Cambiaso, Luca, Historienmaler von Genua, genannt Luchetto da
Genova oder der ligurische Correggio, den er glücklich nachahmte,
geb. 1527, gest. 1580 oder 85, nach Andern erst 1588. Er lernte
bei seinem Vater Giovanni, und bildete sich später zu Rom nach
Rafael’s und Mich. Angelo’s Werken zum geschickten Künstler.
Er hatte schon als Junge von 15 Jahren eine unglaubliche mechanische Fertigkeit und vollendete erstaunungswürdige Werke in einem gigantischen Stil. Auf Anrathen seines Freundes, des Baumeisters Alessi, verließ er diese erste Manier, zog die Natur fleißiger zu Rathe, und bemühte sich, mehr Grazie, Anmuth und ein gefälligeres Colorit zu erreichen. In dieser zweiten Manier, welche er ungefähr 12 Jahre befolgte, sind drei seiner schönsten Werke: die Martyrien des heil. Georg, welches für sein bestes Bild gehalten wird, das Martyrium des heil. Bartolomäus, beide zu Genua, und sein Sabinerraub in Terralba, einer Vorstadt Genua ’s, von welchem Mengs sagt, dass er die Logen im Vatikan nirgends so, wie in diesem Gemälde gefunden habe. Er malte auch andere verdienstliche Bilder, besonders für Sammlungen, darunter mehr freie als andächtige.
Als ihm seine erste Gattin durch den Tod entrissen wurde, und
er den Pabst Gregor XIII. vergebens um die Erlaubnis gebeten hatte,
seine Schwägerin heiraten zu dürfen, verfiel er in tiefe
Schwermuth, welche sich auch in seinen, um diese Zeit verfertigten Gemälden auffallend ausspricht. Sie sind leicht und schnell, ganz im Geiste seiner ersten Arbeiten, es fehlt ihnen an Zierlichkeit und Anmuth, die man in seiner blühenden Zeit bewunderte. Um eben diese Zeit starb Castello; er wurde daher nach Spanien berufen, um im Escurial unter Philipp II. die Gemälde seines alten Mitschü- lers Castello zu vollenden. Er folgte dem Rufe aus der Absicht, um durch den König die Dispensation bei dem Papste zu erlangen, malte auch mehreres in Spanien und schien sich zu erheitern, bis ihn seine Hoffnung auch hier täuschte; denn man rieth ihm, von dieser Angelegenheit bei dem Könige zu schweigen. Hierauf ver- fiel er wieder in seine vorige Schwermuth und starb 2 Jahre dar- nach aus Gram.
Cambiaso malte mit beiden Händen zugleich mit unglaublicher Schnelligkeit, ohne vorher durch Skizzen oder Zeichnungen die Ausführung seiner Gedanken geprüft zu haben. Er war fruchtbar an immer neuen Bildern, sinnreich in den schwierigsten Verkür- zungen. Anfangs fehlte es ihm an gründlicher Kenntnis der Per- spektive, bald aber bemeisterte er sich dieser Wissenschaft mit
Hilfe seines Freundes Castello, und verbesserte durch ihn auch sein Colorit und den Geschmack in der Anordnung. Er lieferte zu- gleich nicht wenig Werke mit ihm, die sich ganz gleichen. Cam- biaso wird oft wegen seiner ausgearteten Manier wenig geachtet, jedoch verdient er dieses nicht immer, denn er erscheint zuweilen auch in vorteilhaftesten Lichte, wie dieses namentlich mit der Maria mit dem Kinde der Fall ist, die in neuester Zeit Granaro gestochen hat. Hier erinnert er im Ausdrucke der Köpfe an Cor- reggio. Vorzügliches leistete er in den 12 Jahren seiner zweiten Manier, und es ist zu bedauern, dass er dieselbe verliess.
Zwei vortreffliche Bilder mit Venus und Adonis sind im k. Mu- seum zu Neapel.
Im Escurial hinterliess er viele Bilder; namentlich wird das Pa- radies gelobt. Fiorillo III. 270. II. 868. Lanzi III. 258. d. Ausg. Seiner erwähnt auch U. Folieta in den Clar. Ligurum Elogiis. Ro- ma 1573 p. 250 und Marino in seinen Gedichten.
Cambiaso soll auch in Holz geschnitten haben. Einige dieser Blätter sind mit: Lucas Januensis inuen. bezeichnet, und andere haben das Monogramm eines L, in welches ein C verschlungen ist, allein sie sind wahrscheinlich nur nach Cambiaso’s Zeichnung von einem ungenannten Künstler verfertigt, welcher zum Zeichen die Buchstaben GG. N. F. hat. Manchmal tragen die Holzschnitte nach Cambiaso’s Zeichnung auch die Buchstaben P. S. F., welches Hei- necke irrig für Petrus Stefanonius fecit erklärt, denn es bedeutet nur: Petri Stefanoni formis. Brulliot dict. des monogr. Nouv. ed.
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