Cades, Joseph, ein römischer Maler, von französischen Eltern ge- boren, widmete sich, mit grossem Talente begabt, zu Rom der Kunst und war elfige Jahre der Schüler von D. Corvi aus Viterbo . Er ist besonders empfehlenswerth wegen seines Nachahmungstalents
tes, das der Gesellschaft gefährlich wird, wenn Rechtschaffenheit und Sitte es nicht begleiten. Kein Schriftverfälscher hat alle Züge und Schwünge der Buchstaben so gewandt nachgeahmt, als er, selbst unvermuthet, die Gesichter, das Nackte, die Behleidung, den ganzen Charakter jedes belobten Zeichners nachahmte. Einst machte er eine Zeichnung nach rafaelischer Weise, um den Vor- steher einer fürstlichen Gallerie zu enttäuschen, der sich für einen untrüglichen Kenner rafaelischer Hand ausgab. Er liess sie ihm durch eine Mittelsperson mit einem Mährchen über die Abkunft der Zeichnung zukommen und der Kenner kaufte sie für 500 Ze- chinen. Als Cades sie ihm wieder geben wollte, weigerte sich der Andere und behielt die Zeichnung, die er trotz aller Betheuerun- gen für echt hielt, und sie ward in eines der berühmtesten euro- päischen Cabinette aufgenommen (in Dresden , wie Ticozzi angibt). Cades erkannte dieses Talent in sich schon in früher Jugend, und bei Gelegenheit einer Bewerbung machte er eine Zeichnung von seiner Erfindung, ohne sich nach Corvi zu richten, der sie anders haben wollte, weshalb er auch damals diese Schule verliess. Diese Zeichnung aber erhielt den Preis und ist noch in der Lukasakade- mie vorhanden und berühmt. Auch im Colorit verdankte er münd- lichem Unterrichte wenig, viel seinem angeborenen Nachahmungs- Talente. Im Jahre 1787 zeigte er seine Geschicklichkeit in einem Altarbilde, das für Fabriano bestimmt war, aber in die Apostel- kirche kam. Es stellt im obern Theile die heil. Jungfrau mit dem göttlichen Kinde vor, und unten fünf Heilige, ein Bild, welches auf die Wahl Clemens XIV. anspielen soll. Desswegen ist der hl. Clemens in der Mitte, zur Rechten der hl. Karl, der durch seine Geberde sagen zu wollen scheint: der verdient Papst zu werden, und zuletzt der heil. Papst Innozenz, der den P. Meister vorstellte und hier nach Erforderniss seine Stelle dem Cardinal S. Carlo ab- treten musste. Im Hintergrunde waren die Heiligen Franziscus und Antonius in nicht ganzen Figuren angedeutet. Cades nahm sich Titians Gemälde im Quirinal zum Vorbilde und ahmte es in Zu- sammenstellung, wie im Colorit, nach. In dem letzteren in der That nur zu sehr, indem er auch das Braune wiedergab, welches die Zeit dem Bilde verlieh, weshalb er getadelt wurde, ebenso wegen des Fehlers in der Perspektive in der symbolischen Figur des Papstes Innozenz, die rücklings hinstürzen zu wollen scheint. Andere Fehler im Colorit, im Costüm oder in den gemeinen For- men hat der Verfasser der memorie per belle arti an mehreren Bil- dern von diesem Künstler gerügt; allein er verbesserte diese immer mehr. Sehr schön ist daher die Geschichte des Grafen Walter von Angers, der als Bettler zu London vor dem Hause seiner Tochter Violante um ein Almosen bittet. Dieses Gemälde ist in allen Thei- len, besonders in der Zeichnung und im Ausdruck der Köpfe so wohl gerathen, dass es der Fürst Borghese in seine Villa Pinciana aufgenommen hatte. Ausser Borghese brauchten ihn auch die Rus- sische und Chigi zur Ausschmückung ihrer Landhäuser und Pal- äste, und nicht wenig malte er für den Kaiser von Russland nach Moskau.
Cades starb noch vor dem fünfzigsten Jahre um 1801, wenige Jahre, nachdem er auf den bessern Weg gerathen war. Nach ei- nigen Kunstrichtern fehlt ihm noch größere Einheit des Stils, in- dem er noch zuweilen auf einem Gemälde so viel verschiedene Meister nachahmte, als es Figuren hatte. Lanzi I. 535. d. Ausg,
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