Choris, Ludwig

Choris, Ludwig, Zeichner, Historien- und Landschaftsmaler , geb. zu Yekaterinoslaw in Kleinrussland . Er verrieth von zarter Kindheit an ein ungewöhnliches Talent zum Zeichnen, und ver- folgte daher diese Kunst mit allem Eifer. Bald sah er sich von einem durchreisenden Portraitmaler besonders angezogen, und er wollte Bildnissmaler werden ; allein das Studium der Naturgeschichte führte ihn zur Landschaftsmalerei, und diese flösste ihm frühzeitig einen unwiderstehlichen Hang zum Reisen ein. Seine Geschicklich- keit verschaffte ihm den Vortheil, den berühmten Pflanzen- kenner Marschall von Biberstein auf seiner Reise nach dem Kau- kasus begleiten zu dürfen, und hier zeichnete er fast alle Blumen der „Flora Caucasiana“. Als er im Jahre 1814 nach Petersburg kam, um die Kunstakademie zu besuchen, zeichnete er sich bald so sehr aus, dass er vom Reichskanzler Grafen Rumjänzoff gewählt wurde, als Maler den Lieutenant Otto von Kotzebue auf seiner Reise um die Welt zu begleiten. Auf dieser Reise zeichnete er Al- les, was uns einen deutlichen Begriff von den Eingebornen Nord- amerika’s und den Südinsulanern verschaffen konnte. Nach einer fast vierjährigen Seefahrt kam er 1818 nach Frankreich , wo er das Steinzeichnen lernte, und seine Beobachtungen und Studien in einem Werke herausgab, welches den Titel führt: Voyage pittores- que autour du monde, offrant des portraits de sauvages d’ Ameri- que, d’ Asie, d’ Afrique et des fles du grand ocean, leurs armes, leurs habillemens etc., — accompagnees de descriptions par Cuvier et Chamisso etc. 22 Lief. fol. Paris 1821 — 23. In diesen Zeich- nungen herrscht eine Wahrheit, Lebensfrische und Originalität, wie sie kein früherer Maler ähnlicher Gegenstände zu verleihen wusste. Die Fortsetzung dieses Werkes bildet gleichsam seine „Vues et paysages des regions Equinoxiales, recueillis dans un voyage autour du monde, 24 Taf. in fol. Paris 1826.

Mitten unter diesen Arbeiten fand Choris immer noch Zeit, sich unter Gerard’s und Regnault’s Leitung in der Historienmalerei aus- zubilden. Mit Ersterem reiste er 1826 nach Rheims, um eine Zeich- nung von der Krönung Karl X. zu entwerfen. Von neuer Reiselust getrieben, unternahm er 1827 eine Wanderung durch Südamerika, vorzüglich um die Eigenthümlichkeit der dortigen Indianerstämme zu studieren und seine ausgezeichnete Sammlung von Portraits aller Nationen der Erde durch Zeichnungen nach der Natur zu vervoll- ständigen, allein er wurde am 22. März 1828 auf dem Wege von Veracruz mit dem Britten Handerson von Strassenräubern ermor- det. Er hinterliess in Frankreich ein zum Drucke bereites Werk über Russland, welches den Titel führt: „Recueil de têtes et de costumes des habitans de la Russie avec vues du mont Caucase et de ses environs“, und welches aus 18 Lieferungen bestehen wird. Mit Choris beginnt gleichsam eine neue Periode der physiognomi- schen Zeichenkunst; denn nicht nur den Menschen, sondern auch die Physiognomie der Pflanzenwelt hat er zum Gegenstande seiner Forschungen gemacht.

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