Carrenno, Juan de Miranda

Carrenno, Juan de Miranda, trefflicher Historien- und Portrait- maler, wurde 1614 zu Avilés in Asturien geboren. Sein Vater, aus einer vornehmen Familie entsprossen, sah die entschiedene Neigung, welche der Sohn zur Malerei hatte, und übergab ihn daher dem Unterrichte des Pedro de las Cuevas zu Madrid .

Juan machte unter diesem Meister grosse Fortschritte im Zeich- nen, aber noch größere in der Malerei, die er bei B. Roman er- lernte und schon in seinem 20. Jahre mit Geschick übte. Aus dieser Zeit ist ein Gemälde im Kloster der Maria von Arragonien und einige andere im Convente Rosario. Von dieser Zeit an gewann er immer mehr an Achtung und erlangte zuletzt den Ruf eines der er- sten Maler seines Landes.

Die Stadt Avilés ernannte ihn zum Richter und der Adel in Madrid übertrug ihm dieselbe Stelle; aber Velázquez, der ihn eines Tages mit ihm ganz irrenden Dingen beschäftiget sah, wandte ihn wieder der Kunst zu, indem er vorgab, dass er seiner Hülfe bei den Arbeiten des Königs bedürfe. Carrenno malte nun im königl. Palaste im Saal der Grazien die Fabel des Vulkan, die des Epime- theus und der Pandora , welche er jedoch eines unglücklichen Fal- les wegen nicht ganz vollenden konnte; doch gefiel das Werk Philipp V. so sehr, dass er ihm den 27. September 1669 den Titel eines königl. Malers erteilte. F. Rizi vollendete das letzte Gemälde.

Mit diesem Künstler malte Carrenno mehreres. In der (Jubiläums-)Kirche zu Toledo ist von beiden eine in Fresco verzierte Kapelle, wofür die Künstler 6500 Dukaten in Gold bekamen. Auch das Sakrista- oder das Sanctuarium der Frauen-Kirche schmückten sie mit Gemälden für den Preis von 4500 Dukaten.

Nach dem Tode des Sebastian de Herrera ernannte Karl II. unseren Künstler zum Hofmaler, und war ihm, wie sein Vorgänger, in Gnaden gewogen; denn Carrenno erwarb sich durch seine Gemälde die Achtung Jedermanns und besonders die des Königs. Der junge Monarch fragte eines Tages den Maler, als dieser so eben das Bildnis seines Herrn gemalt hatte, was er für einen Orden besitze, und die Antwort des bescheidenen Künstlers war: „Señor! ich bin Euer Diener.“ Der König ließ ihm sodann die reiche Decoration des heil. Jakob überreichen, allein der Künstler nahm sie nicht an. Seine Freunde und die Professoren seiner Kunst machten ihm alle Vorwürfe wegen dieser Handlung, weil sie in dieser Auszeichnung nicht nur den Mann, sondern selbst die Kunst geehrt glaubten. Allein Carrenno antwortete ihnen: „Die Malerei bedürfe keiner Ehrenbezeugung, sie könne ja selbst Jedermann ehren.“ Der König ertheilte ihm auch noch die Erlaubniss, jenes Kleid tragen zu dürfen, dessen sich der Monarch am grünen Donnerstage bediente, einen durch Sanchez IV. von Castilien geheiligten Gebrauch, den auch Karl V. aufrecht erhielt.

In seiner Manier folgte er dem Van Dyck; man sollte glauben, der junge König hätte auf die verweigerte Annahme des St. Jakobsordens dem Künstler seine Gnade entzogen, allein Karl fuhr fort, seinen Maler zu ehren und liess mehrmals sein Portrait durch ihn fertigen; er verbot sogar jedem Künstler, sein königliches Bild ohne Erlaubniss Carrenno’s zu malen. Er porträtierte auch den Jum d’Austria und den russischen Gesandten, der 1602 zu Madrid war. Carrenno malte ebenfalls jenes Bild des Königs in der Rüstung, welches bei seiner Vermählung mit Louise von Orleans nach Frankreich geschickt wurde.

Nachdem Carrenno eine bedeutende Anzahl von Gemälden verfertigt hatte, starb er zu Madrid im September des Jahres 1685, und hinterließ viele Schüler, die in ihm ihren Vater beweinten. Er unterrichtete mit einer Güte, die nicht ihres Gleichen hat, wies sie auf ihre Fehler hin, und half ihnen selber verbessern. Unter Carrenno’s Schülern sind J. M. Cabezalero, J. Donoso, F. J. Ruiz de la Iglesia, J. de Ledesma, und L. de Sotomayor.

Das Verdienst dieses Künstlers besteht in einer feinen und kräftigen Zeichnung, und in einem anmutigen Colorit, dessen Vortrefflichkeit er dem fleissigen Studium nach Van Dyck's Werken verdankt. Seine Skizzen sind mit Freiheit entworfen, und beweisen ein fruchtbares Talent in der Erfindung, sehr auch mit technischer Fertigkeit. Velázquez, besonders im Portraite.

Man kennt von Carrenno auch mehrere geätzte Blätter, die im Auslande selten, aber, wie Palomino versichert, von großem Wert sind. Seine Gemälde findet man in Toledo, Alcalá, Paratuellos, Alarcón, Orgaz, Peñaronda, Almeida, Pamplona, Victoria, im Escorial, in den Palästen und Tempeln von Madrid, in S. Ildefonso, Plasencia, Bejar, Guadalajara und Segovia. Auch in den Händen der Kunstfreunde sind Bilder von ihm. Im Auslande sind sie selten. In der Eremitage sind vier schöne Bilder von Carrenno: der heil. Damianus in Begeisterung, die Überreichung der Schlüssel von Granada an Ferdinand den Katholischen, die Taufe Christi und das Bildnis eines spanischen Herrschers. In den übrigen ausländischen Sammlungen trifft man oft kaum ein ächtes Gemälde von diesem Künstler.

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