Carpi, Hugo da, Maler und Formschneider in Hell-Dunkel, der Sohn des Pfalzgrafen und Notars Astolfo da Panicho, wie aus einer Rechnung bei Tiraboschi erhellet, wo sich unser Künstler figlio del Conte Astolfo de Panicho nennt. Der Geburtsort Hugo’s ist nicht mit Bestimmtheit anzugeben; Einige bezeichnen Rom und Moudena als denselben, es dürfte aber Carpi auf diesen Künstler
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Anspruch machen, wohin sein Vater gegen das Ende des 15. Jahr- hunderts zu Parma zog. Auch das Jahr der Geburt ist unbestimmt, und die Angabe bei Rost, dass er um geboren, ohne zurei- chenden Grund. Nur so viel ist gewiss, dass er schon arbeitete und noch lebte. Als Maler zählt man ihn unter Rafaels Schüler, er machte aber keine glücklichen Fortschritte und verlegte sich daher auf die Formschneidekunst. Demnach sind die Gemälde dieses Künstlers äußerst selten, nur in dem Vestiario der Sakristei der St. Peterskirche zu Rom wird noch eine heil. Veronica zwischen den Aposteln Peter und Paul von ihm aufbewahrt. Das Bild befand sich ehemals am Altare del Volto santo der alten Kirche, und soll dasselbe sein, das Hugo da Carpi mit den Fingern malte, von welchem Michelangelo ganz kaltblütig sagte, als man ihm selbes
- }f - * .. - als ein grosses Meisterstück zeigte: „der Maler würde es mit dem
Pinsel weit besser gemacht haben.“
Hugo wird von vielen italienischen Schriftstellern für den Erfin- der des Hell-Dunkels im Holzschnitte gehalten, dagegen eignen diese Kunst die Deutschen ihren Landsleuten zu, doch wurden die zwei verschiedenen Arten des Hell-Dunkels selten von einander unter- schieden. Die Erfindung, zwei Stücke anzuwenden, gebührt den Deutschen; denn schon die Anfangsbuchstaben in den drei mit be- weglichen Lettern gedruckten Ausgaben des Donat sind mit zwei- farbigen Holzstöcken gedruckt. Auch scheint der deutsche Meister Joh. Ulrich Pilgrim weit älter zu sein, als Hugo da Carpi. Von den Holzschnitten, welche von Letzterem bekannt sind, trägt kei- ner eine frühere Jahreszahl als 1518, wogegen von verschiedenen deutschen Meistern Werke bekannt sind, welche frühere Jah- reszahlen tragen. Daraus ergibt sich, dass diese Manier in ver- schiedenen Provinzen Deutschlands schon früher ausgeübt wurde, die Manier aber mit mehreren Stöcken zu drucken glaubt Bartsch (XNIL _ 6. Auleitung etc. I, 266) unwidersprechlich dem Hugo da Carpi zuzueignen zu dürfen, da von keiner Nation eine Arbeit
° dieser Art bekannt sei, welche eine frühere Jahreszahl als 1518 “‘trüge. Wenn die Jahrzahl hier Schiedsrichter sein soll, so ge- bührt wieder den Deutschen die Ehre, denn Heller versichert (Holz- schneidek. S. 753), dass der Ptolemäus von 1513, welcher zu Straß- burg bei Joh. Schott erschien, und die Charte von Lothringen in demselben, mit drei Formen gedruckt wurden.
Hugo da Carpi war ein vorzüglicher Zeichner, der in seinen Blättern den tiefsten inneren Gehalt, den ganzen frischen Hinwurf der Idee des Vorbildes auf das Lebendigste reproduziert und den Charakter der Formen, den Sinn der Bewegungen, den vollen pi- kanten Effekt der Lichter und Schatten gleichsam auf die Platte hingezaubert hat. Sie sind auf graues und gelbes Papier abgedruckt und in guten Abdrücken selten. Der größte Teil hat weder seinen Namen, noch den des Zeichners, und daher ist die Bestimmung der Werke dieses Meisters nicht immer sicher, indem Anton da Trento, Andreas Andreani u. a. in eben dieser Manier gearbeitet und ihre Blätter auch nicht bezeichnet haben.
