Bree, Matthäus Ignatius van, vorzüglicher Maler, geb. zu Ant- werpen , hatte in der Zeichen- und Malerkunst den W. Schae- ken zum Lehrer, und gewann auf der Akademie die vornehmsten Preise. Später begab er sich zur Ausbildung seiner Talente nach Paris , wo er bis zu seiner Rückkehr ins Vaterland unter Vincent eifrig studierte. Im Jahre 1812 brachte er zu Amsterdam ein Bild
Bree, Matthäus Ignatius van.
mit lebensgrossen Figuren zur Ausstellung, welches die athenischen Jünglinge vorstellt, die durch das Lotsen entscheiden, wer dem Minotaurus zur Beute werden soll. Dieses Gemälde, im Besitze des Königs, fand grossen Beifall, und nicht weniger sein Bürgermeister van der Véerß', der zur Zeit der Hungersnot dem murrenden Volke zurief: „Nehmt meinen Leichnam und theilt Euch darein!“ Auch dieses Bild, jetzt im Stadthause zu Lüttich, ist von grosser Umfange, und gefertigt. Es ist fleissig ausgeführt, gut gezeichnet und schön coloriert, und in der theatralischen Auffassung, welche die niederländischen Maler beibehalten haben, weniger auffallend. Andere treffliche Bilder dieses Künstlers sind: Der Tod des Cato, sein Coucursstück 1790, das bereits grosse Hoffnung erregte; der Herzog von Braunschweig auf dem Todebette, für Baron v. Keverberg gemalt; die Abreise des Rezulus; Wilhelm I. von Oranien vor ’s-Hertogenbosch, gestochen in den Annales du Salon de Gand par de Bast S. 65; die Taufe des heil. Augustin in der Augustiner-Kirche zu Antwerpen , ein kräftig coloriertes, nicht ganz in der gewöhnlichen theatralischen Manier gefertigtes Werk; Graf Egmont, wie er vor der Hinrichtung durch den Bischof Bithovius Trost erhält; das Grabmal des Nero bei Rom, mit einer Gruppe von Lazzaronis und Musikanten, ein kleines Bild, das man 1830 auf der Ausstellung sah. Im Museum zu Antwerpen ist ein sehr grosses Gemälde, welches er 1825 herstellte, und zwar zu solcher Zufriedenheit, dass ihm das Museum zu Amsterdam eine silberne Palette mit den Grundfarben in Gold gefasst überreichte. Es stellt den grossen Rubens dar, sterbend in einem Armsessel, umgeben von weinenden Verwandten, vor denen er sein Testament diktiert. Die Verdienste dieses Bildes sollen nicht ausgezeichnet sein; die Zeichnung der Figuren ist nachlässig, steif und eckig, die Gruppirung leidlich, aber die Beleuchtung matt. Im Ton und in der Haltung findet man es lobenswerth, im Colorit aber und im Ausdrucke ist wenig Kraft, nichts Ergreifendes. Dieses Gemälde hat auch in einer Kritik, welche zu Amsterdam in holländischer Sprache erschien, wenig Gnade gefunden. Kein köstliches Werk aber ist dasjenige, welches ebenfalls den Rubens vorstellt, wie er von Madame Moretus dem Justus Lipsius vorgestellt wird. Dieses Bild befindet sich in der Sammlung des Grossherzogs von Sachsen-Weimar, welcher 1819 das Atelier des Künstlers besuchte. Abgebildet in den Annales du Salon de Gand S. 54. Trefflich ist auch der Pendant: Johannes Secundus, welcher Karl V. vorgestellt wird.
Neben der Malerei widmet dieser Künstler auch der Lithographie seine Aufmerksamkeit, und auch in der Bildhauerkunst ist er nicht unerfahren, wie einige glückliche Proben beweisen. Im Jahre 1820 gab er ein grosses Zeichenbuch in lithographierten Blättern heraus.
Dieser Künstler ging stets auf seinem eigenen stillen Wege vorwärts, und erreichte ein würdiges Ziel. Er componirt mit Leichtigkeit grosse historische Scenen, und weiss ihnen Wahrheit und Abwechslung zu verleihen. Seine Gemälde könnten indessen mehr Mannigfaltigkeit haben, aber die gefühlvolle Art, mit der er einzelne Situationen darstellt, seine wohlüberlegten Gruppen und der edle Geist, der aus seinen Hauptgestalten spricht, fesseln unwillkürlich; Dabei ist sein Colorit frisch, und sein Pinsel kühn und markig.
Van Bree ist erster Professor an der Akademie der schönen Künste zu Antwerpen, und Direktor derselben, Mitglied des Institutes zu Gent, Hofmaler des Erbprinzen und Ritter des belgischen Löwenordens.
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