Buonacorsi, auch Bonacorsi

Buonacorsi, auch Bonacorsi, genannt Perino oder Pierino del Vaga, berühmter Maler, geb. zu Florenz , gest. zu Rom 1541. Andrea de’ Ceri, ein mittelmäßiger Maler, unterrichtete ihn in den Anfangsgründen der Kunst, bis er in die Schule des Ridolfi Ghirlandajo kam, wo er bedeutende Fortschritte machte. Später nahm ihn der florentinische Maler Vaga als Gehülfen zu sich, und hierauf kam er in gleicher Eigenschaft zu Perino, weshalb er den Beinamen Perino del Vaga erhielt. In Rom nahm ihn Rafael unter seine Schüler auf, und hier wurde er neben Francesco Penni und Giulio Romano der innigste Freund und Hausgenosse des Meisters, so wie er überhaupt nach Giulio die bedeutendste Stelle unter Rafael’s Schülern einnimmt. Er leistete dem Johann da Udine bei den Malereien der rafaelischen Logen Beihilfe, und vorfertigte nach Rafael’s Zeichnung die Sockelbilder in Chiaroscuro unter den Fenstern. Diese stellen Gegenstände aus der heil. Schrift vor, aber sie zeigen nur noch wenige Spuren ihres ehema- ligen Daseyns, und ihre Compositionen sind daher nur durch die Kupferstiche des Santo Bartoli der Nachwelt erhalten. Ihm schreibt Vasari auch die meisten der unter Paul III. in der Stanza della Segnatura ausgeführten Sockelbilder zu, allein einige neuere Schrift- steller halten diese für Werke des Polidoro da Caravaggio, wäh- rend andere hierin mehr den Stil del Vaga’s erkennen wollen. Von ihm sind ebenfalls die historischen und allegorischen Male- reien im grossen Saale des Turre di Borgia, und in einem Zimmer dieses Gebäudes, bekannt als der Ort, wo auf Pius IV. Befehl der Cardinal Caraffa hingerichtet wurde, ist ein schöner Fries, wel- cher mythologische Scenen vorstellt, ein ganz unbekannt geblie- benes Werk des Perino del Vaga. Dieser Künstler war zugleich

auch ausgesucht und unermüdlich in Ausführung des kleinsten
Zierwerkes; er und Johann da Udine haben der Grotteske klassi-
sche Vollendung gegeben, und im Stucco schätzte man ihn der
Antike gleich. Von ihm sind die Stuccaturen im Tonnengewölbe
der Sala regia im Vatikan, die zwar in Hinsicht der Ausführung
vortrefflich sind, in der Erfindung aber und in der Anordnung
keinen vorzüglichen Geschmack verrathen, indem die Cassonetti
ein plumpes und schwerfälliges Ansehen haben.

Bei der Plünderung Roms (1527) wurde Buonacorsi zum Gefan-
genen gemacht, und nur ein großes Lösegeld konnte ihm seine
Freiheit wieder verschaffen. Hierauf verließ er Rom, und arbeitete
in Pisa, kam aber nach Roms Unstern wieder zurück, um seine
Arbeiten zu beginnen; aber sein eigentlicher Wirkungskreis ist in
Genua zu suchen, wo Perino lange lebte. Das, was Giulio nach
dem Vorbilde des Vatikans in Mantua geleistet, hat Del Vaga
in Genua zu Stande gebracht, wo er im Palast Doria den Ruhm
seiner Schule verewigt hat. Er stellte hier Geschichten ausgezeich-
neter Römer dar, Kindercherze, an der Decke den Riesenkrieg
gegen die Götter. Rafael war überall sein Muster, nur ist er im
Ausdruck nicht so trefflich, und auch in der Anmut weicht er
diesem Meister; auch ist er nicht so vollendet. Im Nackten
hielt er sich an Michel-Angelo, dessen Manier er mit jener Rafaels
zu vereinigen strebte. Sein Colorit ist braun und die Schatten dunkel,
undurchsichtig. Er ist aber groß, kühn und feurig in seinen historischen
Entwürfen, aber dieses Feuer riss ihn oft zu Verzeichnungen hin.
Dennoch ist er berühmt als Zeichner, und seine Zeichnungen stehen in
hohem Preise. Indessen darf man ihn nicht mit Rafael vergleichen,
wenn man ihm auch das volle Lob eines tüchtigen Meisters einräumt.
Er hat, wie auch andere Schüler Rafaels, die Malerei von keiner
eigenthümlichen Seite aufgefasst, mehr die äussere Form, als den
Geist seines großen Lehrers.

Del Vaga hätte indessen der nach Rafaels Tod gesunkenen Ma-
lerei wieder aufhelfen können, wenn er so viel Gemüth als Geistesgröße
gehabt hätte. Aber er war nicht so großherzig, als sein Meister; er
lehrte neidisch, arbeitete habgierig, nahm daher jede theuere und wohlfeile
Arbeit und ließ sie auch auf Kosten seines Ehrgefühls von jungen
Leuten ausführen. Er suchte die bessern Talente an sich zu bringen,
aber bloß, damit sie von ihm abhingen, ihn nicht um Aufträge und
Gewinn brächten. Viel brauchte er den Lucio Romano, und auch den
Marcello Venusti einige Zeit. Bei seinen Arbeiten in Genua standen
ihm auch Pordenone, Beccafumi, Siciolante u. a. zur Seite.

Del Vaga hat die heidnische Fabel mit Talent und schönem
dichterischen Geiste in zahlreichen Werken behandelt, und viele
Zeichnungen gefertigt. Zu letzteren gehören die ziemlich freien
Liebesgeschichten der Götter, welche Caraglio in Kupfer brachte.
Seine nach ihm gestochenen Blätter, meistens von älteren Meistern,
sind zum Teil von äusserster Seltenheit. Das reichhaltigste Ver-
zeichnis der nach ihm gefertigten Stiche findet man im Winkler’schen
Catalog No. 3268 — 3503.

Seine vielen Arbeiten, bei einem ziemlich ausschweifenden Le-
ben, verkürzten seine Tage; er starb eines Abends zu Rom, als
er eben mit einem seiner Freunde auf der Straße sprach.

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