Benvenuto blies nun die Flöte, aber er fand kein Vergnügen daran, und als er dieses dem Vater sagte, ward jener untröstlich, denn er glaubte den Sohn auf der ihm vorgezeichneten Bahn zum ersten Ritter in der Welt zu machen. Cellini beschloss nun ein Gold- schmied zu werden, allein er lernte nur zum Teil diese Kunst, denn er musste noch immer gemäß seinem Willen den größten Theil der Zeit mit Blasen hinbringen, bis er endlich in seinem fünfzehnten Jahre in die Werkstätte des Goldschmieds Andrea Sandro trat. Hier holte er in wenig Monaten die besten Gesellen ein, und nur seinem Vater zu liebchen blies er noch auf der Flöte und auf dem Hörnchen, worüber der Alte Thränen vergoss. Ben- venuto fuhr nun fort, sich in der Goldschmiedskunst zu vervoll- kommnen und sich in der Zeichnung nach Michel Angelo’s Wer- ken zu bilden, und begab sich dann nach Rom , wo er in die Werk- stätte des Firenzuolo di Lombardia trat. Bei diesem Meister machte er ein Kästchen nach einem marmornen Sarkophag, als Tafelauf- watz, dessen sich der Meister rühmte, weil er aus seiner Werk- stätte hervorgegangen. Nach zwei Jahren kehrte er wieder nach Florenz zurück, besuchte aber bald wieder Rom und fand hier Ge-
Cellini, Benvenuto.
legenheit, durch Empfehlung des Francesco Penni, für den Bischof von Salamanca zu arbeiten, und besonders rühmte der Künstler eine in Gold gefasste Lilie von Diamanten, die er für Porzia, die Gemahlin des Gismonda Chigi, in dessen Hause er studierte, ge- fertigt hatte. Um diese Zeit blies er auch vor Clemens VII., und zwar zu solcher Zufriedenheit, dass ihn der Papst, wegen der be- stehenden Fähigkeit als Goldschmied und Musikus, in Dienste nahm. Cellini jagte dessenungeachtet mit allem Eifer seiner Kunst ob; und fertigte mehrere treffliche Werke für den bezeichneten Spanier; auch für die Cardinäle Cornaro, Rudolph und Salviati arbeitete er, und besonders war Porzia Chigi die Ursache, dass sich der Künstler, wie er selbst gesteht, in der Welt als Etwas gezeigt hatte; Er fuhr fort, für diese treffliche Frau zu arbeiten, und auch die Freundschaft des Gabriel Cesarini, Gonfaloniere von Rom, gewann er, und fertigte für ihn viele Werke, unter diesen eine grosse Medaille von Gold mit der Leda, an einem Hute zu tragen.
Zu dieser Zeit übte sich Benvenuto als zweiundzwanzigjähriger Jüngling auch im Stahlstempelschneiden, um Münzen zu prä- gen, und ebenfalls die Kunst des Emaillierens ließ er sich angelegen seyn. Seine ersten Arbeiten in der Stempelschneidekunst waren größere Cardinalssiegel nach Art des Lautitio. Vielerlei waren die Werke, welche Benvenuto für mehrere Personen vollendete, denn er suchte sich mit Sorgfalt und Fleiß in verschiedenen Künsten zu üben; er ahmte selbst türkische, mit Silber damascierte Dolche nach, auch eiserne, schön mit Gold eingelegte Ringe machte er, nach Art derjenigen, welche in alten Graburnen gefunden wurden, und welche damals Mode waren. Zu dieser Zeit bediente man sich auch goldener Medaillen, worauf ein jeder Herr und Edel- mann irgend eine Grille oder Unternehmung vorstellen liess, und sie an der Mütze trug. Dergleichen machte er viele und brachte auf denselben zwei, drei und selbst vier Figuren an.
Im Jahre 1527 unterbrachen die kriegerischen Vorfälle in Rom seine Thätigkeit als Künstler. Der Herzog von Bourbon nahm die Stadt ein und ließ sie plündern. Letzterer fand an den Mau- ern Rom’s seinen Tod und zwar durch eine Kugel, die Benvenuto auf ihn schoss, wie sich der Meister selbst rühmt. Er war ein tüchtiger Schütze und desswegen fand er zu damaliger Zeit im Castel Santo-Angelo eine Anstellung als Bombardier, in welcher Eigenschaft er sich ausserordentlich hervortat. Der Prinz von Oranien fiel durch einen seiner Kanonenschüsse. Nach der Kapi- tulation kehrte Cellini nach Florenz zurück, blieb aber da nicht lange und reiste nach Mantua, wo er den Giulio Romano traf, der ihn dem Herzog empfahl. Letzterer trug ihm auf, ein Modell zu machen, zu einem Kästchen, um das Blut Christi darin aufzuneh- men, welches Longin nach Mantua gebracht haben soll. Das Mo- dell von Wachs gefiel dem Herzoge ausserordentlich wohl. In Mantua schnitt Benvenuto auch das Siegel für den Bruder des Herzogs, den Cardinal, und fertigte für ihn zugleich andere kleine Arbeiten. Nach vier Monaten verließ er Mantua wieder und be- suchte Florenz, wo unterdessen sein Vater und die meisten seiner Bekannten an der Pest gestorben waren. Hier fertigte er für F. Ginori eine Medaille mit dem Atlas, der die Himmelskugel trägt, welche später an Franz I. nach Frankreich kam. Mittlerweile folgte der Künstler dem Ruf des Papstes nach Rom, und dieser drang ihm auf, den Kopf des Pluvials in getriebenem Golde zu ma- chen. Man sah auf demselben, in Gestalt eines mässigen Tellers in halb erhobener Arbeit Gott den Vater, und überdies ward das Werk mit einem schönen Diamanten und mit kostbaren Edelsteinen
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