Bartsch beschreibt 31 Stücke von diesem Künstler; die vorzüg- lichsten sind:
Diogenes nach Parmesano, Melldunkel von vier Platten, nach
‘Vasari das Schönste, was Hugo je fertigete. H. 17 Z. 6 L., Br. 12 Z. 8 L. \ /
Wurde bei Auktionen zu 2, 4 und 6 Rithlr. bezahlt.
Ananias, nach Rafael. H. 19 Z. 7 L., Br. 14 Z. 2 L.
Galt bei Frauenholz 135 fl.
Der Tod des Ananias, nach demselben 15318. H. 9 Z., Br. 14 Z.
Carpi, Hugo da.
In den ersten Abdrücken fehlt der Name des Formschneiders, die zweiten sind mit: Raph. Urbinas per Ugo. da Carpi bezeichnet, und in den dritten erscheint die Inschrift nicht mehr. Bei Frauenholz im ersten Drucke 16 fl.
David enthauptet den Goliath, nach Rafael. H. 9 Z. 8 L., Br. 44 Z. 3 L. Helldunkel: sehr selten.
Die ersten Abdrücke sind ohne Namen des Malers und Form- schneiders, die zweiten mit demselben, und auf den dritten fehlt der Name Carpi.
Die Abnehmung vom Kreuze, nach Rafael. H. 13 Z. 5 L., Br. 10 Z. 4 L. (Winkler 5 Rthl.)
Die Geburt der Maria, nach Giulio Romano, trefflich gezeichnet und geschnitten. Helldunkel von zwei Platten. H. 12 Z., Br. 13 Z. 10 L.
Der Kindermord, nach Rafael, die nämliche Composition, die Marc-Anton so schön gestochen hat. H. 10 Z., Br. 15 Z. 6 L. Helldunkel von drei Platten, von vollendeter Ausführung und so selten, dass man dieses Blatt im größten Theil der reichsten Sammlungen nicht findet. (Praun 25 fl.)
Man darf dieses Werk nicht mit einem anderen verwechseln, welches man irrig dem Hugo da Carpi zuschreibt. Man liest auf diesem: RAPH AEL. S URBI HUGO. Christus bei dem Pharisäer, nach Rafael. In Mantua 1600 Die ersten Abdrücke sind ohne das Zeichen des Herausgebers Andreani.
Die Darstellung im Tempel, nach J. Romano, ein sehr schönes Blatt. H. 12 Z. 10 L., Br. 33 Z. 10 L. Helldunkel von 2 Platten.
Studie zu der Figur des Archimedes. H. 16 Z. 6 L., Br. 13 Z. Helldunkel von 4 Platten, vortrefflich und äußerst selten. Man schreibt es dem Parmesano zu.
Eneas rettet seinen Vater aus den Flammen Trojas, 1508. H. 19 Z. 7 L., Br. 14 Z. 2 L. Helldunkel von drei Platten, nach asari eines der Hauptblätter unsers Künstlers. Es gibt davon eine gute Kopie, die man daran erkennt, dass die Worte: Ra- phael. Urbinas...... impresa, 1518 nicht durch Punkte abge- sondert sind.
Herkules mit dem Löwen. H. 11 Z., Br. 8 Z. 3 L. Helldunkel von 2 Platten und sehr selten.
Saturnus, nach Parmesano. Helldunkel von 4 Platten.
Die zweiten Abdrücke tragen die Chiffre des Andreani und die Worte: In Mantua 1604.
Der Neid, von Herkules aus dem Tempel der Musen getrieben, nach Balth. Peruzzi. H. 11 Z. 2 L., Br. 8 Z. 6 L. Helldunkel von größter Schönheit, von 2 Platten, und selten in ersten Drucken. Die zweiten erlitten eine geschmacklose Veränderung.
Rafael und seine Geliebte, nach Rafael. H. 6 Z. 6 L., Br. 5 Z. 8 L. Helldunkel von 3 Platten; sehr selten.
Die Ärnte, eine allegorische Figur, nach J. Romanus. H. 7 Z. 8 L., Br. 8 Z. 8 L. Helldunkel von 2 Platten, im Geschmacke eines Basrelief, sehr gut gearbeitet.
Elimas mit Blindheit geschlagen, nach demselben; qu. fol.
St. Hieronymus, nach Parmesano; fol.
Johannes und Petrus nach demselben; fol.
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