Bonvicino, Alessandro. — Bonvoisin, Jean . 47
wähnt in Carpi’s Leben bloß seiner Geschicklichkeit, jeden Altar- sammet, Gould- und Silberstoffe nachzuahmen, und scheint daher die würdigsten Werke dieses Künstlers nicht gesehen zu haben. In der Akademie zu Venedig ist ein großes Bild von Alessandro: Christus, welchem Magdalena die Füße salbt, mit der Inschrift: Alexander Moretus Bris. f. M.D.XV. Dieses Gemälde verrät dem Grauen und kalten Colorit nicht die Schule des Titian, die Charaktere sind auch unedel, und der Ausdruck schwach. Es muss also wohl aus des Künstlers frühester Zeit herrühren. Dagegen zeigt sich die blühende Farbe des venetianischen Coloristen in einem Zimmer des Hauses Martinengo zu Brescia, das Moretto laubartig al fresco ausgemalt, und mit weiblichen Bildnissen aus der Familie geziert hat. In den übrigen Gemälden, die man von ihm in Brescia sieht, ist er weniger warm in der Färbung, aber mehr edel, ernst und ecklig, und man erkennt sowohl hierin, als im strengen Stil der Formen, die veränderte Stimmung des Künst- lers, wenn auch nicht eigentliche Nachahmung der römischen Schule. In S. Nazaro befindet sich eine Krönung Mariä, worauf neben mehreren Heiligen der heil. Erzengel steht, eine Figur, des Rafael’s würdig. Seine Neigung zum Tiefsinnigen zeigt sich in einem andern Bilde ebendaselbst, das Mysterium des Abendmahls vorstellend. Zum Ehrengedächtnis des vaterländischen Künstlers bewahrt das Rathhaus zu Brescia zwei Bilder von ihm, eine heil. Familie und eine Passion, wovon das letztere besonders wegen der einfachen Grossartigkeit des Gedankens und der tiefen Wahrheit des Aus- druckes merkwürdig ist. Christus in ganzer Figur sitzt allein, die Blässe des Todes hat sein Antlitz und seinen Leib überzogen, seine Farbe ist fast zu grau und marmorartig. Hinter ihm, etwas höher, hält ein Engel, voll Trauer herniederschauend, ein ausgebreitetes, in wenigen Falten herabsinkendes Tuch. Die Figuren stehen weit auseinander, und die Composition ist wie zufällig, auch das Colo- rit mehr grau und eintönig; aber eben diese Einfachheit und see- lenvolle Wahrheit machen das Ganze zu einem ergreifenden Bilde. Weniger glücklich scheint der Meister in einem andern, jedoch nicht ganz gut erhaltenen Gemälde in St. Giorgio zu Verona, wo er die heil. Cäcilia mit mehreren heil. Frauen, und oben die Mut- ter Gottes mit dem Kinde dargestellt hat. Es trägt die Jahrzahl 1540 und des Künstlers Namen, Lanzi II, 109. Kunstblatt 1823, No. 4. Dr. Schorn.
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