Bei den Kapuzinern in Parma ist seine große Kreuzabnahme, die jeden großen Jünger der Parmenser Schule herausfordert, aber noch berühmter ist der heil. Rochus, ein Inbegriff der Vollkommenheiten mehrerer Künstler. Dieses Bild malte Annibale für Reggio, von wo es nach Mudena und endlich nach Dresden kam.
Ein herrliches Gemälde ist auch der tote Christus im Schoße der Mutter in der Gallerie Doria, und ein Hauptwerk ebenfalls
die gleiche Darstellung unter den 11 Gemälden im königl. Museum zu Neapel .
Zur Zeit Napoleons kamen an die dreißig Carracci'sche Gemälde aus Italien nach Frankreich , und darunter auch die Himmelfahrt Mariä; es bestanden sich aber 1817, nach der Zurückgabe der entführten Kunstschätze, noch 24 Gemälde von den Carracci im pariser Museum.
Auch Dresden besitzt außer dem heil. Rochus noch mehrere andere Werke von unserm Künstler. Viel Vortreffliches ist in den Gallerien Wiens, und in Berlin , wo besonders die vier Apostel geschätzt werden; mehrere Gemälde Annibales sind in England zerstreut.
Etliche schöne Werke von ihm findet man auch in der Eremitage zu St. Petersburg , darunter Christus und die Samariterin, welche dem größeren Bilde in Gotha gleichen dürfte. Auch drei Landschaften sind in der Eremitage.
Mehrere andere seiner Bilder findet man noch in verschiedenen Kirchen und Gallerien des In- und Auslandes.
Schliesslich erwähnen wir die herrlichen Fresken im Palaste Farnese zu Parma, welche, von einem vormaligen Herzog des anstössigen Gegenstandes wegen übertüncht, vor einigen Jahren abgedeckt wurden. Diese Gemälde, von deren Daseyn man zufällig Kenntnis erhielt, stehen den berühmten Bildern der Farnesina in Rom an Verdienst nicht nach. Auch sind die Gegenstände nicht
so unmoralisch, dass sie ihre Vernichtung rechtfertigen könnten.
Lanzi Gesch. der Malerei, Odevaere im Kunstblatt 1828 Nr. 13., Beschreibung Roms von Platner, Bunsen etc., Dr. Boisserde im Kunstblatt 1823 Nr. 27., Von der Hagens Briefe in die Heimath, Speth l. c. und zerstreute Notizen.
Annibale hat auch in Kupfer gearbeitet; Bartsch XVIHM. 180 beschreibt 18 Blätter von seiner Hand, ein zweifelhaftes und sechs fälschlich ihm zugeschriebene. Die ersten Arbeiten von 1581–82 sind sorgfältig gestochen und denen des Agostino ähnlich, weshalb man sie lange für Werke des Letzteren hielt. Gegen 1502 hat er sich der Radiernadel bedient, und des Stichels nur zur Vollendung der Platten. Sie sind mit A. C. oder dem Namen des Künstlers bezeichnet. Auch sind sie der verständigen und geschmackvollen Behandlung wegen sehr gesucht, nur muss man sie nicht mit jenen des Bellavia verwechseln. S. diesen Artikel.
Der tote Heiland auf dem Schoße der Maria oder Christus
von Caprarola, H. 4 Z. 0 L., Br. 6 Z. Die ersten Abdrücke sind bezeichnet: Caprarolae 1507, die zweiten: Annibal Caracci fe. Caprarolae 1507 (5 bis 5 Rthl.).
Jupiter und Juno 1502. H. 5 Z., Br. 8 Z. 53 L.
Eine heilige Familie, 1500. H. 6 Z., Br. 8 Z. 1 L. Die späteren retouchierten Abdrücke dieses schönen Blattes erkennt man da- ran, dass das C im Namen in gleicher Linie mit ar steht, wel- ches in den ersten Drücken der Fall nicht ist.
Susanna mit den beiden Alten. H. 11 Z. 8 L., Br. 11 Z. 3 L. Sehr selten. Die ersten Abdrücke sind vor aller Schrift. Bei Frauenholz 18 fl., bei Winkler und Brandes 4 Rtlr.
