Byström, Johann Nikolaus, ein berühmter Bildhauer, geboren zu Philippsstadt 1735, gegenwärtig Professor der Akademie der bildenden Künste zu Stockholm .
Er war von seinen Eltern zur Handelschaft bestimmt, gab aber nach dem Tode derselben seinem Hange, den er zu der Kunst nährte, nach, und widmete sich derselben unter Sergel zu Stock- holm, dessen Ansehen in der Kunst für unbegrenzt galt,
Da die Natur dem jungen Künstler, nebst einem gesetzten und milden Charakter, zugleich ein gefälliges Äussere verlieh, so ge- wannen diese Eigenschaften ihm bald des Meisters Achtung, so
Byström, Johann Nikolaus.
dass er mit besonderer Aufmerksamkeit lehrend sich zu ihm neigte, und seinen Unterricht mit allem Fleiss ihm angedeihen liess. Drei Jahre studirte Byström unter Sergel’s Leitung, theils nach Antiken, theils nach der Natur; jedoch nie wollte es der bescheidene Mei- nester erlauben, dass der Schüler etwas nach seinen Werken copirte, indem er solche, um als Normen für das Studium zu dienen, für unfähig erklärte, daher er ihn vielmehr zur Nachahmung der An- tiken, als der sichersten und reinsten Muster, anwies. Im Jahre 1810 kam B. in Rom an, wo er sich in allem Ernst der Praktik in Marmor widmete, und diesen schwierigen Theil der Kunst in kur- zer Zeit überwand, so dass er in etlichen Jahren zu denjenigen gehörte, die mit meisterhafter Sicherheit und Freiheit diesen Stoff zu beherrschen wissen. An Aufmunterung fehlte es dem jungen Künstler nie; bedeutende Glieder des schwedischen Adels und an- dere vermögliche Personen beschäftigten durch ansehnliche Auf- träge den Genius des Künstlers. Sergel’s Schätzung gegen diesen seinen Lieblingsschüler ging so weit, dass er ihn als den Würdig- sten erklärte, sein Nachfolger zu sein, und durch seinen Einfluss bewirkte, dass in einem königl. Dekret die Wohnung und Werk- stätte, die Sergel bei seiner Zurückkunft aus Rom auf Kosten der Regierung sich erbaut und eingerichtet hatte, Byström zugesichert wurden. Diese teure Hinterlassenschaft nach Sergel’s Tod in Be- sitz zu nehmen, und zugleich auch noch einen anderen Plan auszuführen, wozu Byström in der Stille schon alles vorbereitet hatte, bewog ihn im Jahr 1815 eine Reise nach Stockholm zu un- ternehmen. Sergel hatte in seinen letzteren Schreiben mit einem so lebhaften Enthusiasmus von den grossen Eigenschaften des neu- erwählten Kronprinzen gesprochen, dass bei dem jungen Künstler das Verlangen aufblühte, die Aufmerksamkeit eines so erhabenen Mäcenaten besonders auf sich zu ziehen. In dieser Hinsicht ver- fertigte er die Statue von diesem Helden in colossaler Grösse, das Haupt ausgenommen, welches er unbeendet liess, um solches in Schweden nach der Natur heimlich zu vollenden. Dieser Plan ge- lang ihm auch auf das Glücklichste, indem er bei seiner Ankunft in Stockholm nicht allein das Bildnis des Kronprinzen, sondern auch die des Königs und der Königin modellirte. Nun voll- endete er die Statue und stellte solche eines Tages, da er bei dem Kronprinzen zur Tafel geladen war, unvermutet ihm als einen Be- weis seiner hohen Ehrfurcht vor. Dieser Zug erregte bei dem Prin- zen die bezieltete Wirkung. Er dankte nicht allein dem Künstler für eine so angenehme Überraschung, sondern erklärte auch, dass alle Arbeiten, welche Byström nach eigener Laune künftig verfertigen werde, er als die seinigen betrachte, und ertheilte hiebei ihm den bestimmten Auftrag zur Verfertigung von drei colossalen Sta- tuen, welche die drei glorreichen Zweige aus dem herzoglichen
Hause Zweybrücken, die Könige Carl X., Carl XI. und Carl XII.
vorstellen. . .
