Byss, Johann Rudolph, geb. zu Solothurn 1660 von adeligen Eltern aus dem altrömischen Geschlechte de Bysonibus, welches durch Unfälle so verarmte, dass er schon in früher Jugend sein Vaterland verlassen und an fremden Orten sein Glück versuchen musste. Einige glauben, er sei in den österreichischen Staaten lange herumgezogen, habe sich durch Fleiss und genaue Nachah- mung der Natur einen grossen Ruhm erworben, und 1604 zu Pra niedergelassen; Füssli aber (Bd. II. 225 der Schweizer Künstlerä meint, Byss sei frühzeitig nach Italien gekommen, wo er vielleicht die Malerkunst erlernt, und durch seine Geschicklichkeit sich in
einiges Ansehen gesetzt habe. Die erste Spur seines Aufenthaltes
zu Rom , wo er den 18. März 1700 den Pantoffel P. Clemens XI
geküsst hat, ergibt sich aus einem Breve. Im Jahre 1704 wurde
er vom Kaiser Leopold I. nach Wien gerufen, die Decken des grossen Audienzsaales und al fresco auch die der Bibliothek zu bemalen, wodurch er sich den Ruf eines grossen Künstlers, die höchste Zufriedenheit des Kaisers und des ganzen Hofes erwarb. Leider ging das schöne Deckengemälde der Bibliothek wieder zu Grunde, indem das ganze Gebäude wegen der ausserordentlich stei- genden Bücherzahl niedergerissen und durch ein grösseres ersetzt wurde.
Im Jahre 1712 (oder wahrscheinlicher ) folgte er der Einla- dung des Mainzer Churfürsten und Bamberger Fürst-Bischofs, Lo- thar Franz von Schönborn, in dessen Dienste als erster Hofmaler und Kammerdiener , welch letzteren Charakter einst alle Hofmaler geist- licher Fürsten sich zur Ehre und zum besondern Vortheile rechneten, zu treten. In dieser Eigenschaft malte er auf dem Schönborn’schen Schlosse Gaibach ein Paradies, in welchem er sehr viele Thiere höchst lebhaft vorstellte, und wodurch er so allgemeine Bewunde- rung erntete, dass der Künstler sich selbst übertroffen zu ha-
ben schien. Bei der gleichzeitigen Vollendung des zu Pommersfel- den erbauten Schlosses wurde ihm die Oberaufsicht über die da- selbst zu errichtende Gemäldegallerie übertragen, wodurch er die schönsten Lorbeern zu sammeln Gelegenheit hatte. Er wohnte wäh- rend dieser Zeit bis zum Tode des Churfürsten theils zu Bamberg, theils zu Pommersfelden.
Byss malte eben so gut al fresco als in Öl. In der Wiener Gal- lerie befindet sich von ihm eine heilige Familie und der heil. Jo- hannes mit seinen Eltern, beide auf Holz gemalt und mit Archi- tektur geziert, 10 auf 12 Zoll gross. Zu Pommersfelden sind von ihm mehrere Bilder in Öl und Fresco, von denen einige vorzüg- lich gerühmt sind.
In der Pfarrkirche St. Gangolph ist der sterbende Joseph am Eingange ober der Thüre des nördlichen Turms; in der St. Ste- phans Pfarrkirche zu Bamberg war eine schöne Copie der Grable- gung Christi, nach Van Dyck.
In der Gallerie zu Schleissheim sind historische Landschaften und Blumen von ihm.
Auch in der Düsseldorfer Gallerie befanden sich schöne Bilder von Byss. Man kennt von ihm ebenfalls ein geätztes Blatt: einen Genius, welcher ein Gemälde aufdeckt, vorstellend.
Byss wurde wegen seiner Kunst überall sehr geschätzt, wegen seiner Talente von grossen Herren mit vielen Gnaden überhäuft, und mit goldenen Ketten und Medaillen beschenkt. Er hatte ein
Vorsicht
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