Cavallini, Pietro

Cavallini, Pietro, ein Römer, Maler, Mosaikist und Architekt , der unter den neuern römischen Künstlern in der Geschichte der Ma- lerkunst bedeutenden Ruf erlangte. Er war nach dem Zeugnis des Vasari des Giotto Schüler und half demselben an dem großen Mosaikgemälde in der Vorhalle der St. Peterskirche. Der Pater Della Valle (Anmerkung zur Sieneser Ausgabe des Vasari II. 105) will seinem Stil zufolge in ihm vielmehr einen Schüler der Cos- maten vermuthen, die Herausgeber der neuesten Beschreibung Roms (I. 472) glauben hingegen in Cavallini’s Werken unläugbare Ver- wandtschaft mit der Giotto’schen Schule zu erkennen, obgleich er dem Taddeo Gaddi und andern toskanischen Künstlern derselben Zeit keineswegs gleichgesetzt werden kann. Cavallini blühte in Rom in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts während des Auf- enthalts der Päpste zu Avignon und hinterließ viele Malereien in den Kirchen Roms, die aber alle zu Grunde gegangen sind, die jetzt in der Paulskirche bei dem Brande im Jahre 1823. Gegen- wärtig sieht man in Rom von ihm noch Mosaiken an der Vorder- seite der erwähnten Kirche und einige andere in der Tribune von S. Maria in Travestere. Die letzten sind besser als jene erhalten, und lassen daher seinen Stil am besten erkennen. In Rom sind auch Bildwerke von Cavallini. Vasari schreibt ihm nämlich das wunderthätige hölzerne Crucifix zu, das bei dem Brande der Pauls- kirche unversehrt geblieben. Nach einem andern Crucifixe dieses Meisters führte eine Kapelle in St. Peter den Namen del Crucifisso, die jetzt Capella della Pietà genannt wird, von Michel Angelos be- rühmtem Bildwerke.

Cavallini arbeitete auch in Florenz und es haben sich daselbst noch zwei Verkündigungen in S. Marco und S. Basilio erhalten. In Orvieto malte er auf Befehl Urban’s IV. die Kapelle der hl. Hostie. Diese Bilder sind noch hinreichend erhalten und nicht ohne Ausdruck, wie man in dem Bilde sieht, wo der hl. Thomas von Aquin die geweihte Hostie einer Frau darreicht, die sich für die Mutter Gottes ausgab, indem er ihr sagte: Si mater dei es, hunc filium tuum adora, wodurch die Betrügerin entlarvt wurde. Auch in Assisi finden wir den Cavallini als Maler mit einem Wandgemälde. Es stellt eine Kreuzigung vor mit vielen und mannigfaltigen Figuren aller Völker dergleichen, zu Rosse und zu Fuss, oben, vom Himmel hernieder, die Engel klagend und anbetend: alles in der lebhaftesten Bewegung, und den reichsten und glän- zendsten Farben und darüber das strahlende Saphirblau des Him- mels. Man bemerkt in diesem Gemälde schon das Bestreben, den Figuren Erhebung und natürliche Mienen zu geben und sie in freiern und angenehmern Stellungen zu erhalten. An einem der Schächer zeigt sich auch schon richtige Verkürzung. Das Wappen des Herzogs Qualtieri von Athen verkündet etwa den Urheber des Gemäl- des. Vgl. Witte, das Sacro Convento zu Assisi, im Kunstblatt 1821. Nr. 46. Vasari redet auch von einem wunderthätigen Madonnenbilde von Cavallini’s Hand, bestimmt aber den Ort nicht, wo sich dasselbe

befindet. Es scheint dieses die berühmte und noch jetzt so gefei- erte Verkündigung in der Servitenkirche (dell’ Annunziata) zu Flo- renz zu seyn. Richardson III. S. 142 sagt von diesem Bilde irrig, dass die hl. Jungfrau in Ohnmacht dargestellt sei, und er ist noch

mehr im Irrthume, wenn er dies für die beste Darstellungsweise der Verkündigung erklärt, da sie weder für den Gegenstand pas- send ist, noch mit der heiligen Schrift übereinstimmt. Die er-

wähnte Madonna sitzt ruhig, mit etwas emporgewandtem Haupte,

und in ihrer Miene drückt sich so gut, als nur Rafael es gekonnt hätte, ihre gänzliche Ergebenheit in den göttlichen Willen aus. Nach Lami und LanzI I. 11., deutsche Ausgabe, ist dieses Bild um 1236 von einem Meister Bartolomeo gemalt. Keine moderni- sirte Nachbildung desselben befindet sich in dem Hause des Licen- tiaten Werner zu Augburg. Vegl. Speth Kunst in Italien, I. 202 ff. Nach Vasari lebte Pietro Cavallini um 1564 und starb in einem

Alter von 85 Jahren. In Manni’s Ausgabe von des Baldinucci no-

tizie IL 14. wird das Sterbejahr dieses Künstlers auf 1344 gesetzt. Er wurde in der St. Paulskirche zu Rom begraben.

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