Maria mit dem Kinde von Engeln verehrt. H. u. Br. 3 Z. 4 L. Die ersten seltenen Abdrücke sind vor der Adresse des Ste- fanoni. Die Copie von der Gegenseite ist ohne Namen und Zeichen.
Jesus mit der Dornenkrone 1606. H. 6 Z. 7 L., Br. 5 Z. Die ersten seltenen Abdrücke sind vor dem Namen des Künstlers, Prevost 44 Fr. Bei Weigel ist ein Abdruck vor der Adresse um 4 Thlr. ausgeboten.
Eine heilige Familie, wo Johannes weint, weil ihm der kleine Hei- land einen Vogel weggenommen hat, 1587. H. 5 Z. 9 L., Br. 4 Z. 5 L. Dieses Blatt wird gewöhnlich „la vierge à l’hirondelle“ (Maria mit der Schwalbe) genannt.
Die Anbetung der Hirten. H. 4 Z. 4 L., Br. 3 Z. 11 L. Die ersten seltenen Abdrücke sind vor der Schrift, die zweiten tra- gen die Adresse des N. v. Aelst. Die täuschende Copie er- kennt man an der Bezeichnung A. Carr., denn im Originale ist der Name ausgeschrieben. Bei Weigel ist ein Abdruck vor der Adresse für 4 Thlr. ausgeboten.
Ein Crucifix, 1581. H. 18 Z., Br. 13 Z.
Dieses Blatt wurde fälschlich dem Augustin Carracci zugeschrieben.
Die säugende Madonna, geätzt, Durchmesser der Höhe 3 Z. 2 L., jener der Br. 2 Z. 5 L.
Die heilige Familie mit der Schale, 1606. H. 4 Z. 7 L., Br. 6 Z. Die späteren Abdrücke haben die Adresse des v. Aelst.
Die heilige Jungfrau nach Baroccio. H. 8 Z. 10 L., Br. 6 Z. 5 L.
Dieses gestochene Blatt rechnet man gewöhnlich unter Augustin’s Stiche. Es ist bezeichnet: Ani. fec.
St. Michael, 1582. H. 17 Z., Br. 10 Z. 10 L. Malvasia und Gori schreiben dieses Blatt irrig dem Augustin zu. St. Hieronymus mit der Brille lesend. H. 5 Z. 7 L., Br. 3 Z. 3 L. Hieronymus in der Wüste schlägt die Brust mit den Steinen. H. 5 Z. 0 L., Br. 7 Z. Die Abdrücke vor dem Namen des Künst- lers sind sehr selten. Die darauf befindlichen Buchstaben P. S. F. bedeuten: Petri Stefanoni formis. Die alte Copie von der Gegenseite hat die Jahrzahl 1646.
Franz von Assisi mit dem Todtenkopfe, 1585. H. 5 Z. 3 L., Br. 3 Z. 9 L.
Magdalena in der Wüste, 1501. H. 8 Z., Br. 6 Z. Sehr zier- lich geätzt. Die späteren Abdrücke tragen die Buchstaben: P.S. F. Silen auf der Erde zwischen einem Faun und einem Satyr, die Schale Annibale’s genannt, weil er den Gegenstand auf dem Bo- den einer achteckigen Schale gestochen hat. Diese befindet sich nebst einer andern im Schatze des Königs von Neapel. Die Abdrücke sind von der größten Seltenheit. Durchmesser 8 Z.
Zweifelhaft sind:
Der Triumph des Bacchus. H. 11 Z. 8 L., Br. 20 Z. 6 L. Derselbe Gegenstand. H. 11 Z. 4 L., Br. 20 Z.
Die drei Könige. H. 8 Z. 2 L., Br. 6 Z. 8 L.
Die heilige Jungfrau mit dem Kinde nebst dem heiligen Joseph, der einen Stock hält. H. 3 Z. 8 L., Br. 2 Z. 6 L. Höchst selten.
Die heil. Jungfrau, welche mit der rechten Hand das Kind hält und ihm mit der Linken die Brust reicht; bezeichnet: An. Car.. in. H. 5 Z., Br. 3 Z. 10 L.
