier schon so sehr überwiegend, dass man es gerne jüngeren Künstlern zuschreiben müchte, vielleicht dem Peter Claessens, von welchem in der Sammlung des Prinzen von Oranien ein braves Bild eines knienden Ritters mit vier Söh- nen sich befindet.

Anton folgte in der perspektivischen Anordnung, in der reiche- ren Gruppierung, selbst in den einzelnen Tönen noch mehr oder weniger der alten Schule, aber die sanfte Harmonie des Ganzen fehlt völlig. Sie wird nach Schnaase (Niederländ. Briefe 331) da- durch zerstört, dass die Charakteristik und Naturwahrheit der ein- zelnen Gestalten zu sehr hervortritt, die nun durchaus greil und hart erscheint. Dennoch haben seine Bilder für manche einen Reiz, den Schnaase dadurch erklärt, dass die portraitartigen Ge- stalten dieses Meisters mit den scharfen, sprechenden flamändischen Zügen, in höchst bestimmt gezeichneten Umrissen, bei mäßiger Modellierung und geringer Verschmelzung der Töne uns die Welt des ‚gemeinen Lebens zeigen, den Kampf widerstreitender Inter-

eisen in einem schärferen gesteigerten Lichte. Sie üben daher, nach
Schnaase’s Ansicht, eine Anziehungskraft, wie auch im Leben ge-
wisse Gestalten, ohne besonders schön oder hässlich zu sein, bloss
durch den Ausdruck scharfen Verstandes, unbeugsamen Willens.

Mit den nachfolgenden Künstlern der Familie Claessens erlosch
die Neigung für das Alte.

Ausser Schnaase, dessen treffliches Werk 1834 bei Cotta erschien,
erwähnt auch Passavant in seiner Kunstreise durch England und
Belgien S. 354 dieses Künstlers.

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