Die erste Figur, welche Byström in Rom modellirte, und bald darauf auch in Marmor ausführte, war eine liegende, trunkene Bacchantin, halb lebensgross. Sie erhielt so vielen Beifall, dass er sie dreimal wiederholen musste. Weitere Arbeiten des Künst- lers sind: Ein berauschter Amor, der sich der Attribute des Wein- gottes bemächtiget hatte, in natürlicher Größe; Bacchus in natür- licher Größe (später als Gegenstück der Ariadne); eine Tänzerin lebensgross; Venus, die, um in das Bad zu steigen, ihre Haare aufbindet, in natürlicher Größe; die schlafende Juno, an deren Brust der junge Herkules saugt, lebensgross; Apollo der Cither- schläger, in natürlicher Größe; die Statue des Königs von Schwe-
Byström, Johann Nikolaus. — Cabays. 963°
den; die colossale Büste dieses Monarchen u. s. w. Alle diese Ar- beiten modellirte und vollendete der Künstler mit eigener Hand.
Im Jahre 1821 kehrte Byström zum zweitenmale von Rom nach Schweden zurück, ging aber in den folgenden Jahren noch einmal nach Rom, und verliess diese Stadt erst 1820. Von dieser Zeit an beschäftigte er sich im Vaterlande, und gross ist die Anzahl von Werken, die er bereits geliefert hat. Die vorzüglichsten sind: die Gruppe der Juno, die der Künstler dreimal wiederholte, und wo- von im königl. Schlosse Rosenberg ein Exemplar ist; die Harmo-
nie mit Hymen und Amor, im Besitze des Freiherrn Ridderstolpe in Stockholm; zwei badende Jungfrauen, die eine im Besitze des Lords Normanton in England, die andere in der Sammlung des Grafen Brahe in Stockholm; die Victoria, im Besitze des Königs von Schweden; Karl XII. in colossaler Grösse und in dem ihm eige- nen Costüme trefflich ausgeführt; die colossale Statue Karls XI und Karls XIV.; Pandora in natürlicher Grösse; Hygiea, eben so; Venus; ein trunkener Amor und eine Tänzerin, alle drei in na- türlicher Grösse; Bacchus und Ariadne, in natürlicher Grösse und im Besitz des Obersten von Montgommery; mehrere Büsten und Basreliefs; die Statuen des Heilandes und der drei theologischen Tugenden im Dome zu Linköping etc.
Byström arbeitet mit eben so grosser Leichtigkeit, als großem Fleisse. In der Darstellung von üppiger Grazie und Lebens- frische wird er von Wenigen übertroffen, und daher werden seine weiblichen und kindlichen Figuren besuonders geschätzt. Weniger sollen ihm männliche Gestalten gelingen; sie könnten bedeutungs- voller aufgefasst sein. Sein Stil der Gruppirung ist rein, gefällig und sinnreich. Er betrachtet die Natur mit den antiken Normen als den Kreis, in dem sich allein das Trefliche und Vollendete in der Kunst nach jedem Prinzip sicher erreichen lasse, weil das Wahre und Schöne als die trefflichste Unterlage für jeden Styl gilt. Seine Werke sind entfernt von affectirter Naivetät und ge- schmücktem Liebreiz, reine Eingebungen seiner Phantasie. Man- che seiner Arbeiten, z. B. der berauschte Amor, die Gruppe von der schlafenden Juno, die colossale Büste des Königs von Schweden, dürfen sowohl in Hinsicht der Erfindung, als der trefflichen und schönen Bearbeitung ihrer Theile, neben dem Besseren, was die Plastik in neuerer Zeit geliefert hat, ehrenvoll stehen.
So wie Schweden an Sergel einen der ersten Hersteller des gu- ten Geschmackes in der neueren Plastik ehrt, so besitzt es in By- ström einen Bewahrer des reinen Styls dieser Kunst.
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