La vierge au corbeau blanc. H. 6 Z., Br. 4 Z. 2 L.
Nach Bartsch hat F. Brizio dieses Blatt geätzt.
Die heil. Jungfrau, welche das Kind anbetet, wahrscheinlich nach dem wunderthütigen Bilde in Reggio gestochen. H. 9 Z., Br. 7 Z. 4 L. Äußerst selten,
St. Franz von Assisi mit über die Brust gekreuzten Händen. H. 6 Z. 6 L., Br. 4 Z. 6 L. Die ersten Abdrücke sind bezeichnet: P—S—F. ohne Namen Annibale’s,
Irrig werden ihm zugeschrieben: Christus und die Samariterin, 1610.
Dieses Blatt hat Guido gestochen.
Die heil. Jungfrau mit dem Buche in der Rechten, umarmt mit der Linken das Kind,
Gestochen von Guido,
St. Petronius verchret das Schweisstuch,
Gestochen von F. Brizio.
Die heil. Jungfrau mit dem Kinde, St. Clara und Joseph.
Gestochen von Guido.
Die Ruhe in Ägypten, wo der Engel den Esel füttert.
Wahrscheinlich von Brizio gestochen.
Paris erhält von Merkur den Apfel.
Gestochen von Galestruzzi.
Gori und Heinecke führen noch andere Blätter an, aber sie sind nicht Annibale’s Werk; nämlich: St. Johann, der dem Kinde sein Lamm darbietet; die Jungfrau mit dem Kinde, welches die Hand auf das Lamm legt; die heil. Jungfrau mit dem Kinde, das einen Vogel fliegen lässt, fälschlich mit Annibale Carracci fecit bezeichnet; ein Alter, welcher mit zwei Ädern spricht, Halbfiguren, bezeichnet: Carracci f. Romae 1603.
Es finden sich von diesem Künstler ebenfalls noch mehrere Zeichnungen. Ein männlicher Kopf in Rothstein ist bei Weigel für 5 Thlr. 12 gr. ausgeboten.
Annibale Carraccis farnesische Gallerie ist auch durch Kupferstiche bekannt, unter dem Titel: Galleria mello palazzo del Duca di Parma in Roma, dipinta da An. Carracci, intagliato da Cesio. Roma 1657. fol. 30 M. wusser dem Titel. – Diesem Werke ist gewöhnlich die Galeria del pal. Parifilo beigebunden.
Diese Gallerie hat auch J. Belly in 32 Blättern gebracht. Basan veranstaltete davon eine Sammlung von 37 Blättern; die F. Poilly gestochen, und N. Mignard zeichnete und nach 7 Bl. nach Annibale’s Gemälden im Palast Farnese.
Ein anderes Werk führt den Titel: Galeriae Farnesianae icones Romae im aedibus ducis Parmensis ab An. Carracci coloribus expressae. P. Aquila del et ite. Romae; X. Jac. de Rubeis, fol. 21 Bl. ohne die 3 Titelkupfer. Diesem Werke sind gewöhnlich die Imagines Farnesini cubiculi, 15 Bl., nach Carracci von P. Aquilia, beigebunden. Die neue Ausgabe der Galeriae Farnes. icones: ist von 1733, mit 33 Bl. fol.
Le Fevre hat die farnesische Gallerie auf 20 Bl., Volpato und Bettelini selbe auf 6 Bl. gegeben.
Man hat auch andere Sammlungen nach Annibale’s Werken, wie:
Diverse figure al numero diettanta, disegnate di penna nell’ hore di Ozzabe; et tagliate da An. Carracci, intagl. da S. Guilino, Romae
Le Arte di Bologna originali, disegnate da lui, intagl. da S. Guilino, e pubblic. da C. Ant. Fosarelli. Roma 1646; fol. Die Ausgaben von 1660 (41 Bl.) und jene von 1740 (80 Bl.) sind weniger geschätzt.
Ebert und Brunet rubrizieren unter Annibale Carracci auch das Claustro di S. Michele in Bosco, dipint. da L. Carracci, descrit. da C. Malvasia ed intagl. da G. Giovannini, allein an diesem Werke hat Hannibal keinen Antheil.
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